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Bad Doberan Stimme für Menschen mit Handicap
Mecklenburg Bad Doberan Stimme für Menschen mit Handicap
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22:33 14.05.2018
Bad Doberan

„Ich fühle mich so oft in meiner Selbstständigkeit eingeschränkt – das nervt!“ Miriam Boelter steht mit ihrem Rollstuhl in der Doberaner Mollistraße und lässt den Blick über die Geschäfte schweifen. „Viele Läden sind nur über Treppen erreichbar – für mich also praktisch nicht möglich.“ Es gebe in der Stadt so viele Dinge, die leicht geändert werden könnten, macht die 33-Jährige deutlich: „Oftmals geben sich die Leute aber einfach keine Mühe.“

Um Miriam Boelter und den etwa 1200 Einwohnern mit Handicap künftig eine hörbare Stimme zu geben, soll jetzt in der Münsterstadt ein Beirat für Menschen mit Behinderung gegründet werden – initiiert von Stadtvertreter Jochen Arenz sowie Wilfried Kändler, Mitglied in einem entsprechenden Gremium im Landkreis Rostock. „Viele Städte wie etwa Rostock oder Wismar haben solche Beiräte“, sagt Arenz.

„Die Belange der Betroffenen müssen einfach stärker berücksichtigt werden.“

Dabei soll der neue Beirat aktiv in die Stadtpolitik eingebunden werden – etwa bei der Ausgestaltung von Beschlüssen. „Die Leute haben doch eine viel bessere Sicht auf Dinge, die sie unmittelbar betreffen“, meint Arenz. „Da sollten sie auch mitreden und letztlich mit entscheiden können.“

Insgesamt gebe es mit der Stadt schon jetzt eine gute Zusammenarbeit, stellt Wilfried Kändler klar: „Dennoch kommt im Ergebnis oft relativ wenig in der Verwaltung an.“ Denn aktuell sei er alleiniger Ansprechpartner, so Kändler: „Ich kann mich aber nicht in alle Formen von Behinderungen hineindenken.“ Deshalb soll die Kooperation auf breitere Füße gestellt werden. „Wir haben bereits jede Menge Rückmeldungen von Leuten, die gern mitmachen würden“, freut sich Jochen Arenz. „Auch unmittelbar Betroffene wollen in einem Beirat gern ihr Wissen einbringen.“ Dabei könnten natürlich auch Menschen ohne Behinderungen mitarbeiten, stellt Arenz klar: „Es soll niemand ausgegrenzt werden – vielmehr haben wir hier die Chance, voneinander zu lernen und mögliche Vorurteile abzubauen.“

Ein Ansinnen, das auch bei den Mitgliedern des Sozialausschusses auf offene Ohren stößt. „Das Thema Inklusion spielt doch eine immer größere Rolle“, sagt etwa Nico Arndt (Die Linke). „Da kann der Beirat etwa beim Umbau der Lessingschule gut beteiligt werden.“ Findet auch Burkhard Scheffler (SPD): „Bei Beschlussvorlagen könnte der Beirat einbezogen werden – manchmal ergeben sich ja auch Probleme, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre.“

Es gelte jetzt, entsprechende Voraussetzungen für eine Beirats- Gründung zu erarbeiten, sagt Bürgeramtsleiter Gerhart Kukla: „Dabei sollten wir beispielsweise von einem Wahl-Zwang wegkommen.“ Er könne sich vielmehr vorstellen, dass das Gremium durch die Stadtvertreterversammlung bestellt werde: „Das muss alles in einer Satzung geregelt werden – vielleicht finden sich ja auch Mitstreiter aus den Nachbar-Gemeinden.“

Immer mehr Menschen seien auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen, sagt Miriam Boelter: „Wir wollen doch alle so aktiv wie möglich am Leben teilhaben – vielleicht haben wir künftig ja die Chance dazu.“

1200 Menschen mit Handicap leben etwa aktuell

in Bad Doberan.

14 Prozent

der Bevölkerung in MV sind laut Beirat

für Menschen mit

Behinderung des

Landkreises Rostock schwerbehindert.

Neun Mitarbeiter

sind in diesem Beirat

beschäftigt – zu wenig, um den Bedarf im

gesamten Kreis

abdecken zu können.

Mit einem Beirat

in Bad Doberan soll den Betroffenen in der

Münsterstadt eine

hörbare Stimme

gegeben werden.

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