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Bad Doberan Satow sammelt 70 000 Euro für Tsunami-Opfer in Indonesien
Mecklenburg Bad Doberan Satow sammelt 70 000 Euro für Tsunami-Opfer in Indonesien
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18:40 05.11.2018
Alif (l. mit Baby im Arm) und seine Kinder. Seine Frau Yeni wird seit dem Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi vermisst. Quelle: Anna Kirstein
Satow/Donggala

So eine große Hilfsbereitschaft in so einer kleinen Stadt: Rund 70 000 Euro hat die Kirchgemeinde in Satow bei Rostock bereits für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer in Indonesien gesammelt. Der Hintergrund ist dramatisch: Die aus Satow stammende Tauchlehrerin Anna Kirstein arbeitet in einem Urlaubsresort mitten im Krisengebiet und unterstützt die Einheimischen, wo sie kann. Jetzt konnten mit dem Geld aus Satow bereits die ersten Hilfsprojekte gestartet werden.

Und die Spenden werden dringend benötigt, erklärt Annas Mutter Steffi der OZ: „Staatliche Hilfe kommt in den entlegenen Orten bislang nicht an.“ Anna kann dagegen unbürokratisch helfen. Dabei werde großer Wert auf Transparenz gelegt, betont Mutter Kirstein. „Jeder Spender wird darüber informiert, was mit seinem Geld gemacht wird.“ Allerdings kommt nur ein Teil der Überweisungen auf das Spendenkonto aus der Region. „Viele, die schon im Resort Urlaub gemacht haben, geben etwas. Darunter sind viele Niederländer.“ Auch mehrere Firmen hätten gespendet.

In zwei Dörfern rund um das Resort in der besonders hart getroffenen Region auf der Insel Sulawesi konnte Anna bislang die Not der Menschen lindern. „Eine Familie hat ihren Vater verloren. Er fuhr mit einem Kleinlaster Wasser für Menschen ohne Wasseranschluss aus. Der Tsunami riss ihn samt seines Pick-ups mit sich.“ Den Vater können die Helfer den Hinterbliebenen zwar nicht ersetzen, wohl aber den Kleinlaster: Dieser wurde mit dem Geld aus Satow geborgen und instandgesetzt. Dazu bekam er einen großen neuen Wassertank. „Jetzt fährt der Sohn des Mannes wieder Wasser aus“, sagt Steffi Kirstein. Die Mutter der Opfer-Familie will mit dem Spendengeld einen kleinen Kiosk eröffnen, um noch etwas dazu zu verdienen.

Unter den Todesopfern ist vermutlich auch Yeni, Mutter von sieben Kindern. Sie wird seit der Katastrophe vermisst. Vater Alif überlebte schwer verletzt. „Die schulpflichtigen Kinder bekamen jetzt neue Schuluniformen und Schulsachen“, berichtet Steffi Kirstein. Derzeit lebten immer noch viele Menschen aus Sulawesi in Zelten, entweder weil ihr Zuhause zerstört wurde oder weil sie weiterhin Angst vor Nachbeben haben. An Wiederaufbau sei daher noch nicht zu denken. „Aber später soll dann von dem Spendengeld auch dabei geholfen werden.“

Spendenkonto für Sulawesi

Die Kirchgemeinde ­Satowim Landkreis Rostock sammelt auch weiterhin Spenden für die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Indonesien.

Alle Spender werden über die Verwendung ihres Geldes informiert.

Empfänger: Kirchengemeinde Satow

Verwendungszweck: Tsunamihilfe

Donggala

Ostseesparkasse ­Rostock

IBAN DE48130500000515001104

BIC NOLADE21ROS

Am 28. September erschütterte ein Beben der Stärke 7,4 die Insel Sulawesi. Die Region um die Stadt Palu wurde kurz darauf von einem Tsunami getroffen. Bei bis zu elf Meter hohen Wellen reichte das Wasser bis zu einem halben Kilometer ins Landesinnere. Mindestens 2000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 1300 werden noch vermisst, über 200 000 Menschen verloren ihr Zuhause. Die Schäden werden bislang auf umgerechnet rund eine Milliarde Euro geschätzt. Bis Weihnachten will die indonesische Regierung die grundlegende Infrastruktur wiederherstellen und Behelfsunterkünfte bauen.

In Satow wird weiter für die Opfer gesammelt. Am Sonntag gibt es nach dem Martinsumzug Soljanka, Schmalzstullen und Tee am Lagerfeuer (ab 17 Uhr). Die Erlöse gehen nach Indonesien. Bei Anna laufen die Fäden zusammen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten sowie dem Kapitän des Tauchboots und dessen Tochter bildet sie den harten Kern der Hilfstruppe.

Wegen der großen Belastung nimmt sie derzeit allerdings einige Tage Auszeit. Auf Facebook hatte sie noch geschrieben: „Die Menschen in meiner Umgebung, meine Bekannten und Freunde, machen momentan Unbeschreibliches durch. Jeder Euro kann dabei helfen, sie zu unterstützen und ihnen, nach der schrecklichen Tsunami-Katastrophe, den Weg zurück in die Normalität zu erleichtern.“

Mehr zum Thema: Erdbeben in Indonesien – Tauchlehrerin aus Satow ist in der Hölle von Sulawesi

Axel Büssem

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