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Bad Doberan Unterwegs mit Kreuzfahrern
Mecklenburg Bad Doberan Unterwegs mit Kreuzfahrern
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00:02 24.02.2018
So klein ist der Container, in dem Ausbildungen vorgenommen werden, zeigt Thomas Krohn symbolisch. Der 54-Jährige wünscht sich in der Jahnstraße eine größere Halle. FOTOS (2): JANA FRANKE

Kreuzfahrten sind schwer angesagt. Immer mehr Passagiere reisen auf den schwimmenden Hotels. Davon profitieren auch Busunternehmen in der Region. Eines von ihnen ist die Firma von Thomas Krohn aus Grevesmühlen – Krohn Busreisen. 180 Einsätze zählt der 54-Jährige über die Saison verteilt. Teilweise seien drei seiner insgesamt sieben Busse unterwegs, um Kreuzfahrer beispielsweise nach Rostock, Berlin, Schwerin, Stralsund, Güstrow oder Lübeck zu fahren. Dabei treffen er und seine angestellten Busfahrer auf die ganze Welt, umschreibt Thomas Krohn und beginnt aufzuzählen: „Wir fahren Amerikaner, Asiaten, Australier, Russen, Neuseeländer, Franzosen, Niederländer, Spanier. . .“ Mit vielen Charakteren hätten sie es zu tun.

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Thomas Krohn aus Grevesmühlen ist einer von vielen Busunternehmern, der vom Boom des Urlaubs auf hoher See profitiert / 180 Einsätze zählt der 54-Jährige im Jahr

„Die Amerikaner sind sehr interessiert und freundlich“, nennt er ein Beispiel. Und ja – auch sehr gutgläubig. So seien einige auf die sogenannten Hütchenspieler in Berlin reingefallen, die ahnungslosen Passanten das Geld aus der Tasche locken. „Mittlerweile warnen wir unsere Gäste“, sagt Thomas Krohn, der sein Busunternehmen 2011 gründete und seit 1990 eine Fahrschule betreibt. Gebucht wird er meist von Agenturen, bei denen er sich erst einen Namen machen musste. Sein Hauptauftraggeber ist ein Rostocker Unternehmen. Zunächst war er einer von vielen auf der Liste. Dann arbeitete er sich langsam hoch und wird nun teilweise zuerst gefragt, bevor die Liste abgearbeitet wird.

Ein Koffer allein auf Reisen

Anekdoten kann Thomas Krohn so einige erzählen. Unter anderem hat er auf dem Alexanderplatz in Berlin zwei Stunden lang zwei spanische Mitreisende gesucht. Am Ende saßen sie nur einige Meter vom Bus entfernt und wunderten sich, warum alle so unruhig waren. Und dann ist da noch sein Mitarbeiter, dessen Koffer ohne ihn auf eine Kreuzfahrt gegangen ist. „Wenn die Busfahrer weite Strecken fahren müssen, übernachten sie unterwegs, bevor sie die Heimreise antreten“, erläutert Thomas Krohn. Dafür hat besagter Mitarbeiter immer einen kleinen Koffer mit den wichtigsten Dingen, wie frischer Kleidung und Waschzeug, dabei. Dieser lag dummerweise im Kofferfach des Busses zwischen all den Gepäckstücken der mitfahrenden Gäste. Ein Mitarbeiter am Schiffsterminal half beim Verladen und so gelangte der Koffer des Busfahrers auf die „Aidamar“ und machte eine Ostsee-Kreuzfahrt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Schiffsbesatzung dann doch etwas unruhig war, weil der Koffer herrenlos und nicht beschriftet war.

Vom Mietbus zum eigenen

Alles begann mit einem Mietbus. Plötzlich erhielt Thomas Krohn die Nachfrage, ob er Gruppen zu Veranstaltungen fahren würde. Das tat er und entwickelte die Geschäftsidee eines eigenes Busunternehmens. Um ein eigenes Gefährt finanzieren zu können, weitete der gelernte Nachrichtentechniker sein Angebot aus. Heute bietet er neben Tagesausflügen für Kreuzfahrer auch Touren durch ganz Deutschland und darüber hinaus an – unter anderem zur Internationalen Grünen Woche, zur HanseSail, zu den Störtebecker Festspielen, zum ZDF-Fernsehgarten, nach Polen, Klassenfahrten und, und, und.

Mittlerweile hat Thomas Krohn sieben Busse – drei Reise-, zwei Linien- und zwei Kleinbusse.

Den Boom von Kreuzfahrten und dass es ohne Busunternehmen gar nicht geht, bestätigt auch Christian Hardt, bei Rostock Port für die Kreuzschifffahrt zuständig. Beim Passagierwechsel, so sagt er, seien stets rund 25 Busse im Einsatz, um ankommende Kreuzfahrer zum Bahnhof zu fahren und neue Gäste zum Schiff zu transportieren. Hinsichtlich der angebotenen Landausflüge beziffert er die Anzahl der Busse mit rund 50 pro Schiff. Ganz so viele sind es in Wismar nicht. Die Schiffe, die dort anlegen, sind auch deutlich kleiner. Auch wenn Ingmar Bünting, Kreuzfahrt-Koordinator beim Columbus Cruise Center Wismar (CCCW), kein Buch darüber führt, spricht er von zwei bis zehn Bussen pro Kreuzliner.

Vom Boom bei Kreuzfahrten profitiert Thomas Krohn in zweierlei Hinsicht. So rollt nicht nur der sprichwörtliche Rubel – immerhin muss er einen großen Fuhrpark und zehn Angestellte finanzieren, sondern sein Englisch sei auch deutlich besser geworden, erläutert er stolz. Damit hat Florian Steinkamp kein Problem. Eineinhalb Jahre war der 26-Jährige in Australien und Asien unterwegs. Mit seiner Reiselust und der Lust an Fremdsprachen ist er bestens bei Thomas Krohn aufgehoben. Er arbeitet seit September für ihn als Busfahrer im Reiseverkehr.

Wunsch nach neuer Halle

1990 gründete Thomas Krohn sein Fahrschulunternehmen und baute einen Taubenschlag in der Kleinen Alleestraße in Grevesmühlen aus. Dann zog er in die Kirchstraße. Als es auch dort zu eng wurde, kaufte er im Jahr 2008 eine Fläche in der Jahnstraße von der Treuhand. Auch hier wird es langsam eng. Der 2009 aufgestellte Container platzt aus allen Nähten. 200 Fahrschüler hat er aktuell. Sämtliche Führerscheinklassen können bei Thomas Krohn abgelegt werden – für Mofa und Motorrad über Auto und Bus bis zum Bootsführerschein. Zudem werden Berufskraftfahrer- und Gefahrengutausbildungen angeboten.

„Seit Jahren plane ich, eine Halle mit Schulungsbereich, Reisebüro, Kundenraum und Internetcafé für die Fahrschüler zu bauen“, schildert Thomas Krohn. Aber die Banken würden ihm Steine in den Weg legen. Grund: Er rechnet mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 800000 Euro, alleine 100000 Euro benötige er, um die 2200 Quadratmeter große Fläche zu befestigen.

Die OZ sucht Ihre Bilder

Ob in Rostock, Bad Doberan, Wismar oder Grevesmühlen – viele Menschen haben eine enge Verbindung zur maritimen Wirtschaft. Die OZ sucht Bilder und Geschichten über das Leben an Bord, im Maschinenraum, am Kai oder auf den Werften. Wie sah die Arbeit damals im Vergleich zu heute aus? Wir freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Fotos und Geschichten schicken.

Mail: mecklenburg@ostsee-zeitung.de; per Post: OSTSEE-ZEITUNG, Redaktionssekretariat, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock

Jana Franke

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