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Bad Doberan Steffenshagen: Junge Falken werden flügge
Mecklenburg Bad Doberan Steffenshagen: Junge Falken werden flügge
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03:46 13.07.2013
Ende Mai schlüpfte der Nachwuchs — jetzt ist er schon fast auf die Größe der Eltern angewachsen.
Steffenshagen

Noch sehen ihre Federn eher plüschig aus. Die großen dunklen Augen der vier Turmfalken fixieren das Geschehen um sie herum. Seit 13 Jahren brüten die Vögel regelmäßig vier bis fünf Junge in einem Holzkasten aus — unter dem Dach der etwa 200 Jahre alten Bockwindmühle in Steffenshagen. Ende Mai schlüpfte dieser Nachwuchs und ist jetzt schon fast auf die Größe der Eltern angewachsen.

In der Natur muss es schnell gehen, um das Überleben zu sichern. Doch bei Bernd Thielke in der Mühle sind sie sicher. Auch wenn einmal ein Flugversuch missglückt und er vorsichtig den jugendlichen Falken wieder ins Nest bringen muss — so wie erst kürzlich geschehen. Der Turmfalke gehört zwar nach dem Mäusebussard zu den zweithäufigsten Greifvögeln mitteleuropäischer Greifvogelarten, ist jedoch vom Aussterben bedroht. „Weil Turmfalken und andere Tierarten nicht mehr ausreichend Nahrung und Brutplätze finden“, weiß Artenschutzexperte Thielke.

Wildhecken wurden und werden weiterhin teils abgeholzt, um Felder mit riesigen Maschinen bearbeiten zu können. Wiesen wurden trocken gelegt und Objekte wie Scheunen, die sich zum Brüten eigneten, abgerissen. Doch auf dem Steffenshäger Museumshof fühlen sich bedrohte Arten noch wohl und finden hier Nahrung im Überfluss.

Es summt und brummt auf den Blütenwiesen und in den Wildhecken entlang der alten Flurgrenzen, die Thielke 1997 anpflanzen ließ. Denn dort leben Insekten und Kleintiere wie Vögel, Mäuse, Hasen und Dachse. Die Wildhecken pflanzte Bernd Thielke nach altem Vorbild als Feldbegrenzung in einer dichten Dreierreihe. So finden nicht nur Turmfalken und Fledermäuse genügend Nahrung.

Turmfalken bevorzugen Feldmäuse und andere Wühlmäuse, auch Wald- und Spitzmäuse. Selten Stare und Finken. Sie wären sogar fähig, auch Ratten zu jagen. Da sie mit einer Größe von durchschnittlich 33 bis 39 Zentimetern Körperlänge jedoch recht klein sind, vermeiden sie, zu große Beute zu jagen. Einen Teil ihrer Nahrung machen Insekten wie Heuschrecken, Käfer, Eidechsen aus. Falco tinnunculus — was aus dem Lateinischen übersetzt soviel heißt wie klingend, schellend — deutet auf den Ruf des Vogels hin, der als „ti, ti, ti“ hörbar ist und sich je nach Situation verändert. Der Turmfalke ist der bekannteste Falke, ist in Dörfern und Städten ebenso anzutreffen wie in entlegenen Mooren, Heiden, an Felsenküsten und im Hochgebirge. Auch im Doberaner Münster brüten sie und in der Kirche von Steffenshagen.

Thielke ist seit Jahren unterwegs, um bedrohten Tieren neue Lebensräume zu schaffen oder die alten zu erhalten. So konnten in ehemaligen Trafohäuschen in Steffenshagen und Alt Karin auch Unterkünfte für Fledermäuse und andere Tierarten wie etwa die Schleiereule geschaffen werden. Auch in Rostock sowie im neuen „a-ja“-Ressort in Warnemünde wurden Niststätten für Fledermäuse und Vögel installiert oder Steinmauern gebaut, in denen sich Insekten ansiedeln können.

Nicht immer wird die Arbeit des Artenschutzexperten geliebt. Oftmals muss Bernd Thielke dafür kämpfen: „Leider ist immer wieder zu beobachten, dass alte Gebäude ohne ökologische Ausgleichsmaßnahmen abgerissen werden. Oder Wildhecken werden entfernt — damit verschwindet wichtiger Lebensraum für die Tiere.“ Gute Beispiele finden sich unter anderem in Satow, wo ein Wohnblock weichen muss und bereits der Ausgleich geplant ist. Denn viele Vögel finden in den kleinsten Nischen Platz.

Bernd Thielkes Arbeit ist es aufzuklären. Der Artenschutzexperte fertigt für Baugenehmigungsverfahren Gutachten und Kartierungen für den Fledermausschutz sowie Ausgleichsmaßnahmen zum Erhalt von Flora und Fauna an. Auf dem Museumshof befindet sich Thielkes Artenschutzzentrum. Dort berät er zum Thema und informiert an Aktionstagen.

Infos: ☎ 038 203/16 475

In Deutschland höchster Bestand an Turmfalken
Der Turmfalke ist nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel in Mitteleuropa. Der Bestand war hier über viele Jahrzehnte weitgehend stabil.


Zu erheblichen Bestandsrückgängen kam es in weiten Teilen Mitteleuropas erst ab den 1960er Jahren. Die niedrigste Brutdichte war dabei in sehr intensiv bewirtschafteten und ausgeräumten Kulturlandschaften zu verzeichnen. Der Tiefstand war Mitte bis Ende der 1980er Jahre zu verzeichnen. Infolge einer Reihe warmer und trockener Sommer sowie bestandsschützender Maßnahmen (Ausbringung von Nistkästen, Rückgang des Pestizideinsatzes) kam es zu deutlichen Erholungen.

Für Deutschland wurde der Bestand zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 42 000 bis 68 000 Paare geschätzt. Damit ist Deutschland das mitteleuropäische Land, das den höchsten Bestand aufweist.


Der Turmfalke war in Deutschland „Vogel des Jahres 2007“.

Sabine Hügelland

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