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Bad Doberan Rostocker Praxis als erste an Datenautobahn angeschlossen
Mecklenburg Bad Doberan Rostocker Praxis als erste an Datenautobahn angeschlossen
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00:05 02.12.2017
Angeschlossen an die Telematik- Infrastruktur: Zahnärztin Anne Sandmann (52) zeigt das neue Kartenlesegerät. Quelle: Foto: André Wornowski
Rostock

Für einige ist sie ein Dokument des Scheiterns: die elektronische Gesundheitskarte mit Foto und Computerchip. Vor acht Jahren schon wurde die kleine Scheckkarte eingeführt und längst trägt sie fast jeder Rostocker in seinem Portemonnaie. Mit ihr sollte alles möglich sein: Röntgenbilder anzeigen, Rezepte abspeichern, Diagnosen und Arztbriefe dokumentieren. Auch als elektronische Patientenakte sollte die neue Gesundheitskarte genutzt werden. Doch bislang kann sie nichts von alledem. Erst im August machte die Nachricht die Runde, dass die Scheckkarte vor dem Aus stehe. Nun kommt aber wieder Bewegung in die Entwicklung – und eine Zahnarztpraxis in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein.

Anne Sandmann und Inga Herzog betreiben die bundesweit erste Praxis, die an die sogenannte Telematik-Infrastruktur (TI) angeschlossen worden ist, an einer Art Intranet fürs Gesundheitswesen. „Die Stammdaten der Versicherten können jetzt einmal pro Quartal online mit den Krankenkassen abgeglichen werden. Bisher war das nur offline möglich“, sagt Anne Sandmann. Zu den Daten gehören Name, Adresse, Geburtsdatum und Krankenkassennummer. „Gegebenenfalls erfolgt eine Aktualisierung. So kann auch überprüft werden, ob ein Patient tatsächlich bei der Krankenkasse versichert ist“, sagt die Zahnärztin. Das Ganze dauere drei bis sechs Sekunden. „Für den Patienten ändert sich nichts“, betont Sandmann.

Kommunikation soll beschleunigt werden

In einem nächsten Schritt sollen die Notfalldaten der Patienten auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. „Daran wird aktuell gearbeitet“, wird Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical

AG Deutschland, in der Online-Ausgabe der Ärzte-Zeitung zitiert.

Die CompuGroup ist bisher als einzige Firma für die Ausstattung mit sogenannten Konnektoren zertifiziert worden. In Zukunft sollen auch elektronische Rezepte, Arztbriefe und Anträge auf der Gesundheitskarte gespeichert werden können. „Für uns ist das eine große Erleichterung. Wir wissen dann zum Beispiel sofort: Welche Medikamente nimmt der Patient? Welche Blutgruppe hat er?“, sagt Sandmann. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten im Gesundheitswesen werde beschleunigt – zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen. „Die Online-Kommunikation der einzelnen Akteure – wie elektronische Arztbriefe oder Telekonsile – soll nur noch über die Telematikinfrastruktur laufen“, teilt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit.

Skandinavische Länder sind längst viel weiter

Die skandinavischen Ländern seien in dieser Hinsicht längst viel weiter, sagt Norbert Butz, Leiter des Dezernats Telemedizin und Telematik der Bundesärztekammer. In Schweden und Dänemark können die Patienten bereits mit ihrem Arzt über den Computer kommunizieren. In Deutschland geht das noch nicht. Auch weil hier der Datenschutz eine größere Rolle spiele, erläutert Butz: „Um die hohen Anforderungen hierzulande zu erfüllen, ist sehr viel Technik notwendig. Und die muss erst entwickelt werden. Das dauert.“

Voraussetzung für den Anschluss an die Telematik-Infrastruktur sind unter anderem ein Konnektor, ein VPN-Zugangsdienst, ein „E-Health“-Kartenterminal, ein elektronischer Praxisausweis und ein Update des Praxisverwaltungssystems. Die Gesamtkosten für die Anschaffung belaufen sich auf mehr als 4000 Euro plus monatliche Betriebskosten in Höhe von rund 90 Euro. Laut KBV müssen die Krankenkassen für diese Ausgaben der Praxen aufkommen.

Bis Ende 2018 müssen alle angeschlossen sein

Im E-Health-Gesetz ist klar geregelt: Bis zum 31. Dezember 2018 müssen alle Praxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein. Wer die Frist nicht einhält, dem wird das Honorar um ein Prozent gekürzt. Aus Sicht von Butz kommt der Termin jedoch zu früh. „Es reicht nicht, dass der Arzt einen Konnektor haben will – die Industrie muss ihn auch liefern können.“

Weil es momentan nur einen zertifizierten Anbieter gebe, könne es zu Lieferengpässen kommen. „Eine Sanktion des Arztes träfe dann den falschen“, sagt Butz. Nach Angaben der CompuGroup haben bundesweit rund 10 000 Praxen den notwendigen elektronischen Praxisausweis vorbestellt. Laut Butz gebe es jedoch bis zu 200000 Arzt- und Zahnarztpraxen.

Anne Sandmann und Inga Herzog haben übrigens die älteste privat geführte Familienpraxis in Mecklenburg-Vorpommern. „Sie wurde 1930 gegründet und wird inzwischen in dritter Generation geführt“, sagt Sandmann. Ab Januar steigt mit ihrer Tochter sogar die vierte Generation ein. Dass ihre Praxis nun deutschlandweit die erste sei, die an das neue IT-System angeschlossen wurde – „da sind wir schon ein bisschen stolz drauf“, sagt Anne Sandmann.

GOTTESDIENSTE

SONNABEND:

Katholisch» Kröpelin: Dammstr. 10: 18.30 Uhr Hl. Messe. Neubukow: Malpendorfer Weg 2: 17 Uhr Hl. Messe.

SONNTAG:

Evangelisch» Bad Doberan: Doberaner Münster, Klosterstraße 2: 9.30 Uhr Familiengottesdienst im Gemeindezentrum. Landeskirchliche Gemeinschaft, Alexandrinenplatz 5, Haus Gottesfrieden: 15 Uhr mit Kindergottesdienst. Ostseebad Kühlungsborn: St.-Johannis-Kirche, Schloßstr. 19: 10 Uhr. Alt Bukow: 14 Uhr, Pastor Timm.

Alt Karin: 14 Uhr. Börgerende-Rethwisch: 10 Uhr. Hohen Luckow: 15 Uhr Singegottesdienst mit dem Chor im Schloss Hohen Luckow (Rittersaal), anschließend Adventskaffeetrinken.

Kröpelin: 10 Uhr mit Kindergottesdienst.

Ostseebad Rerik: St. Johannes-Kirche, Liskowstr. 3: 10 Uhr.

Steffenshagen: Dorfstr.: 14 Uhr mit Taufe und anschließender Adventsfeier.

Freikirchen» Bad Doberan: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Baptisten, Clara-Zetkin-Straße 31a: 10 Uhr.

Katholisch» Bad Doberan:

Doberweg 19: 9 Uhr Hl. Messe. Ostseebad Kühlungsborn: Ostseeallee 1b: 11 Uhr Hl. Messe. Satow: (in der evangelischen Kirche), Am Eickboom: 14 Uhr Ökumenischer Gottesdienst.

Neuapostolisch» Bad Doberan: Thünenstr. 28: 9.30 Uhr.

Ostseebad Kühlungsborn:

Hermann-Häcker-Straße 27:

9.30, 10 Uhr.

Sicheres Netz

Der Begriff „Telematik“ ist eine Kombination der Wörter „Telekommunikation“ und „Informatik“. Dabei geht es um die Vernetzung verschiedener IT-Systeme und die Möglichkeit, Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander zu verknüpfen.

Die Telematik-Infrastruktur vernetzt laut Gesellschaft für Telematikanwendung der Gesundheitskarte mbH alle Akteure des Gesundheitswesens im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung und gewährleistet den sektoren- und systemübergreifenden sowie sicheren Austausch von Informationen. Sie ist ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer mit einem elektronischen Ausweis Zugang erhalten.

André Wornowski

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