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Bad Doberan Verkehrszählung in der Kritik
Mecklenburg Bad Doberan Verkehrszählung in der Kritik
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13:43 07.11.2018
An der Bebel-Straße wurde Ende September eine Verkehrszählung durchgeführt. Quelle: Cora Meyer
Bad Doberan

Eigentlich wollte Sandra Gertzen im Doberaner Bauausschuss lediglich die Ergebnisse einer aktuellen Verkehrszählung an der August-Bebel-Straße vorstellen. Doch im Laufe ihrer etwa 20-minütigen Präsentation musste sich die Fachbereichsleiterin für Verkehrstechnik und Verkehrsplanung beim Ingenieurbüro Merkel Consult immer wieder verbale Angriffe von Ausschuss-Mitglied Heinz-Jürgen Beuter gefallen lassen. „Ich zweifle die Messungen an“, so Beuter. „Denn ich halte sie für überhaupt nicht repräsentativ.“ Haupt-Kritikpunkt: die Vergleichszeiträume April 2013 und September 2018.

Der Reihe nach: Vor einigen Wochen hatte das Ingenieurbüro am Kamp für zehn Tage ein Gerät aufgestellt, um in diesem Bereich Rückschlüsse auf die Verkehrsströme ziehen zu können. „Wir befinden uns beim großen Verkehrskonzept in der finalen Phase“, erklärte Norbert Sass, Leiter im Amt für Stadtplanung. „Die Baumaßnahmen am Alexandrinenplatz sind abgeschlossen – deshalb war der Verkehr hier erstmals tatsächlich messbar.“ Dies sei auch mit Blick auf ein mögliches Tempo 30 für die gesamte Innenstadt relevant, so Sass.

Nach diesen Messungen seien im April 2013 durchschnittlich 3250 Fahrzeuge pro Tag aus der Stadt heraus gefahren, sagte Sandra Gertzen: „Im September dieses Jahres waren es 3158.“ Einen deutlicheren Unterschied gebe es beim Verkehr in die Stadt hinein: „Waren es vor fünf Jahren noch 5650 Fahrzeuge im Schnitt, haben wir vor einigen Wochen 4524 gezählt.“ Eine mögliche Erklärung: „Im Zuge der umfangreichen Baumaßnahmen haben sich die Leute andere Wege gesucht und diese offenbar auch beibehalten“, erklärte Gertzen.

Durchschnittsgeschwindigkeitgeht um 5 km/h zurück

Fast noch interessanter: „Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 2013 aus der Stadt heraus 41 km/h“, sagte die Verkehrs-Fachfrau. „In diesem Jahr waren es 36 km/h.“ Eine ähnliche Tendenz lasse sich auch beim Verkehr in den Ort feststellen: „Hier waren es vor fünf Jahren noch 40 km/h – jetzt liegen wir bei 35 km/h.“ Nach Auffassung von Bauamts-Chef Norbert Sass ein klares Zeichen: „Offenbar fahren die Leute auch deshalb langsamer, weil es auf der Straße jetzt eine Mittel-Insel und einen Fußgängerüberweg gibt – genau das wollten wir mit den Messungen überprüfen.“

Ein untauglicher Versuch, meinte Heinz-Jürgen Beuter: „Man kann doch nicht das Frühjahr 2013 mit dem Herbst 2018 vergleichen – diese Verkehrsflüsse haben überhaupt nichts miteinander zu tun.“ Was erschwerend hinzu komme: „An der Straße steht jetzt ein interaktives Schild mit einem lächelnden oder traurigen Smiley – allein das sorgt doch automatisch für eine Geschwindigkeitsreduzierung und hat nichts mit Baumaßnahmen zu tun.“

Darüber hinaus halte er auch den Zeitraum von zehn Tagen für nicht aussagekräftig, so Beuter: „Das muss dann schon länger gemacht werden.“ Auch sie halte diese beiden Messungen für sehr spärlich, sagte Monika Schneider: „Damit kann man keine grundlegenden Aussagen treffen – eine Tendenz ist so nicht bewiesen.“ Natürlich sei es repräsentativer, das Gerät einen ganzen Monat aufzustellen, sagte Sandra Gertzen – und stellte gleichzeitig klar: „Eine entsprechende Richtlinie lässt einen zehntägigen Zeitraum aber sehr wohl zu.“

Eines habe sich jedenfalls gezeigt, sagte Monika Schneider: „Die Autos sind in der August-Bebel-Straße langsamer gefahren – dann könnten sich die Fahrer vielleicht auch an Tempo 30 in der ganzen Innenstadt gewöhnen.“ Viele Doberaner würden Verkehrsschilder leider nur als „Empfehlung“ sehen, bedauerte der Ausschuss-Vorsitzende Joachim Seehaus: „Ich könnte mir ja die Innenstadt generell als verkehrsberuhigte Zone vorstellen – aber das ist nur so eine Idee. . .“

Lennart Plottke

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