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Bad Doberan Satower Kirchruine droht der Verfall
Mecklenburg Bad Doberan Satower Kirchruine droht der Verfall
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12:00 01.12.2018
Bekommt vorerst kein Dach: der Chorbereich der Satower Kirchruine. Quelle: Anja Levien
Satow

Die Satower Kirchruine bekommt weiter keine Überdachung. Auf ihrer jüngsten Sitzung lehnten die Gemeindevertreter einen entsprechenden Beschluss mit knapper Mehrheit ab. Wie es jetzt mit dem frühgotischen Bauwerk weitergeht, ist vollkommen offen. „Das Abstimmungsergebnis ist ein Armutszeugnis für Satow“, meinte Erhardt Liehr (FDP) konsterniert. Als Vorsitzender des Vereins „Lebendige Steine“ macht sich der Gemeindevertreter seit Jahren für den Erhalt des etwa 800 Jahre alten Gemäuers stark. „Vielleicht wird im kommenden Mai eine Gemeindevertretung gewählt, die mehr Sinn für diesen Schatz hat.“ Die Kommune sei eigentlich reich, so Liehr: „Deshalb ist die Entscheidung für mich ein Zeichen geistiger Armut.“

Der Putz löst sich, der Mörtel ist weich und nass, es gibt lange Risse und sogar vereinzelte Abbrüche – die Kirchruine weist jede Menge Schäden auf. Besonders das Ziegelmauerwerk an den verbliebenen Gewölbezwickeln ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Zuletzt wurde der Chorbereich vor etwa dreieinhalb Jahren aufwendig saniert – und sollte jetzt in einem ersten Bauabschnitt überdacht werden.

Bauausschuss votiert für Überdachung

Bereits in ihrer September-Sitzung hatten die Abgeordneten einen Grundsatzbeschluss zurück in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. „Im Bauausschuss haben wir uns nach sehr ausführlicher Diskussion mehrheitlich für eine Überdachung ausgesprochen“, sagte der Vorsitzende Bernd Steinbach (SPD). „Aus unserer Sicht sollte der Baukörper gesichert und langfristig erhalten werden.“ Der Sozialausschuss habe dafür plädiert, nicht nur den Chorbereich, sondern gleich das komplette Gebäude zu überdachen und notwendige Gelder in den Haushalt einzustellen, sagte Birgit Schwebs (Die Linke).

Ein Vorschlag, der im Hauptausschuss keine Mehrheit gefunden habe, sagte Bürgermeister Matthias Drese (SPD): „Stattdessen sollte die Verwaltung beauftragt werden, alle privat und öffentlich verfügbaren Fördermittel zu prüfen und auch zu beantragen.“ Denn nach aktueller Kostenschätzung würde eine Komplett-Überdachung der drei Teilbereiche Chor, Langhaus und Turm satte 400 000 Euro kosten.

Kritik an früheren Sanierungsmaßnahmen

Und genau hier liege das Problem, meinte Reiner Burr (Freie Wählergruppe): „Zwischen 2012 und 2014 wurden bereits 450 000 Euro in die Sanierung der Ruine gesteckt – allein 150 000 Euro musste die Gemeinde zahlen.“ Wirklich viel sei von den Maßnahmen aber nicht übrig geblieben, bemängelte Burr: „Mit einer Überdachung ist dem Mauerwerk überhaupt nicht gedient – und die geplanten Kernbohrungen für ein Ständerwerk dürften für das Gebäude auch nicht gerade vorteilhaft sein.“

Es werde der Eindruck vermittelt, dass die Kirchruine kurz vor dem kompletten Zerfall stehe, sagte Jürgen Gensch (SPD): „Das ist doch überhaupt nicht der Fall – und heute geht es nur um einen Grundsatzbeschluss, ob der Chorbereich ein Dach bekommen soll.“ Die Finanzierung dieser Maßnahme – rund 74 000 Euro – sei im Übrigen abgesichert, machte Gensch deutlich.

Ruine mit Potenzial als Kulturstätte

Der Verein „Lebendige Steine“ setze sich seit Langem sehr stark für den Erhalt der Ruine ein, betonte Bernd Steinbach: „Und wir haben hier ja auch schon 500 000 Euro reingesteckt – mit einem Dach könnte das Gebäude künftig viel besser genutzt werden.“ So sei man etwa bei Kulturveranstaltungen in den Sommermonaten unabhängiger von den Witterungsverhältnissen: „Wir geben immer wieder viel Geld für neue Baugebiete aus – aber für die Kultur in unserer Gemeinde tun wir relativ wenig.“

Die ersten Sanierungsmaßnahmen am Mauerwerk seien damals schon umstritten gewesen, sagte Gerhard Wittenburg (CDU) – und beantragte eine namentliche Abstimmung. Hier votierten letztlich sieben Abgeordnete für eine unmittelbare Überdachung des Chorbereiches, sieben sprachen sich dagegen aus, einer enthielt sich. „Und was machen wir jetzt?“, fragte Angelika Schwarz. „Jetzt ist der Beschluss abgelehnt“, sagte Bürgermeister Drese. Und damit die Zukunft der Satower Kirchruine ungewisser denn je.

Lennart Plottke

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