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Bad Doberan Video: 50 Meter hoher Schornstein in Bad Doberan gesprengt
Mecklenburg Bad Doberan Video: 50 Meter hoher Schornstein in Bad Doberan gesprengt
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17:46 26.10.2018
Der Schornstein der ehemaligen Chemiefabrik in Bad Doberan ist gesprengt worden. Quelle: Anja Levien
Bad Doberan

 Ein lauter Knall, dann staubt es am Fuße des Schornsteins und das Bauwerk fällt. Am Freitagmittag ist der 50 Meter hohe Schornstein auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Werke und späteren Industrie-Kooperation Schiffbau gesprengt worden. Die Sprengung ist Teil der Revitalisierung des Geländes, das seit Anfang September von illegal abgelagertem Müll und verfallenen Industriegebäuden beräumt wird. Für die künftige Nutzung des Grundstücks im Gewerbegebiet Walkenhagen liegen laut Bauamtsleiter Norbert Sass bei der Stadt drei Anfragen vor.

Am Vormittag hatte Sprengmeister Karl-Heinz Bühring zusammen mit seinem Kollegen die restlichen Vorbereitungen am Schornstein vorgenommen. 18 Löcher sind ins Mauerwerk gebohrt. In denen stecken 1,9 Kilogramm Sprengstoff, der über dünne Kabel miteinander verbunden ist. Die Löcher sind mit Bauschaum verschlossen. Ein Vliesvorhang dient bei der Sprengung als Splitterschutz.

„Sprengen ist keine Akkordarbeit“

„In dem Turm ist viel Eisen drin, da mussten wir vorher viel rausnehmen“, sagt Karl-Heinz Bühring von der Firma Freerk aus Dolgen, Feldberger Seenlandschaft, und zeigt auf das große Loch im Schornstein. Bliebe zu viel Eisen drin, würde der Schornstein nicht umfallen. Dafür sind 70 Prozent des Schornstein-Umfanges am unteren Ende entfernt worden – alles per Hand.

In Bad Doberan ist der Schornstein der ehemaligen Chemischen Werke und späteren Industrie-Kooperation Schiffbau gesprengt worden. Die Industriebrache wird seit Anfang September beräumt.

Das gesamte Gelände wird bis Ende des Jahres beräumt. Auch das neben dem Schornstein stehende Gebäude wird noch weichen. Dass der Schornstein auf das Haus fällt und es gleich mit zerstört, ist laut Sprengmeister Bühring nicht möglich. „Da ist Asbest drauf“, sagt er. 571 Schornsteine hat Bühring bereits gesprengt, der seit 1979 in dem Beruf arbeitet. „Sprengen ist keine Akkordarbeit“, sagt er.

Für Bad Doberan ist es nicht die erste Schornstein-Sprengung. Bauamtsleiter Norbert Sass erinnert sich an eine am Thünenhof. Wo jetzt die Feuerwehr ist, war früher ein Heizhaus. Vor der Sprengung am Freitag sagt Norbert Sass. „Es ist ein Symbol, dass der Schornstein fällt. Er war das Markenzeichen für den Standort.“ Vom Weitem sichtbar habe er ständig auf die Brache aufmerksam gemacht.

Weiträumige Absperrungen sind für die Sprengung nicht notwendig. Die Bauarbeiter verlassen das Gelände. Gegen 13 Uhr ertönt ein Signal, das Zeichen, dass abgesperrt wird. Kurze Zeit darauf folgen zwei Signaltöne. Dann gibt es einen Knall und innerhalb weniger Sekunden fällt der Schornstein. Ein weiteres Signal gibt Entwarnung. Die Staubwolke hat sich schnell gelegt. Der Schornstein aus Stahlbeton liegt geplättet auf dem Boden.

Bodengutachten im Frühjahr

Ist das Gelände beräumt, auf dem die Gebäude seit 1995 leer stehen, werde im Frühjahr 2019 ein Bodengutachten erstellt, kündigt Norbert Sass an. Je nachdem, was dieses ergibt, müssen weitere Schritte zur Sanierung eingeleitet werden. Niemand weiß, was durch den Müll und die frühere Nutzung alles in den Boden gesickert ist. Insgesamt werden etwa drei Millionen Euro in die Revitalisierung investiert. Dafür werden 90 Prozent vom Land gefördert.

Obstplantage, Chemiefabrik, Schiffsteile-Produktion

1854 erhält Otto Finck ein Stück Acker für eine Plantagen-Gärtnerei in Walkenhagen. Im Laufe der Jahre wechselt öfter der Eigentümer.

1924 wird ein Laboratorium gebaut, es folgen Kesselhaus, Wasserturm und Schornstein. 1926 wird daraus die „Chemische Fabrik“ zu Walkenhagen. Hier werden unter anderem Nikotinpräparate hergestellt. 1962 wird die „VEB Metallberarbeitung“ gegründet und zieht in die Fabrikhallen, fusioniert 1974 mit der Industrie-Kooperation Schiffbau.

Um die Industriebrache gab es jahrelang Streit. Immer wieder war die Eigentümerfamilie aufgefordert worden, dass Gelände vom Müll zu befreien. Ohne Erfolg. Als diese 2013 bereit war, das Grundstück zu verkaufen, konnte kein Investor gefunden werden, obwohl die Müllbeseitigung schon damals hätte gefördert werden können. 2016 wurde dann ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen der Chemischen Werke Bad Doberan GmbH gestellt. Die Stadt erwarb das Grundstück für 20 000 Euro und möchte es nach der Revitalisierung verkaufen.

Laut Norbert Sass gibt es drei Anfragen. Laut dem Bebauungsplan könne auf dem Grundstück alles entstehen, was Gewerbe ist, außer Einzelhandel, erläutert Sass. Aufgrund der nahen Wohnbebauung an der Straße Walkenhagen dürfe sich an der Randstraße kein lärmintensives Gewerbe ansiedeln.

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Anja Levien

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