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„Thomas war immer einer von uns“

Landrat Thomas Leuchert ist tot: Freunde und Weggefährten sind tief betroffen „Thomas war immer einer von uns“

Doberans Landrat Thomas Leuchert ist tot. Es war ein Sterben in Etappen, so, als könne es gar nicht stimmen, was da erst nur gesagt wurde und dann später geschrieben stand.

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Eines der letzten offiziellen Fotos: Thomas Leuchert Ende 2012 vor „seinem“ Gymnasium in Bad Doberan.

Quelle: Andreas Meyer

Bad Doberan. Erst hieß es, der Landrat sei „krank“. Dann, dass Thomas Leuchert „schwer erkrankt“ sei. Und schließlich hieß es, „die Ärzte ringen um sein Leben“. Dann, vor gerade einer Woche, keimte Hoffnung: „Der Landrat konnte die Intensivstation verlassen“, hieß es. Und nun?

Thomas Leuchert, erst 58 Jahre alt, galt vielen als viel zu stark, als dass die Nachricht wahr sein könnte. Und dennoch ist es so. Gestern ist er im Universitätsklinikum Rostock verstorben.

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Vor der Fusion: Landrat Thomas Leuchert mit dem G�strower Kollegen Lutz da Cunha.

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Leuchert war geradlinig und geradeaus, hatte Kanten, war ein Mann der deutlichen Worte. Als solcher machte er sich in der Wendezeit einen Namen: Der Runde Tisch, an dem er stritt und vor allem reinen Tisch machte mit den Altvorderen, an dem er Transparenz und Offenheit in der Politik forderte, an dem er manche Diskussion moderierte, auch manche Woge zu glätten wusste, wählte schließlich ihn zum Ratsvorsitzenden.

Die Amtsjacke kniff, und auch die Krawatte gehörte nicht zu seinem Markenzeichen. Doch das Amt passte ihm besser, als er es anfangs je zugegeben hätte. „Landrat“ und „Leuchert“ waren spätestens zur Kreisgebietsreform 1994, als die damaligen Kreise Rostock-Land und Bad Doberan zusammengelegt wurden, zwei untrennbare Begriffe geworden: Landrat Leuchert.

Und der war beliebt bei den Wählern: Bei den Landratswahlen 2008 erhielt er über 20 000 Stimmen, seine Kontrahenten von der Linkspartei knapp 7000, von den Grünen gerade 3000. Und einer, der schon 2001 zur Landratswahl gegen ihn angetreten war, sagte später einmal respektvoll: „Mit Leuchert als Landrat lässt es sich gut leben.“

Einen leichten Job hatte Leuchert nicht. Der starke Mann musste manchen Gegenwind aushalten, — und entfachte manchen Sturm. 2002 etwa, als eine runde halbe Million Euro in der Kreiskasse fehlte, weil das Land die Sozialhilfe auf die Landkreise abgewälzt hatte. Leuchert — immerhin hatte er das Parteibuch der SPD in der Tasche — legte sich mit der rot-roten Landesregierung in Schwerin an.

Oder 2004, als die Molli-Eisenbahner vor dem Landratsamt streikten, mehr Lohn forderten. Leuchert musste den Widerstreit aushalten — als Gesellschafter der Bäderbahn richtete sich der Protest direkt gegen ihn. Gegenwind gab es auch, als Leuchert sich 2004 für die von der rot-roten Landesregierung in Schwerin auf den Weg gebrachte Kreisgebietsreform aussprach — der Kreistag lehnte die Reform ab.

Kaum anders war es, als der zweite Reformentwurf ab 2008 auf der Tagesordnung stand. Leuchert machte eigene Vorschläge, wie der Großkreis aussehen müsste. Am Ende musste er sich beugen. Er tat es:

„Wir müssen das Beste daraus machen“, sagte er sich und anderen und setzte die Reform um, konsequent, auch mit mancher Härte. Eine lange Krankheit im Jahr 2012 ließ ahnen, dass der starke und scheinbar unbeugsame Thomas Leuchert ernste gesundheitliche Probleme hatte. Offen gesprochen hat er darüber nicht. Er nahm die Amtsgeschäfte wieder auf, als sei nichts gewesen.

Doch Leuchert hatte sich offenbar verändert. Angelika Schwarz, ehemalige Klassenkameradin am Gymnasium in Bad Doberan, hatte Leuchert zuletzt beim Satower Karneval getroffen: „Er kam mir sehr still vor. Er war nicht mehr der Thomas, der er mal war“, sagte sie.

Sie und viele seiner Freunde und Weggefährten werden Thomas Leuchert in bester Erinnerung behalten: als grundehrlichen, bodenständigen Menschen, der auf die Leute zugegangen ist. Die Kreistagsabgeordnete Birgit Schwebs (Die Linke) sagt: „Trotz aller politischen Differenzen: Er war immer hilfsbereit und offen für alle Probleme.“ Und der ehemalige Doberaner Kreistagspräsident Fred Ibold (CDU) ergänzt: „Thomas war immer einer von uns. Und das wird er auch bleiben.“

Stationen eines Lebens — Fest verwurzelt in der Region
Thomas-Jörg Leuchert wurde am am 23. Juli 1954 in Frankenberg, im DDR-Bezirk Karl-Marx-Stadt geboren.

Aufgewachsen ist er ab 1955 in Heiligendamm, in Bad Doberan legte er 1973 das Abitur ab. Anschließend

studierte er in Rostock und schloss als Diplom-Ingenieur für Veterinärmedizin und Tierproduktion ab.

1978 begann Leuchert als Ingenieur in einer staatlichen Tierarztpraxis. 1985 wurde er Werkstattleiter im Büro für architekturbezogene Kunst. 1989 wechselte Leuchert zum Deutschen Turn- und Sportbund, wurde Kreissportlehrer.

1989 gehörte Thomas Leuchert zu den Gründungsmitgliedern der SDP — später SPD — in Bad Doberan.

Im April 1990 wurde Leuchert vom „Runden Tisch“ zum amtierenden Ratsvorsitzenden im Kreis Bad Doberan

berufen, später wurde er stellvertretender Landrat.

1994 nach der Kreisgebietsreform wurde er zum Landrat gewählt, 2001 sowie 2008 in Direktwahl im Amt bestätigt.

Thomas Leuchert hinterlässt eine Frau, sieben Töchter, einen Sohn sowie neun Enkelkinder.

Wir können dankbar sein, dass wir ihn hatten.“ Karen Siegert, Pastorin

Klaus Walter

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