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Schüler diskutieren mit Häftlingen über Drogen

Satow Schüler diskutieren mit Häftlingen über Drogen

Achtklässler für das Thema Drogen zu sensibilisieren, keine falschen Entscheidungen zu treffen - gerade mit Blick auf den weiteren Lebensweg: Darum ging es beim Projekttag an der Satower Schule am See. Dazu waren neben Präventionsbeamten und Seelsorgern auch Insassen einer Jugendanstalt eingeladen.

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Gefährlicher Alkohol: Im Vollrausch sinkt die Hemmschwelle – mögliche Straftaten fallen so leichter.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Satow. Das hat gesessen: „Um 6 Uhr ist Lebenskontrolle, um 7 geht’s los zur Arbeit, um 16 Uhr zurück ins Hafthaus, eine Stunde Hofgang, danach Abendbrot und dann Einschluss.“ Die Achtklässler an der Satower Schule am See schlucken – so krass hatten sie sich den Alltag in einer Jugendanstalt nicht vorgestellt. „So ist das nun mal“, sagt Arne Brauer (Name geändert), Insasse der Jugendanstalt Neustrelitz und zuckt mit den Schultern. „Ich habe mit 13 angefangen, Alkohol zu trinken – jetzt bin ich 24 Jahre alt und im Knast.“

 

OZ-Bild

Ein Nachmittag ohne Handy, Tablet oder Fernsehen wäre ja voll langweilig.Thore Eisenberg (14) Achtklässler

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Die Schüler für das Thema Drogen zu sensibilisieren, keine falschen Entscheidungen zu treffen – gerade mit Blick auf den weiteren Lebensweg: Darum gehe es am Projekttag, sagt Biologie-Lehrerin Therese Plötz. „Im Unterricht behandeln wir gerade den Bereich Gesundheit und soziale Verantwortung – und auch, welche Wirkung Drogen für den Körper haben können.“

Thema Drogen ist gesellschaftsfähig geworden

Für die jungen Leute ein brandaktuelles Thema: „Sie haben vor gut einer Woche ihre Jugendweihe gefeiert“, sagt Plötz. „Auch dort wird natürlich über Alkohol und Drogen gesprochen – das ist richtig gesellschaftsfähig geworden.“ Um den Nachwuchs nicht nur theoretisch über mögliche Gefahren und Folgen aufzuklären, hat die Schule unter anderem Mitarbeiter der Jugendanstalt Neustrelitz eingeladen – und eben auch zwei Insassen. „Ich war oft betrunken“, erzählt Arne Brauer. „Und dann habe ich im Vollrausch Straftaten begangen.“ Die Konsequenz: ein Leben hinter Gittern.

„Das Schlimmste ist die Langeweile“, sagt Brauer. „Ein Nachmittag ohne Handy, Tablet oder Fernsehen – probiert das mal!“ Dazu dürfe man nur ein, zwei Mal im Monat Besuch empfangen. Nein – das könne er sich nicht vorstellen, sagt etwa Thore Eisenberg. „So ein Alltag wäre ja voll langweilig – aber mir passiert das sowieso nicht.“

Freundeskreis spielt wesentliche Rolle

Alkohol habe er schon mal getrunken, gibt der 14-Jährige zu: „Aber harte Drogen rühre ich nicht an.“ Dabei sind die Verlockungen oft groß, die Hemmschwelle werde mit der Zeit immer niedriger, erklärt Anstalts-Mitarbeiter Karsten Hirr: „Da spielen das unmittelbare Umfeld, der Freundeskreis eine große Rolle.“

Dass juristische Konsequenzen nicht immer gleich Gefängnis bedeuten müssen, erklärt Alexander Feist von der Polizeiinspektion Güstrow: „Ich frage die jungen Leute immer, wo sie mal arbeiten wollen – meist höre ich dann öffentlicher Dienst, Bundeswehr oder Verwaltung.“ Das könne man aber mit einem Eintrag ins Bundeszentralregister schon fast vergessen, macht der Präventionsbeamte deutlich: „Das so zu hören, ist für die Achtklässler in der jetzigen Lebensphase schon wichtig.“ Deshalb sollen Projekttage dieser Art an Schulen im Landkreis fortgeführt werden, erklärt Alexander Feist – gefördert auch durch den kommunalen Präventionsrat.

Dann ist auch wieder Mathias Marquardt von der evangelischen Suchtberatung Rostock mit dabei: „Hier lernen die Schüler Suchtverhalten genauer kennen, wie man in eine Spirale gerät und dort wieder herauskommt.“ Und dass eine Betreuungsstelle eben nicht nur für Betroffene offen steht, sondern ein Angebot für jeden ist, der sich mit diesen Themen beschäftigen will.

Ein wenig Optimismus kann Karsten Hirr am Ende des Tages dann doch noch unter den Satower Schülern verbreiten: „Wir hatten mal einen Jugendlichen, der sehr lange in unserer Anstalt war – jetzt arbeitet er erfolgreich in der Ferienanlage Land Fleesensee als Sommelier.“ Aber der junge Mann hatte doch nicht etwa ein Alkoholproblem? „Nein, nein“, sagt Hirr und lacht. „Er ist früher vor allem durch knallharte Betrügereien straffällig geworden . . .“

Lennart Plottke

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