Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Stadtgründung auf Befehl von oben
Mecklenburg Bad Doberan Stadtgründung auf Befehl von oben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:36 26.10.2018
Dr. Jürgen Jahncke signiert in der Heimatstube sein neues Buch zur Entstehung der Stadt Ostseebad Kühlungsborn. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

„Ostseebad Kühlungsborn. 80 Jahre Stadtrechtverleihung und Namensgebung“ – so heißt das neue Buch von Dr. Jürgen Jahncke. Es setzt – wissenschaftlich fundiert, aber sehr gut lesbar – „einen Schlusspunkt unter die Aktivitäten im Jubiläumsjahr 2018“, so der Autor gestern bei der Vorstellung des Buches in der Heimatstube im Haus „Rolle“.

Rückblick: Die Ostseebäder Arendsee (ab 1938 Kühlungsborn West) und Brunshaupten (Ost) wurden bereits im Verlauf des Jahres 1937 nach viel Druck „von oben“ zur Gemeinde Brunshaupten-Arendsee zusammengelegt. Am 1. April 1938 folgte durch den NSDAP-Reichsstatthalter für Mecklenburg und Lübeck Friedrich Hildebrandt die Erhebung der Gemeinde Brunshaupten-Arendsee zur Stadt – mit dem neuen, gemeinsamen Namen „Kühlungsborn“. Hildebrandt machte an diesem Tag gleich mehrere Gemeinden in Mecklenburg zu Städten.

Der Prozess des Zusammenwachsens von Brunshaupten und Arendsee war schon kurz nach 1900 durch die gemeinsame Entwicklung im Tourismus und die Notwendigkeit der Schaffung gemeinsamer Infrastrukturen vorgezeichnet, aber immer wieder an gegenseitiger Rivalität und persönlichen Eifersüchteleien der jeweiligen Ortsvorsteher gescheitert. Bis dann die Nationalsozialisten die neue Stadt Kühlungsborn per Befehl schufen. Auch um die beiden damals schon florierenden Ostseebäder, die für das nationalsozialistische Urlaubswerk „Kraft durch Freude“ eine große Bedeutung hatten, propagandistisch aufzuwerten.

Für die zusammengelegte Gemeinde Brunshaupten-Arendsee musste 1937 ein neues Rathaus her. Dafür wurde die Pension Höppner in der heutigen Ostseeallee gekauft –bis heute das Rathaus von Kühlungsborn. Quelle: Heimatstube Kühlungsborn

Jahncke schildert das komplizierte, widersprüchliche Zusammenwachsen sehr detailliert mit eigenen Beiträgen, lässt Zeitzeugen und Historiker-Kollegen zu Wort kommen und publiziert in dem Buch auch seine umfängliche und sehr vielschichtige Powerpoint-Präsentation, die er zu diesem Thema beim Festakt zur Stadtrechtsverleihung am 5. April dargeboten hatte.

„Die Stadtgründung erfolgte in der Zeit des Nationalsozialismus – als ein Akt der Gleichschaltung von oben, der nichts mit Recht und Demokratie zu tun hatte. Dafür aber um so mehr mit einer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die geradewegs in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs mündete“, stellt Jahncke klar. Sagt aber auch: „Das, was die Menschen dann nach 1945, vor allem aber nach 1990, aus der noch jungen Stadt Ostseebad Kühlungsborn machten – darauf können sie stolz sein. Unter diesem Motto standen schließlich alle Jubiläumsfeiern seit 1988, als das 50. gefeiert wurde“, so Jahncke.

1988 wurde das schwierige Jubiläum erstmals gefeiert. Noch in der DDR-Zeit und unter der SED-Herrschaft, „in der ein differenziertes Herangehen an Staatsakte in der Zeit des Nationalsozialismus eigentlich undenkbar waren“, so Jahncke. „Bürgermeister Peter Moeck musste damals viele Widerstände überwinden, konnte die Skeptiker in der SED-Kreisleitung und beim damaligen Rat des Kreises Bad Doberan aber schließlich mit dem Argument überzeugen, dass nicht der Verwaltungsakt gefeiert werde, sondern das, was daraus nach 1945 erwachsen sei“, ordnet Jahncke die erste Jubiläumsfeier ein. In dem Buch sind auch alle Schriften und Festreden veröffentlicht, die zu den Jubiläen seit 1988 erschienen sind. „Dabei wird sichtbar, dass der Umgang mit der Stadtgründung in problematischer Zeit immer souveräner wurde“, stellt Jahncke fest.

Das Buch von Jürgen Jahncke zum Zusammenwachsen der Ostseebäder Arendsee und Brunshaupten zur Stadt Ostseebad Kühlungsborn und zum Umgang mit der Stadtrechtsverleihung in der Zeit des Nationalsozialismus ist ab sofort im Haus des Gastes in der Ostseeallee und in der Strandbuchhandlung Neumeister in der Strandstraße und in der Poststraße zum Preis von neun Euro erhältlich. Unterstützt wurde das Buch-Projekt von der Stadt Ostseebad Kühlungsborn und vom Verein der Heimatfreunde Kühlungsborn. Es besticht nicht nur durch seinen gut aufbereiteten Inhalt, sondern auch durch die hohe Qualität der vielen historischen Fotos und Reproduktionen von Text-Dokumenten.

  

Lutz Werner

In Retschow müssen 24 Linden gefällt werden. Die Bäume an der Doberaner Straße sterben. Nach Aussage des Umweltamtes waren die Wurzeln bei Bauarbeiten beschädigt worden.

26.10.2018

Der Herbst hat Einzug gehalten und in der Region rund um Bad Doberan finden die ersten Laternenumzüge statt.

26.10.2018

Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern endete in den Morgenstunden blutig. Der 19-jährige Tatverdächtige wurde vorläufig festgenommen, das Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden.

26.10.2018