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Rostocks Kirchen werden zu Konzert-Tempeln

Rostock Rostocks Kirchen werden zu Konzert-Tempeln

Die Gemeinden wagen den Spagat zwischen Glaube und Unterhaltung. Einnahmen könnten das Geld für nötige Sanierungen einbringen.

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Pastor Marcus Antonioli (42) will mehr Konzerte und Ausstellungen in der Heiliggeist-Kirche — sie soll zur Kulturkirche werden.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Kultur-Offensive in den Kirchen: Um mehr Rostocker in die Gotteshäuser zu locken, planen viele Gemeinden einen Kurswechsel. Sie wollen weg von reinen Gebetsbauten hin zu Kulturkirchen, die häufiger Konzerte und Ausstellungen veranstalten. Das könnte, angesichts des drohenden Schwunds bei Kirchensteuereinnahmen, auch langfristig die Finanzierung der Bauwerke sichern, so die Hoffnung. Die Mitgliederzahlen in den Gemeinden entwickeln sich unterdessen positiv. Doch der bauliche Zustand der Kirchen bereitet vielen Sorgen — Millionenbeträge sind für die Renovierung von Verschleißschäden nötig.

„Wir werden das neue Konzept einer Kulturkirche vorantreiben“, sagt Marcus Antonioli, Pastor der Heiliggeist-Kirche in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Verstärkt sollen künftig Konzerte steigen und Ausstellungen die Räume füllen. Um den Andrang — wie etwa beim Konzert von Axel Prahl im Februar — meistern zu können, werden bald mehr, auch behindertengerechte Toiletten installiert. Rund 2000

Mitglieder zählt die Gemeinde.

Auch die 4000 Anhänger starke Innenstadtgemeinde setzt auf den Trend zu mehr Unterhaltung: „Ideen in diese Richtung gibt es schon“, sagt Pastor Reinhard Scholl. Im Nordschiff der Petrikirche etwa wird ab Sommer eine Skulpturengalerie eingerichtet. Ein erster Schritt zu einem verstärkten Kulturangebot. „Instrumental-Konzerte, klassische Musik — wir haben dort die Möglichkeiten dazu“, sagt Kantor Karl-Bernhardin Kropf.

Die Nikolaikirche sieht Scholl ohnehin als „ein Flaggschiff“ bei Kulturangeboten. Das Musical Evita nennt er als Beispiel. Er mahnt aber, die Profile der Kirchen nicht völlig verschwimmen zu lassen.

Konzerte sollten vorwiegend in Räumen, die nur geringe spirituelle Bedeutung hätten, gespielt werden. Ähnlich sieht es der katholische Pfarrer Ulrich Karsten: „Kunst, Musik und Co. kommen bei uns oft vor, wir suchen weiter nach neuen Wegen, um die Leute dort abzuholen, wo sie sind, bei Dingen, für die sie sich interessieren“, sagt er. Die Events in der Christuskirche seien nichts Dauerhaftes, sie könnten „Attraktivität von Kirche und Glauben aber verstärken“.

Über Zuspruch und Zulauf können die Christen jedenfalls nicht klagen. Der evangelische Kirchenkreis Rostock, welcher die Stadt samt Kessin erfasst, zählte Ende des vergangenen Jahres 22 800 Mitglieder. Das sind nur rund 200 weniger als vor vier Jahren. „Unsere seelsorgerische Arbeit nimmt derzeit eher zu als ab“, sagt Scholl.

Doch plagen die Gemeinden auch Sorgen. Vor allem der Zustand der Kirchen. So steht in der Petrikirche der Brandschutz ganz oben auf der Liste. Im Laufe des Jahres wird dieser verbessert. Danach kommen die Glocken an die Reihe, bevor auch noch das Norddach renoviert werden muss. In der Nikolaikirche wird aktuell die Umstellung von einer alten Elektro- Heizung aus DDR-Zeiten auf Fernwärme vorbereitet. Auch die Toiletten werden derzeit saniert.

„Danach ist dringend der Turm an der Reihe, die Steine sind dort bröckelig“, sagt Christian Meyer, Sprecher der Nordkirche, der den Überblick über alle Sanierungen hat. In Sankt Nikolai stünden zudem der Glockenstuhl und die Fenster auf der Agenda. In der Heiliggeist-Kirche macht das alte Nordfenster Probleme. „Es ist nur notgesichert, wenn das fällt, ist es für immer verloren. Wir müssen schnellstens handeln“, sagt Pastor Marcus Antonioli. Kosten: 45 000 Euro. Auch die Treppenaufgänge bedürfen der Renovierung. In Biestow ist die Entwässerung rund um die Kirche derzeit im Blickpunkt. Da Fördergelder ausgefallen seien, wird Meyer zufolge nach alternativen Geldquellen gesucht.

Stabile Mitgliedszahlen

22 800 Kirchenmitglieder zählte der evangelischen Kirchenkreis Rostock und Kessin zum Ende des

vergangenen Jahres. Im Gegensatz zum Bundestrend bleiben die Zahlen seit Jahren vergleichsweise stabil.

23,7 Millionen Euro Steuereinnahmen erwartet die Nordkirche 2013 für den Kirchenkreis Mecklenburg. Bei den Ausgaben fließt der größte Teil, rund 26 Millionen Euro oder 62,7 Prozent, in die 268 mecklenburgischen Kirchengemeinden, also auch nach Rostock. Schwerpunkte sind Seelsorge, Personalkosten und Bauaufgaben. Ende 2012 waren 186 659 Mitglieder der Nordkirche MV, 2008 waren es 201 000.

50 000 Katholiken gibt es in MV etwa.

Björn Wisker

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