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Bad Doberan Schwarzarbeiter im Visier der Zöllner
Mecklenburg Bad Doberan Schwarzarbeiter im Visier der Zöllner
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00:00 13.04.2013
Alles in Ordnung: Zöllner Jan Kautermann besucht Gastronomin Monika Fredrich — und hat nichts zu beanstanden.
Bad Doberan

Plötzlich bremst das Polizeiauto, fährt rechts auf einen Parkplatz. Am Ortseingang von Kröpelin hat Jan Kautermann zwei Männer in Jogginghose und Turnschuhen beobachtet. Die beiden arbeiten auf einem Dach. Vor dem Haus steht ein rotes Auto mit polnischem Nummernschild. Kautermann — 28 Jahre alt und Zollobersekratär — schöpft Verdacht:

Schwarzarbeit? Ein Fall für den Zoll.

Rund 3200 Baustellen, Hotels und Restaurants im Raum Doberan und Kühlungsborn haben im vergangenen Jahr Besuch von den Fahndern des Bundesfinanzministeriums bekommen. Die Zöllner überprüfen die Arbeiter auf illegale Beschäftigung und decken Schwarzarbeit auf. Im Landkreis Rostock entstand im vergangenen Jahr durch Schwarzarbeit ein Schaden von rund 1,4 Millionen Euro, schätzt die Behörde.

Zum Vergleich: Im Jahr davor war es noch unter einer Million Euro. Tendenz weiter steigend.

„Guten Tag, der Zoll. Wir hätten gerne ihren Ausweis gesehen“, ruft Kautermann den Männern auf der Baustelle in Kröpelin zu. Bei den beiden Polen im Alter von 28 und 29 Jahre stellen die Beamten gleich mehrere Ungereimheiten fest. Bei einem fehlt der Personalausweis und der andere gibt an, nur zehn Euro Stundenlohn von seinem Arbeitgeber zu erhalten. Nach eigenen Angaben werden die beiden von ihrem Auftraggeber aus Wittenbeck häufiger angerufen, um für ihn zu arbeiten.

Der Unternehmer muss jetzt mit Post von den Fahndern rechnen: Denn der Mindestlohn im Dachdeckerhandwerk liegt bei bundeseinheitlichen 11,20 Euro. Die restlichen Papiere waren in Ordnung. Wenig später arbeiten die Polen auf dem Dach weiter. Trotz Jogginghose und Turnschuhen.

Die Zollbeamten Jan Kautermann, Klaus Karls (58) und Maik Hempel (31) sind fast jeden Tag auf Streifenfahrt zwischen Ribnitz- Damgarten und Neubukow unterwegs. Im Mittelpunkt der Kontrollen stehen unter anderem Großbaustellen. „Früher haben viele illegal beschäftigten Arbeiter Arbeitslosengeld bezogen und waren gleichzeitig auf dem Bau tätig. Heute melden viele ausländische Arbeiter eine Selbständigkeit an und sind somit nicht mehr Arbeitnehmer“, erklärt Maik Hempel. Auf dem Bau gebe es zu viele Subunternehmer und damit seien die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten immer schwerer zu durchschauen.

Auf ihrer Streifenfahrt können die Beamten jeden Arbeiter befragen. „Es muss kein Verdacht vorliegen“, betont Hempel. Während es in Rostock die wachsende Anzahl an Großbaustellen sind, seien es im ländlichen Bereich die Häuslebauer und im Küstengebiet die Gastronomie und Bistros.

Zwischenstopp auf einer Baustelle am Doberaner Kammerhof: Zwei Herren verlegen einen Hausanschluss für ein Einfamilienhaus. Die Tiefbauer kennen die Zollkontrollen. Mehrfach waren sie in den vergangenen Jahren überprüft worden. Leicht genervt zeigen sie ihre Ausweise. Bei ihnen ist jedoch alles in Ordnung. „Wir kommen auf jeder Baustelle in der Regel ein Mal vorbei“, versichert Hempel.

Weiter geht die Fahrt über ein Wohngebiet in Heiligendamm. „Auch im privaten Bereich gibt es Schwarzarbeit, nicht nur auf Großbaustellen“, sagt Hempel. Privatpersonen würden Arbeiter aus dem Ausland für Ausbesserungsarbeiten beschäftigen und ihnen das Geld auf die Hand geben. Ohne Anmeldung beim Finanzamt oder anderen Behörden.Ortswechsel: In Kühlungsborn stehen an der Ostseeallee viele Hotels und Gaststätten. Während der Fahrt erinnert sich Maik Hempel an einen Fall vor ein paar Jahren in einer Restaurant. „Wir kamen in die Gaststätte und auf einmal versteckten sich die Kellner und Köche unter den Tischen hinter heruntergezogenen Tischdecken. Bei einem Mal hat ein Kellner die Schürze abgelegt und sich als Gast ausgegeben“, sagt Hempel. Der Fall flog auf, die Zöllner konnten die Gastronomen dingfest machen.

In Kühlungsborn gehen die Zöllner unangekündigt in ein Bistro an der Promenade. Monika Fredrich, die Inhaberin des kleinen Geschäfts, ist überrascht über den Besuch. Sie findet die Kontrollen jedoch in Ordnung. „Wir hatten den Zoll schon einmal da. Ist vernünftig, wenn sie kontrollieren“, sagt die Geschäftsführerin, die ihren Betrieb schon seit 22 Jahren betreibt.

Nach fünf Stunden fahrt kommen die Zöllner zurück in ihr Büro in den Rostocker Stadtteil Gehlsdorf. Auf sie wartet noch viel Schreibkram. Gibt es bei einem Fall etwas Unglaubwürdiges, kontaktieren sie die Chefs der Angestellten. „Im vergangenen Jahr hatten wir 270 Geschäftsprüfungen. Dann müssen wir in die Akten sehen”, sagt Hempel.

Für die Zöllner beginnt im Sommer wieder die Hochsaison, denn besonders im Gaststättengewerbe gibt es viele Auffälligkeiten. „Wir finden im Sommer fast jeden Tag etwas in einem Restaurant”, fügt sein Kollege Jan Kautermann hinzu. Zum Beispiel werden Angestellte zu spät bei den Behörden angemeldet oder unter dem gesetzlichen Mindestlohn in der Branche bezahlt. Der Zoll will das verhindern.

Besuch vom Amt

1,4 Millionen Euro Schaden entstanden dem Staat und den Sozialkassen im Jahr 2012 durch Schwarzarbeit in der Region Doberan. Das jedenfalls schätzt der Zoll.

3200 Baustellen, Hotels und Restaurants im Raum Doberan und Kühlungsborn haben in den vergangenen zwölf Monaten Besuch von den Fahnder der Zoll-

behörde bekommen.

Hannes Ewert

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