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Stasi-Akten oder Jazz-Club in die Post?

Rostock Stasi-Akten oder Jazz-Club in die Post?

Bundesbehörde prüft Umzug zum Neuen Markt in Rostock — auf den Keller schielt auch ein Unternehmer.

Rostock. Die Notizen von Stasi-Spitzeln könnten bald mitten in der Rostocker City lagern. Das Archiv der Behörde muss umziehen, da die Landespolizei in Waldeck Platz beansprucht. Die frühere Hauptpost am Neuen Markt wird als neue Adresse für die Stasi-Akten gehandelt. Spitzelberichte, gebunkert in bester City-Lage — die Resonanz der Rostocker Politik ist gespalten. Ein Gegenvorschlag heizt die Stimmung an: Ein Jazz-Club soll Besucher im Keller des Gebäudes anlocken.

Noch müssen Antragsteller, die ihre Stasi-Akten einsehen wollen nach Waldeck. Dorthin, wo die Hinterlassenschaft des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR auf Papier und Mikrofilm im Archiv der Außendienststelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen lagert. Doch Waldeck soll als Standort für die Landespolizei erweitert werden. „Sie interessiert sich für das Dienstgebäude, in dem wir untergebracht sind“, sagt Volker Höffer, Leiter des Stasi-Archivs. „Teile des Landesbereitschaftspolizeiamtes sitzen bereits in Waldeck. Seit Dezember vorigen Jahres werden schon Räume in der Stasiunterlagen-Außenstelle genutzt“, bestätigt Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums. „Die Planungen für die nächsten Jahre sind angeschoben, darunter der Neubau von Kantine und Garagen.“

Schon Anfang 2012 habe das Land Interesse signalisiert, verweist Höffer auf erste Gespräche. Grundlage dafür, dass für den Ortswechsel des Stasi-Archivs mittlerweile die Finanzierung stehe. „Die Kosten werden über den Bundeshaushalt getragen“, sagt Höffer. Er würde lieber heute als morgen die Koffer packen, bleibt aber realistisch. „Ende 2014 könnte alles in trockenen Tüchern sein.“ Höffer, der „näher ran an den Bürger“ will, favorisiert die Innenstadt als Arbeitsplatz. „Drei bis vier Objekte kämen in Frage“, sagt der Historiker. Der Auflagen wegen: „Die Akten sollen überdauern, müssen bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit und Temperatur archiviert werden. Außerdem muss der Bau wegen der Masse an Gewicht für hohe Traglasten ausgelegt sein.“ Im Rennen um den geeigneten Standort:

der Gebäudekomplex am Neuen Markt, in dem aktuell das Landgericht sitzt. Das sei kein Mieter von Dauer, bestätigt der Hauseigentümer, die Deutsche Immobilien AG. Derzeit sind 10 500 Quadratmeter Fläche vermietet. Mit potenziellen Nachmietern fürs Landgericht sei man in Kontakt. Stasi-Unterlagen im denkmalgeschützten Gebäude? „Warum nicht, hier hatte schon das Stadtarchiv seinen Sitz.“ Und:

Der Keller ist noch frei — viel Fläche für Aktenschränke.

Etwas anderes kann sich René Geschke dort vorstellen. „Einen Club für Jazzliebhaber. 150 Leute kämen sicher unter“, sagt der Inhaber des Presse- und Printzentrums, auch Mieter im Haus.

Katrin Starke

OZ

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