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Bad Doberan Seltene Strömung sorgt für Fischsterben vor Nienhagen
Mecklenburg Bad Doberan Seltene Strömung sorgt für Fischsterben vor Nienhagen
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03:29 28.08.2013
Mehrere Tonnen Süßwasserfische liegen am Ostseestrand.
Nienhagen

Seit Stunden schaufeln Gemeindearbeiter Carsten Soltow und Holger Ritter tote Fische vom Nienhäger Strand in die Schaufel ihres Radladers. Süßwasserfische, Brachsen, Plötze, Rotfedern — nichts, was in die Ostsee gehört. Kurz vor 7 Uhr haben sie die Kadaver entdeckt. Am Spülsaum auf dem Strand, im Flachwasser davor, und in Massen dort, wo sich auch der Seetang zusammenballt. Um 11 Uhr haben die beiden schon gut zwei Tonnen tote Fische vom Strand geholt — und dort ist praktisch nichts von ihrer Arbeit zu sehen. Silbrige Kadaver überall.

„Das habe ich noch nie erlebt", sagt Carsten Soltow. „Es muss einen Salzwassereinbruch in den Bodden gegeben haben“, vermutet er. Immer wieder müssen die beiden Gemeindearbeiter Fragen der Badegäste beantworten, die nun nach und nach an den Strand kommen. „Ist das gefährlich?“, fragt ein Mann in Badehose, der nun zögert, ins Wasser zu gehen.

„Also, ich esse Fisch ja ganz gerne“, sagt eine Frau in reinstem Sächsisch. „Schön mit Zwiebeln und so. Aber für heute ist mir der Appetit vergangen.“ Der Anblick ist wahrlich nicht schön, doch die meisten Fische sehen gesund aus, sind noch viel zu frisch, um zu stinken. Tot sind sie trotzdem. Längst sind Nienhagens Bürgermeister Uwe Kahl und das Ordnungsamt vom Amt Doberan-Land informiert, und längst hat dessen Amtsleiter Uwe Ziesig mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Kontakt aufgenommen, Fischereibehörde und sogar das Institut für Ostseeforschung sind informiert.

Noch am Vormittag sind Stalu-Chef Hans-Joachim Meier und Spezialisten aller Institutionen vor Ort am Strand und mit einem Boot auf dem Wasser, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Schnell sind sich die Experten einig. „Eine Krankheit ist das mit Sicherheit nicht“, resümiert Ordnungsamtsleiter Uwe Ziesig. „Die Süßwasserfische sind ganz einfach im Salzwasser verendet.“

Die Vermutung, die Fische könnten aus dem Bodden stammen, widerlegen die Fachleute schnell. „Der Bodden ist zu weit weg, und die Conventer Niederung liegt zu tief unter dem Meeresspiegel, als dass Fische in die Ostsee schwimmen könnten“, ist sich Stalu-Chef Meier sicher. „Es bleibt nur die Warnow.“

Dafür spricht, dass tagelang starker Ostwind geherrscht habe, sich Wasserstände und Strömungen geändert hätten. „Am wahrscheinlichsten ist ein Einbruch von sehr salzhaltigem Tiefenwasser in die Warnow“, sagt Dörte Kolbow, Amtsleiter Naturschutz im Stalu. Nach Einschätzung von Christopher Zimmermann vom Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei sind die Tiere an Sauerstoffmangel verendet, ein im Sommer nicht seltener Vorgang. Die selten vorkommende Strömung hätte dafür gesorgt: Oberflächenwasser wurde durch den anhaltenden Nord-Ost-Wind verdrängt und durch sauerstoffärmeres Tiefenwasser ersetzt.

Bürgermeister Uwe Kahl ist erleichtert darüber, dass die Urlauber größtenteils gelassen reagieren. Er versichert, dass durch die Gemeinde alles getan werde, um die Folgen des Natur-Phänomens so schnell wie möglich zu beseitigen. Und Carsten Soltow und Holger Ritter schaufeln weiter.

Süß- und Salzwasserfische
30 000 Fischarten gibt es, etwa die Hälfte lebt im Meer, die andere Hälfte im Süßwasser. Die meisten Süßwasserfische können nicht im Meerwasser überleben, aber relativ viele Meeresfische besuchen kurzzeitig die Mündungsgebiete oder Unterläufe von Flüssen.

3000 Fischarten wie Lachse, Störe oder Aale können langfristig im Süß- und Meerwasser überleben.

Sabine Hügelland und Klaus Walter

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