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Bad Doberan Einwohner von Wittenbeck kämpfen gegen Funkmast
Mecklenburg Bad Doberan Einwohner von Wittenbeck kämpfen gegen Funkmast
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18:42 20.02.2019
Über 50 Einwohner von Wittenbeck und Umgebung waren zu einer Versammlung am Dienstag gekommen, um sich über einen geplanten Funkmast zu informieren. Bürgermeister Dirk Stübs (vorne rechts), Telekom-Mitarbeiter Matthias Werner (links) und Gabriele Hansen von der Dutschen Funkturm GmbH beantworteten Fragen. Quelle: Cora Meyer
Wittenbeck

Sie liegen momentan nicht auf derselben Wellenlänge, die Einwohner der Gemeinde Wittenbeck. Der Grund ist ein Telekommunikationsmast, den die Deutsche Telekom errichten will. Das Unternehmen will damit Lücken in der Versorgung schließen.

„Der Handyempfang ist hier instabil“, sagt Matthias Werner von der Telekom. Er ist nach Wittenbeck gekommen, um die Fragen der Einwohner zu dem Mast zu beantworten. Er soll an der Straße nach Kühlungsborn aufgestellt werden und 40 Meter hoch sein. „Viele stören sich an der Optik“, sagt Matthias Werner. Möglich sei ein Mast aus Beton oder aus Stahlgitter. „Wir würden uns da nach den Wünschen der Gemeinde richten“, sagt Gabriele Hansen. Sie vertritt die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochterfirma der Telekom, die den Mast errichten wird. Doch den Wittenbeckern geht es eher um die Höhe. Ob man den Mast nicht auf einer Anhöhe platzieren könnte, fragt eine Zuhörerin. Dann müsse er vielleicht nicht ganz so hoch sein.

Anwohner fürchten Strahlung

Einige der Einwohner freuen sich über eine bessere Internetverbindung, andere fürchten die Strahlen, die der Mast aussenden könnte. „Ich sehe darin eine Gefahr für mich und meine Kinder“, sagt Jens Westphal. „Die Bundesnetzagentur misst regelmäßig die Emissionen, die von so einem Mast ausgehen. Bestimmte Grenzwerte dürften nicht überschritten werden“, sagt Gabriele Hansen. Ansonsten dürfe ein Funkmast nicht betrieben werden. Das überzeugt viele Anwohner jedoch nicht. „Ich will den Mast gar nicht im Ort“, sagt Jens Westphal. „Er passt hier nicht rein.“

„Wir drehen uns im Kreis“, sagt Bürgermeister Dirk Stübs. Im Grunde sei es so: Alle wollen eine gute Internetanbindung, aber keiner will den Mast vor seiner Tür stehen haben. Dass der Empfang im Ort besser werden müsste, davon ist Winfried Hiller überzeugt. „Wir hetzen da hinterher.“ Was die Internetanbindung anginge, sei Deutschland ein Entwicklungsland. Er könne die Bedenken verstehen, würde sich aber wünschen, dass das Thema von allen Beteiligten sensibel diskutiert würde. „Wir brauchen einen Kompromiss, ein Entweder-Oder hilft uns nicht weiter.“

Geeigneter Standort schwer zu finden

Die Zahl der möglichen Standorte ist begrenzt, sagt der Vertreter der Telekom. Der Mast müsse in einem bestimmten Abstand zu den Orten Wittenbeck, Klein Bollhagen und Hinter Bollhagen stehen, um die störungsfreie Versorgung mit LTE zu gewährleisten. Dazu reichten die bestehenden Anlagen in Heiligendamm und Kühlungsborn nicht mehr aus, weil über die Netze immer größere Datenpakete geschickt würden. Mit der Suche nach geeigneten Flächen hatte die Telekom ein spezielles Akquise-Büro beauftragt. Das habe dann geprüft, welche Areale überhaupt infrage kommen und bei den Besitzern angefragt, ob diese ihr Grundstück für den Bau eines Telekommunikationsmastes zur Verfügung stellen würden.

Sieben Grundstücke waren es, sechs davon wurden abgelehnt: Bei einigen war der Abstand zu den nächstgelegenen Wohnhäusern zu klein, andere lagen über Bodendenkmälern und bei einem weiteren lehnte der Eigentümer einen Verkauf oder eine Vermietung an die Telekom ab. Zwei Jahre habe die Suche bislang gedauert, sagt Matthias Werner. „Im Jahr 2017 haben wir erstmals mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen.“ Erst jetzt sei ein möglicher Standort gefunden. „Normalerweise dauert diese Suche nur vier bis sechs Monate.“

Telekom soll Alternativen prüfen

Aber auch zwei Jahre sind den Wittenbeckern zu kurz. Sie wünschen sich, dass das Unternehmen noch einmal Alternativen prüft. Die seien nicht so einfach zu finden, sagt der Vertreter der Telekom. Das Grundstück dürfe nur in einem gewissen Radius um den Ortskern entstehen, weil sonst die Netzabdeckung nicht ausreiche. Es müsse eine bestimmte Größe haben und eine Zuwegung für Baufahrzeuge, die den Turm errichten sollen, müsse vorhanden sein. „Wir sind aber für Vorschläge offen, vielleicht hat ja noch jemand ein solches Grundstück.“ Damit müssten dann allerdings alle Einwohner einverstanden sein. Und das sei scheinbar nicht so einfach.

Mehr Bürgerbeteiligung gefordert

In die Kritik gerät aber auch der Bürgermeister selbst. Er habe das Vorhaben nicht rechtzeitig vorher mit den Einwohnern besprochen. Jetzt sei es dazu eigentlich zu spät, sagt eine Zuhörerin. Die Bürger seien nicht informiert worden. Der Bürgermeister verteidigt sich: „Der Mast war Thema in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses. Da hätte jeder hinkommen können.“ Allerdings versprach er beim nächsten Bauprojekt mehr Bürgerbeteiligung.

Auch für die Gegner des Funkmastes gibt es Hoffnung: „Wir sind gern bereit, noch einmal alternative Standorte zu prüfen“, sagt Matthias Werner. In trockenen Tüchern sei noch nichts. Bislang sei der Mietvertrag mit dem Grundstückseigentümer noch nicht unterschrieben. Und erst danach könnte überhaupt ein Bauantrag für den Funkmast gestellt werden.

Cora Meyer

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