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Bad Doberan Schweriner Abgesang auf ein Danneborther Denkmal
Mecklenburg Bad Doberan Schweriner Abgesang auf ein Danneborther Denkmal
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00:00 26.08.2017
Seit 2005 soll für den Erhalt der Gutsanlage Danneborth nichts Wesentliches von Seiten des Eigentümers unternommen worden sein. Quelle: Foto: Thomas Hoppe
Danneborth

„Sollte den politisch Verantwortlichen etwas am Erhalt der kulturellen Identität Mecklen

burg-Vorpommerns liegen, muss das Gutshaus Danneborth erhalten werden“, schrieb Klaus-Peter Siegel im Frühjahr an den Ministerpräsidenten des Bundeslandes, Erwin Sellering, und bat den Sozialdemokraten: „Bitte helfen Sie mir und der Nachwelt, auf dass es auch in Zukunft noch heißt: MV – tut gut“.

Siegel saniert seit Jahrzehnten Häuser (nicht nur in Köln, woher er stammt, sondern auch in Neubukow und Neuburg) und hatte sich seit Langem vergeblich um den Erwerb des denkmalgeschützten Danneborther Anwesens in der Gemeinde Carinerland bemüht. Weder vom Eigentümer noch vom Verwalter hätte er dazu eine Antwort erhalten, sagt er. So wandte er sich immer wieder an die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises und brachte gegenüber der Bürgermeisterin der Gemeinde Carinerland, Heike Chrzan-Schmidt, seinen Ärger über den Verfall des Danneborther Kulturguts zum Ausdruck.

Am 8. Juni dankte Referatsleiterin Dr. Sabine Rissberger aus der Schweriner Staatskanzlei Klaus-Peter Siegel im Namen des Ministerpräsidenten (der an diesem Tag aus gesundheitlichen Gründen seinen letzten offiziellen Termin als Regierungschef hatte) für das Schreiben von Ende April und verwies darauf, dass die „sorgfältige Prüfung“ von Siegels Anliegen etwas Zeit erfordert hätte. Sie legte dar, dass offensichtlich „seit dem Jahr 2005 für den Erhalt der Gutsanlage Danneborth nichts Wesentliches von Seiten des Eigentümers unternommen wurde“ und dass am 30. Juni 2016 die Gut Hohen Luckow GbR (verwaltet das Anwesen, seit es 2012 vom Unternehmer Ludwig Merckle gekauft wurde, d. R.) einen „Antrag auf Abriss der Gutsanlage“ gestellt habe. Begründung: Eine denkmalgerechte Sanierung sei nicht zumutbar. Das Verfahren sei nicht abgeschlossen, doch sollte sich „herausstellen, dass die baulichen Schäden so umfänglich sind, dass bei der Sanierung des Gebäudes weniger als 50 Prozent der Originalsubstanz im Bestand saniert und instandgesetzt werden können, müsste auch geprüft werden, ob es dann noch den Status eines Denkmals erfüllen würde“, schrieb Dr. Rissberger. Doch Klaus-Peter Siegel gab sich mit der Antwort aus Schwerin nicht zufrieden. Nachdem er Erwin Sellering „allerbeste Wünsche für eine baldige Genesung“ übermittelt hatte, stellte er unter anderem die Frage in den Raum, warum es in diesem Fall kein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegeben hat und unterstrich: „Herrn Merckle war sowohl der Zustand des Gutshauses als auch der Denkmalschutz beim Erwerb der Anlage hinlänglich bekannt“.

Unterdessen unterstützten der Vorsitzende der Tellower AG Guts-

anlagen, Rolf-Peter Bartz, und der Beirat des Vorstandes der AG, Richard Petzoldt, in einem Brief an Dr. Rissberger das Anliegen ihres Vereinsmitglieds Siegel „sehr nachdrücklich“. Der Vorgang sei ein „typisches Beispiel dafür, dass die unteren Denkmalbehörden der Landkreise nicht ihren Überwachungspflichten nachkommen“ , merkten die beiden an.

Wie dann Dr. Sabine Rissberger am 31. Juli wiederum Klaus-Peter Siegel schrieb, sei bislang (nach Auskunft des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege) seitens des Landkreises Rostock keine Anordnung an den Danneborth-Eigentümer ergangen, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Damit entbehrten „Aspekte der Ordnungswidrigkeit . . . und des Zwangsgeldes im Fall der Gutsanlage Danneborth der rechtlichen Grundlage“. „Da bleibt einem die Sprache weg“, ärgert sich Klaus-Peter Siegel über diese „Begründung“: „Ist das noch möglich?! Das ist ein Skandal!“ Als „Oberkatastrophe“ bezeichnet er den Entzug des Denkmalschutzes, der im Folgenden erwogen wird.

Zunächst schilderte Dr. Rissberger ausführlich „erhebliche“ Schäden am Dachtragwerk und an den Balkendecken des Erd- und Obergeschosses „infolge jahrelangen Wassereintritts“ sowie die Folgen des Hausschwammbefalls: „Im schlechtesten Fall käme es also bei der Sanierung des Hauses zu einer Entkernung, d.h. die den künstlerischen Wert des Hauses ausmachenden Stuckdecken und hölzernen Wandverkleidungen sowie die dreiläufige Treppenanlage gingen verloren, die typische Gebäudestruktur als bauliches Dokument der Lebensverhältnisse verlöre aufgrund des materiellen Substanzaustausches an Authentizität“. Wegen des verlorenen Zeugniswertes wäre das Gutshaus nicht mehr als Denkmal zu bewerten, heißt es noch vage und dann: „Auf Grundlage des derzeitigen Kenntnisstandes kann eine Durchsetzung von Erhaltungsmaßnahmen wegen des potentiellen Verlustes der Denkmaleigenschaften im Ergebnis jeglicher zukünftiger Maßnahmen nicht erfolgen“. Der Verwalter der Guts-

anlage, Landwirt Jochen Walther, sagte am vergangenen Mittwoch in dieser Sache ärgerlich zur OZ, man könne später noch einmal telefonieren: „Später heißt nach der Ernte. In 21 Tagen bin ich mit durch“.

Thomas Hoppe

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