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Bad Doberan Geburtsstunde war Rettungsmission
Mecklenburg Bad Doberan Geburtsstunde war Rettungsmission
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16:43 25.10.2018
Josefine Dietrich (16) trug mit einfühlsamen Spiel am Piano zum Gelingen des Fest-Aktes bei. Dabei wurde der Schule auch ein offizielles Logo verliehen. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Grußworte, eine Fest-Rede von Altbürgermeister Rainer Karl – er ist gewissermaßen der Pate der Schule –, viel Kultur auf der Bühne – dargeboten von Schülern – und nach dem offiziellen Fest-Akt ein Buffet: Das Schulzentrum Kühlungsborn feierte vorgestern Abend in der Aula gemeinsam mit rund 200 Gästen seinen zehnten Geburtstag.

Natürlich zunächst das Hier und Jetzt: Denn die Kooperative Gesamtschule, die alle weiterführenden Schulabschlüsse bis hin zum Abitur anbietet, ist seit ihrer Gründung zum Schuljahresbeginn 2008/09 ein Erfolgsmodell. Mit aktuell 696 Schülern ist die Kapazitätsgrenze (700) seit Jahren erreicht und es wird bereits laut über einen zweiten Erweiterungsbau nachgedacht. Fest-Redner Karl sprach von einer „gelungenen, weit über die Stadtgrenzen hinaus hoch anerkannten Schule“. Und sparte nicht mit weiteren Superlativen: „Um all die Vorzüge, die Kompetenz und das hohe Niveau dieser Schule umfassend beschreiben zu können, bräuchte man wahrscheinlich ein mehrtägiges Seminar, in dem es immer wieder neue Entdeckungen und Beschreibungen geben würde.“ Auch ein Zeichen für die Qualität der Schule: Die Schüler kämen nicht nur aus Kühlungsborn und der näheren Umgebung, sondern aus insgesamt 36 Orten des Landkreises Rostock. „Viele Schüler kommen von weit her und fahren an anderen Schulen vorbei, um hier den bestmöglichen Abschluss zu machen“, so der Altbürgermeister.

Vom Lions Club Kühlungsborn wurde dem Schulzentrum zum dritten Mal das Zertifikat als Lions-Quest-Schule überreicht. Dabei geht es um ein von Lions gefördertes Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm. Quelle: Lutz Werner
Anne Marie Injighulyan (16) und Tim Bachnick (18) führten die Gäste durch den Abend. Quelle: Lutz Werner

Schulleiterin Ute Schmidt und Bürgermeister Rüdiger Kozian hatten zuvor die Schule vorgestellt, Gäste und Partner der Schule begrüßt. Bis dahin ein völlig normaler Fest-Akt, der allerdings zu einer richtig spannenden Geschichte wurde, als damalige Akteure – wie Rainer Karl und Annelie Schmidt – sie war bis 2008 Leiterin des damaligen Fritz-Reuter-Gymnasiums, das im Schulzentrum aufging – davon erzählten, wie alles begann. Eine der dramatischsten Geschichten, die das Nachwende-Kühlungsborn erlebte. Ihr Titel: „Die Rettung der weiterführenden Schulen in Kühlungsborn“.

 

Altbürgermeister Rainer Karl erinnerte in seiner Festrede auch an die dramatischen Umstände der Gründung des Schulzentrums. Quelle: Lutz Werner

Seit der Mitte der 1990er Jahre zeichnete sich ab, dass der Geburtenknick nach der Wende spätestens nach dem Jahr 2000 sowohl die Heinrich-Schreiber-Realschule im Ortsteil Ost als auch das Fritz-Reuter-Gymnasium in West auslöschen würden. Beide Schulen bewegten sich immer mehr in Richtung Einzügigkeit – zu wenig für eine weitere gesicherte Zukunft. Das Ostseebad mit einem Einzugsgebiet, das zur Hälfte aus Ostsee besteht, hatte bei der Planung der erhaltenswerten Schulstandorte durch den Landkreis schlechte Karten. Kreativität und Eigeninitiative waren gefragt und die kamen von vier Power-Frauen, so Karl: von Gymnasium-Schulleiterin Annelie Schmidt und ihrer damaligen Stellvertreterin Ute Schmidt, von Realschulleiterin Gudrun Moltmann und von Angela Wehner vom damaligen Landkreis Bad Doberan, die dem Kühlungsborner Plan positiv gegenüberstand.

Ute Schmidt, Leiterin des Schulzentrums: „Was unsere Schule so stark macht, ist die direkte Verbindung zum wirklichen Leben.“ Quelle: Lutz Werner

Der Plan: Nachdem die Vorstellung, in Kühlungsborn ein privates Tourismus-Gymnasium mit Internat zu gründen, wie eine Luftblase platzte, gab es nur noch einen Weg, die nach der Grundschule weiterführenden Schulformen zu retten. Eine Kooperative Gesamtschule mit gymnasialen Teil musste her – voll finanziert vom Schulträger Stadt. Deshalb etwas Besonderes, weil Gymnasien Sache der Landkreise sind. „Das, was sich heute so folgerichtig anhört und so erfolgreich wurde, war damals ein ganz schwieriger Prozess“, machte Annelie Schmidt deutlich.

Annelie Schmidt, bis 2008 Leiterin des damaligen Gymnasiums: „Kühlungsborn ohne alle Schulen und ohne Abitur – das war für uns einfach nicht vorstellbar.“ Quelle: Lutz Werner

Beide Schulen kämpften um ihre Standorte, wollten die neue Gesamtschule werden. Für Ost sprach das schöne historische Gebäude der Heinrich-Schreiber-Schule, für West – der Standort setzte sich dann durch – die Erweiterungsmöglichkeiten am Plattenbau des damaligen Fritz-Reuter-Gymnasiums und das große Grundstück. Mehr als fünf Millionen Euro investierte die Stadt in den Um- und Erweiterungsbau, erinnert sich Rainer Karl. „Das alles hat nur funktioniert, weil Stadtvertretung und Rathaus voll hinter dem Projekt standen und alle Beteiligten für das Gelingen des großen Ziels zusammenwirkten. Was nicht immer selbstverständlich ist“, so Annelie Schmidt.

Erfolgreiche Schule in Zahlen

696 Schüler lernen am Schulzentrum Kühlungsborn. Sie kommen aus 36 Orten.

Für diese Schüler sind zuständig 52 Lehrerinnen und Lehrer, 6 Vertretungslehrer, 10 Referendare, 4 Praktikanten, eine Schulsozialarbeiterin, eine Sonderpädagogin, 2 Sekretärinnen, eine Hausmeisterin, 4 Reinigungskräfte und eine Cateringfirma.

Es gibt 13 Klassenräume, 15 Fachräume, 4 neue Räume im Anbau, davon 2 Musikräume, 1 Töpferraum im Ganztagsgebäude, Garagenanbau mit Fahrradwerkstatt und eine Gärtnerei. Genutzt werden ein moderner Sportplatz und eine Dreifelder-Mehrzweck-Sporthalle.

19 Partner aus der Praxis hat das Schulzentrum, die immer wieder mit ihrer Kompetenz und speziellen Projekten zum Erfolg der Schule beitragen. Darunter finden sich der Lions Club, Rotary Club, die Tourismuswirtschaft des Ostseebades und das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik.

Und auch, als mit dem Schuljahr 2008/09 das Schulzentrum, wie die Kooperative Gesamtschule genannt wurde, an den Start ging, gab es noch einige Jahre Skepsis zu überwinden. „Mein Kind macht Abitur an einem richtigen Gymnasium, hörten wir damals immer wieder“, erinnert sich Annelie Schmidt. Damals ein echtes Image-Problem, zehn Abitur-Jahrgänge später fast schon eine Anekdote.

Lutz Werner

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