Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Erzieher für höhere Löhne auf der Straße
Mecklenburg Bad Doberan Erzieher für höhere Löhne auf der Straße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:43 17.12.2018
Warnstreik der DRK-Kita-Erzieher in Bad Doberan: Etwa 50 Männer und Frauen setzten sich für höhere Löhne ein. Quelle: Anja Levien
Bad Doberan

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut“, rufen etwa 50 Erzieher, als sie mit Fahnen, Trillerpfeifen und Plakaten durch Bad Doberan ziehen. Mit dem Warnstreik wollen sie auf ihre finanzielle Situation aufmerksam machen. Alle sind beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Bad Doberan angestellt, der bisher noch keinen Tarif zahlt. Auch wenn die Verhandlungen laufen, wollten die Frauen und Männer am Montag ein Signal setzen. Fünf von acht Einrichtungen des DRK-Kreisverbandes wurden bestreikt, Notgruppen eingerichtet. Ein Signal sendeten die Streikenden auch an den Landkreis Rostock.

Luisa Kunath läuft vorne mit, schwenkt die Fahne der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), die zum Warnstreik aufgerufen hatte. Die 30-Jährige ist ausgebildetete Heilerzieherin, arbeitet in der DRK-Kita „Warnowkrümel“ in Schwaan. „Das Geld reicht nicht. Ich arbeite Vollzeit, bin alleinerziehend, ich habe immer Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Keiner darf in einem Vollzeitjob von Armut bedroht sein“, sagt sie. Für eine 40-Stunden-Woche bekomme sie 1525 Euro ausgezahlt.

Gespräche am Sonntag ohne Ergebnis

Das die Kita-Erzieherinnen mehr Geld erhalten sollen, darin sind sich Gewerkschaft und DRK-Kreisverband Bad Doberan einig. Während das DRK ab 1. August 2019 bereit ist, 95 Prozent des Tarifvertrags öffentlicher Dienst (TvöD) zu zahlen und ein Jahr später auf 100 Prozent zu erhöhen, fordert die GEW 95 Prozent zum 1.April. Ein Gespräch zwischen DRK-Geschäftsführer Fred Wollnitzke und GEW-Landesvorsitzenden Maik Walm am Sonntag sei laut beiden Seiten gut verlaufen, jedoch konnte keine Einigung erzielt werden.

„Eine Baustelle ist, wie Gemeinden und Landkreis Rostock bereit sind, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagt Maik Walm. DRK-Geschäftsführer Fred Wollnitzke und DRK-Sachgebietsleiterin Susann Wieland sind am Montag und Dienstag in Kommunen unterwegs und suchen auch das Gespräch mit dem Landkreis. Hintergrund: Die Kita-Gebühren teilen sich Land, Landkreis und Gemeinde zu jeweils einem Drittel. Das Drittel der Gemeinde wird wiederum zwischen ihr und den Eltern meist zu jeweils 50 Prozent aufgeteilt. Damit höhere Personalkosten nicht auf die Elternbeiträge umgelegt werden, hatte das Land zuletzt 6,2 Millionen Euro bereitgestellt, um diese Kosten aufzufangen. „Die Elternbeiträge waren immer ein Argument gegen gute Tarifabschlüsse. Jetzt sind die Elternbeiträge weg, jetzt ist der Weg frei. Gemeinden und Landkreis müssen nachziehen“, sagt Maik Walm und spricht damit die Regelung an, das Eltern ab 2019 nur noch für das erste Kind zahlen müssen, ab 2020 gar nicht mehr.

Landkreis für stufenweise Angleichung an TvöD

„Starke Kinder brauchen starke Erzieherin“, „Keine Hinhaltetaktik mehr“, „40 Jahre Erzieherin – Lohn wie Anfänger“ stehen auf den Plakaten, mit denen die Erzieher von der DRK-Kita „Buchenbergzwerge“ zur DRK-Geschäftsstelle und dann zur Kreisverwaltung ziehen. „Wir wollen ein starkes Signal senden“, sagt Maik Walm. Eric von Malottki, Referent für Jugendhilfe in der Gewerkschaft, ruft die Erwartungen der Erzieher vorm Landkreisgebäude durchs Megafon: „Wir erwarten vom Landkreis eine klare Aussagen: ,Wir erkennen den Tarifabschluss an, weil wir gute Löhne für Erzieher wollen’“. Zwar stellte sich vom Landkreis niemand den Streikenden, Anja Kerl, Dezernentin für Finanzen und Soziales beim Landkreis, teilt auf OZ-Nachfrage mit: „Selbstverständlich befürwortet der Landkreis Rostock eine angemessene Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher. Entsprechende Tarifverträge werden im Rahmen der Entgeltverhandlungen auch grundsätzlich anerkannt. Wir haben bereits erläutert, dass im Interesse der Eltern und Kommunen eine stufenweise Angleichung an den TVöD ratsam wäre.“

Während des Warnstreiks sind in den Einrichtungen in Schwaan, Bad Doberan, Kritzmow und Ziesendorf Notgruppen eingerichtet. Dirk Stamer ist Elternratsvorsitzender der Kita „Schwalbennest“ in Kritzmow, zudem auch Gemeindevertreter und Landtagsabgeordneter der SPD. „Die Rückmeldung der Eltern auf den Warnstreik war positiv“, sagt Stamer. „Ich finde es fair und richtig, dass der Job gesellschaftlich mehr anerkennt wird. Es kann nicht angehen, dass die Erzieher bei der gesellschaftlich wichtigen Rolle, die sie haben, nicht mal einen Tarifvertrag haben.“

Die nächste Verhandlungsrunde ist für Freitag, 21. Dezember angesetzt.

Acht Kitas im Kreisverband

Acht Kita-Einrichtungen betreibt der DRK-Kreisverband Bad Doberan, zwei in Schwaan und jeweils eine in Bad Doberan, Kühlungsborn, Biendorf, Kritzmow, Ziesendorf und Sanitz.

Die GEW hatte das DRK Anfang September zu Tarifverhandlungen für die etwa 130 Angestellten aufgerufen. Das Einstiegsgehalt für einen Erzieher bei 30 Stunden die Woche liegt zwischen 1600 und 1700 Euro. Sie werden bisher nicht nach Tarif bezahlt. Würden sie 95 Prozent des TvöD erhalten, hätten die Erzieher laut GEW etwa 400 Euro mehr Lohn.

Mehr lesen: Warnstreiks in fünf Kitas

Anja Levien

Mareen Bürger und Luca Fröhle siegen im Speerwerfen. Marietta Flacke setzt sich über 3000 Meter durch und wird zum TC Fiko Rostock wechseln.

17.12.2018
Bad Doberan Spiel- und Freizeitflächen - Schülerinnen zeigen Initiative

Die Gemeinde Reddelich hat 20000 Euro in den Haushalt für die Erneuerung und Erweiterung des Spielplatzes „Konzertgarten“ eingestellt. Der Etat ist 2019 zwar nicht ausgeglichen, aufgrund von liquiden Mitteln kann die Gemeinde aber investieren.

17.12.2018

Trotz Gesprächen am Wochenende wird in fünf Einrichtungen des DRK-Kreisverbandes Bad Doberan am Montag gestreikt. Dazu aufgerufen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern. Notgruppen seien eingerichtet. Hintergrund dafür sind die laufenden Tarifverhandlungen.

16.12.2018