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Bad Doberan Rostocker retten das Klima
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17:22 01.05.2018
Feuer und Flamme für neue Verfahren: Das Leibniz-Institut für Katalyse (Likat) baut ein neues Technikum. FOTOS (2): THOMAS HÄNTZSCHEL

Für Deutschlands Chemie-Riesen ist die Hansestadt Rostock eine der wichtigsten Ideen-Schmieden: Großkonzerne wie BASF, Evonik oder auch Henkel setzen bereits seit Jahren auf neue Ideen, die von Forschern des Leibniz-Instituts für Katalyse (kurz: Likat) erdacht werden. Nun gehen die kreativen Köpfe aus der Hansestadt sogar noch einen Schritt weiter – und haben das weltweite Klima im Blick: Das Likat will neue Verfahren entwickeln, damit die Menschheit künftig auf Kohlenstoff aus fossilen Quellen komplett verzichten kann – beispielsweise in der Energie-, der Rohstoff- als auch der Automobil-Branche. Für rund zehn Millionen Euro baut das Likat deshalb in der Rostocker Südstadt ein neues Technikum – ein hochmodernes Forschungs- und Entwicklungszentrum für Anwendungszwecke.

18 Millionen Euro

haben die Forscher am Likat jährlich für ihre Arbeit zur Verfügung. Mehr als ein Drittel davon stammt bereits aus der Industrie.

Spezial-Anwendungen für Autos, Parfüm und Klimaschutz

Bereits seit 1952 wird am Institut in Rostock im Bereich Katalyse geforscht. Das heutige Leibniz-Institut war das erste seiner Art in ganz Europa. „Beim Begriff Katalysator denken die meisten Menschen sicherlich an den Abgas-Reiniger in ihrem Auto. Aber der ist nur ein Beispiel für unsere Arbeit“, sagt Likat-Sprecherin Barbara Heller. Unter Katalyse verstehen Chemiker ganz allgemein Verfahren, um chemische Prozesse zu beschleunigen oder gar erst in Gang zu setzen. „80 Prozent der Herstellungsprozesse für chemische Produkte sind ohne Katalyse gar nicht möglich“, so Heller. Und genau deshalb schauen die großen Konzerne nach Rostock: „Es gibt kaum ein Unternehmen aus dieser Branche, mit dem wir nicht zusammenarbeiten.“ An bis zu 40 Projekten für die Industrie arbeitet das Likat pro Jahr: „Wir arbeiten für die Automobil-Branche, für Parfüm-Hersteller, für Plastik- Produzenten, für Energie-Konzerne und auch Klebstoff- Hersteller.“

Tests finden bald

auch in Rostock statt

Das Manko bisher: Die Rostocker konnten bislang nur die Laborforschung liefern. Um für die neuen Verfahren und Katalysatoren auch selbst Pilotanlagen und Prototypen zu bauen sowie diese zu testen, fehlte aber der Platz. Dafür war das Likat auf die Großkonzerne angewiesen. Bis 2021 soll nun aber in direkter Nachbarschaft zu den bestehenden Labors und Büros das Technikum gebaut werden.

„Wir werden dann viel mehr Ideen als bisher aus der Forschung zur Praxisreife führen können“, so Matthias Beller, der Direktor des Likat. Bund und Land tragen die Kosten für den Neubau gemeinsam.

Auch die Wirtschaft in Rostock und in ganz MV soll davon ganz direkt profitieren: „Kleine und mittelständische Unternehmen können sich die aufwändige Technik für Tests und Prototypen oft nicht leisten. Unser Neubau eröffnet uns deshalb auch neue Möglichkeiten für neue Kooperationen mit Firmen aus der Region.“

Das Ziel ist die

„grüne Energie“

Das Likat mit seinem neuen Technikum wird einen klaren Schwerpunkt haben: den Klimaschutz. Die Rostocker wollen neue Technologien entwickeln, die fossile Brennstoffe und somit einen zusätzlichen Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlenstoffdioxid überflüssig machen. „Es geht uns darum, die ,grüne Energie’ zu ermöglichen – in dem wir Alternativen für die Energiespeicherung, für die Produktion von Kraftstoffen und auch für die Gewinnung von Grundstoffen für die Industrie entwickeln“, erklärt Likat-Forscher Udo Armbruster.

Kohlenstoff werde zum Beispiel für die Produktion von Medikamenten, für Kraftstoffe und Energie, Farben und Reinigungsmittel, aber auch Dünger, Plastik und Textilfasern benötigt. Hauptquelle sind bisher fossile Rohstoffe – Öl zum Beispiel. Kohlenstoff ließe sich aber ebenso gut auch aus Pflanzen gewinnen, sagt Armbruster. „Die enthalten sehr viel Sauerstoff, der bei der chemischen Weiterverarbeitung stören würde. Wenn wir aber Wasserstoff – erzeugt mit Hilfe alternativer Energiequellen – nutzen, können wir den Sauerstoff binden. Am Ende bleiben Kohlenstoff und Wasser übrig“, so Armbruster.

Ein zweiter Weg zur „grünen Energie“ sei die Nutzung von „Abgasen“ – aus Fabriken beispielsweise. Statt das Kohlendioxid in die Atmosphäre entweichen zu lassen, will das Likat Wege entwickeln, das Gas gleich aufzufangen und beispielsweise wieder zu Kraftstoff zu machen. Oder: Gase, die in Biogas-Anlagen anfallen – Methan und CO2 – könnten mittels neuer Verfahren aus dem Likat eines Tages zu klimafreundlichem Kerosin für Flugzeuge umgewandelt werden. „Das ist ein hochaktuelles Thema. Denn die Luftverkehrsbranche wächst stetig“, so Armbruster. Likat-Sprecherin Heller formuliert die ehrgeizigen Ziele so: „Wir wollen Katalysatoren entwickeln, die helfen, dass Auto-Antriebe ohne neue Emissionen auskommen und sich ganze Häuser künftig selbstständig mit Energie versorgen können.“

340 Forscher in der

Südstadt

Das Leibniz-Institut gehört zu den größten Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt 340 Mitarbeiter und Gäste sind am Likat beschäftigt. Das Institut – ein so genanntes An-Institut der Uni Rostock – hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins und verfügt über einen Jahresetat von mehr als 18 Millionen Euro. Den größten Teil davon teilen sich Bund und Land. Aber:

Jährlich gelingt es den Forschern, mehr als sieben Millionen Euro an Drittmittel einzuwerben – zum Beispiel von den Großkonzernen, die Ideen aus Rostock benötigen.

Andreas Meyer

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