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Bad Doberan Rostocker legt in Wismar den Grundstein für ein Industrie-Imperium
Mecklenburg Bad Doberan Rostocker legt in Wismar den Grundstein für ein Industrie-Imperium
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00:20 14.04.2018
Im Juli 1997 war der weltweit einzige noch erhaltene Podeus in Wismar zu Gast und wurde auf dem Markt ausgestellt. Quelle: Foto: Andreas Nielsen

/Rostock. Automobile made in Mecklenburg – die gibt es nicht? Und ob! Möglich gemacht hat das ein Rostocker: Heinrich Podeus. Der Kapitän und Großhändler ist Gründer der ersten und einzigen Automobilfabrik in Wismar und Umgebung. In der sind neben Personenwagen auch Lkw und Kettenfahrzeuge produziert worden.

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Heinrich Podeus gründete das Familienunter- nehmen. Lkw, Pkw und Waggons wurden produziert.

Am 9. November 1832 wird Heinrich Podeus in einer alten Schifferfamilie in Warnemünde geboren. Wie seine Vorfahren ist er als Seemann von Rostock aus zur See gefahren. 1859 erwirbt er auf der Seemannschule in Wustrow auf dem Fischland das Kapitänsexamen für Große Fahrt. Elf Jahre später gibt er die Seefahrt auf und erwirbt den Bürgerbrief in Wismar, wo er am 27. April 1870 eine Holz- und Kohleimportgesellschaft gründet.

Heinrich Podeus dehnt seine Geschäftsfelder immer weiter aus. Dem Kohleimport, Lagerung und Verkauf in Wismar, Rostock, Warnemünde und Schwerin folgt die Einfuhr von Holz und schließlich der Aufbau eines erfolgreichen Industrieimperiums. Das beginnt mit dem Aufkauf der 1. Wismarer Eisengießerei im Jahre 1879. Podeus hat ein Händchen für gute Geschäfte. So verhilft er der aufkommenden Dampfschifffahrt in Ost- und Nordsee zum Durchbruch. Dazu wird 1883 in Wismar eine eigene Reederei gegründet. Die „Wismar“, eines der ersten Eisenschiffe, wird bei der Rostocker „Aktien Gesellschaft für Schiffs- und Maschinenbau“ auf Kiel gelegt und fährt als Kohlefrachter zu englischen Kohlezentren.

Eisengießerei in Wismar wird gekauft

Podeus erkennt aber auch die hervorragenden Infrastrukturen mit Hafen und Eisenbahn der damals kleinen Hansestadt. So ist es nicht verwunderlich, dass er rückblickend auf sein Lebenswerk im guten Sinne der „Krupp von Mecklenburg“ genannt wird. Ohne Heinrich Podeus wäre die industrielle Entwicklung Wismars nicht in dem Umfang geschaffen worden. Die drei Töchter des Ehepaares Podeus heiraten in der Wismarer Gesellschaft. Die Söhne, der 1863 geborene Heinrich Podeus d.J. und der 1869 geborene Paul Podeus, treten in die Firmen des Vaters ein. 1879 kauft Heinrich Podeus die 1853 gegründete Eisengießerei und Maschinenfabrik von Crull & Co. in Wismar. In der arbeiten 1895 rund 200 Beschäftigte als Zulieferer für Werften, Schiffsneubauten, aber auch für den Häuserbau und die Kanalisation. An einigen Wismarer Häusern und besonders alten Schaufenstern kann man Podeus’sche schmiedeeiserne Säulen entdecken. Die Schlossbrücke am Schweriner Schloss ist ebenfalls in Wismar entstanden. 1893 gründet Heinrich Podeus mit seinem Sohn Paul eine Eisenbahnversuchsanstalt, aus der 1894 die Waggonfabrik hervorgeht und 1895 der erste Eisenbahnpersonenwaggon gefertigt wird. Schnell entwickelt sich dieser Unternehmenszweig. Durch eine hervorragende Qualitätsarbeit kann der Absatz sprunghaft gesteigert werden.

1911 beginnt der Bau von Personenwagen

1902 errichtet Podeus Sohn Paul einen Nutzfahrzeugbau. Der Ingenieur Josef Vollmer hat die Pläne für einen Lastwagen entwickelt, und 1905 beginnt der Serienbau. Zur Komplettierung der Lkw-Fahrgestelle richtet Podeus eine eigene Karosseriebau-Werkstatt ein. Am 21. Juli 1905 stirbt Heinrich Podeus. Er hinterlässt seinen Erben ein gut florierendes Unternehmen. Das führen seine Söhne Heinrich und Paul fort. Während auf dem Gelände der alten Eisengießerei die Podeus’sche Maschinenfabrik entsteht, wird das Gelände für die Waggonfabrik auf 170000 Quadratmeter ausgebaut, wovon 50000 Quadratmeter überdacht werden. 1910 bringt Podeus zwei Lkw-Typen – einen Drei- und einen FünfTonnen-Subventionswagen – auf den Markt. 1911 wird der Bau von Personenwagen aufgenommen. Das erste Modell hatte 9/24 PS mit einem 2,3 Liter Vierzylinder-Motor und dreifach gelagerter Kurbelwelle und Seitensteuerung. 1912 folgt der größere 10/30 PS mit 2,6 Liter Hubraum und 1913 der 7/20 PS mit 2,0 Liter Hubraum. Alle Motoren haben die gleiche Technik, nur der Typ 9/24 hat alle vier Zylinder zusammengegossen, die beiden anderen Maschinen haben paarweise gegossene Zylinderblöcke. 1912 wird die Fabrik umfangreich erweitert und in Automobilfabrik Paul Heinrich Podeus umbenannt. Diese unterhält Vertretungen im In- und Ausland und durch die Lage an der Ostsee werden viele Fahrzeuge nach Russland und Skandinavien verkauft. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) wird die Pkw-Produktion allerdings wieder eingestellt. Erhaltene Podeus- Pkw made in Wismar gibt es heute so gut wie keine mehr.

Waggons werden nach Rostock verkauft

In Spitzenzeiten arbeiten in den Podeus’schen Unternehmen bis zu 1600 Mitarbeiter. Damit ist das Unternehmen führend in der Region, aber auch das soziale Engagement ist mit Betriebsbibliothek bis hin zu Werkswohnungen hervorragend. In der Waggonfabrik wird 1909 der 5000. Waggon ausgeliefert. Durch verstärkte Innovationen der eigenen Produktpalette gibt es viele Großaufträge und man ist in der Lage, sehr schnell die Produktion auf die jeweiligen Kundenwünsche umzustellen. So liefert man für Stettin, Rostock und auch Schwerin Waggons für die Straßenbahnen. Die neuen S-Bahnen in Hamburg und Berlin erhalten ebenfalls aus Wismar ihre Waggons. Exporte gehen nach Holland und Dänemark sowie bis nach China. Die Wismarer haben sich einen Ruf in der Qualität erworben und das zahlt sich aus. 1911 wird die bis dahin eigentümer-geführte Waggonfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis zum Ersten Weltkrieg läuft die Produktion auf Hochtouren. Während des Krieges baut man hier auch Fahrzeuge für das Heer. 1917 verlässt der 10000. Waggon die Hallen am Platter Kamp. Nach dem Krieg erhält die Waggonfabrik steigende Aufträge von der Reichsbahn. Deutschland hat als Kriegsverlierer unter anderen 50000 Waggons an die Siegermächte abzuliefern. Die Belegschaft wird aufgestockt und da die alten Hallen, die um 1900 errichtet wurden, zu klein sind, baut man über die alten Hallen 1922 die neue Halle. Hier werden moderne Waggons, vom Speisewagen bis zum Salonwagen, produziert. Später entstehen auch Omnibusse, wie die nach Berlin ausgelieferten Doppelstockbusse und die bekannten dieselbetriebenen Eisenbahntriebwagen, die sogenannten „Schweineschnäuzchen“. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 gehen die Aufträge der Reichsbahn nahezu aus und die Podeuswerke in die Insolvenz. Ende 1931 schrumpft die gesamte Belegschaft des Werkes auf unter 200 Personen. Sie geht in die „Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar“ mit Sitz in Berlin über. Die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse und die fortschreitende Spezialisierung fordern, dass die Fabrikationszweige, die nicht mehr einträglich waren, fallen gelassen werden. Das Werk wendet sich der Fabrikation von Triebwagen zu. Dieser Zweig entwickelt sich in kurzer Zeit so gut, dass die Belegschaft wieder um 1000 Mitarbeiter wächst.

Waggonfabrik baut für deutsche Bahnen

Am 23. März 1936 firmiert das Unternehmen „Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar Aktiengesellschaft“ als eigenständige Firma. Besonders in den 1930er Jahren beziehen viele Kleinbahnen Triebwagen aus Wismar. Die bilden eine eigene Produktlinie, die sogenannten Schienenbusse. Ihr Einsatz führt dazu, dass mit Dampf betriebene unrentable Strecken wieder rentabel arbeiten. Die in Wismar gebauten Fahrzeuge sind preiswert, bequem sowie im Unterhalt und Betrieb äußerst kostengünstig. Die Waggonfabrik Wismar liefert von 1932 bis 1941 57 Schienenbusse der Bauart „Hannover“

(„Schweineschnäuzchen“) an deutsche Bahnen aus. Die Schienenbusse werden in fünf verschiedenen Typen produziert. Sie unterschieden sich durch die Motorleistung mit 40 und 50 PS.

Im Zweiten Weltkrieg sind die Industrieanlagen von Podeus Ziel der alliierten Luftangriffe. Sie werden zu 80 Prozent zerstört. Die Wismarer Waggonfabrik wird nach dem Krieg aus dem Handelsregister gelöscht und aufgelöst.

Nutzfahrzeuge ab Ende 19. Jahrhunderts gebaut

Die industrielle Herstellung von motorbetriebenen Nutzfahrzeugen begann Ende des 19. Jahrhunderts. Pionierarbeit in der Antriebstechnik wurde insbesondere in Deutschland, Frankreich und den USA geleistet.

Carl Benz baute 1895 das erste Nutzfahrzeug mit Verbrennungsmotor. Der Omnibus hatte acht Sitze auf einem verstärkten Pkw-Fahrgestell. Der erste Lastkraftwagen mit Verbrennungsmotor wurde 1896 von Wilhelm Maybach konstruiert und in der Fabrik von Gottlieb Daimler gebaut.

Detlef Schmidt und Kerstin Schröder

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