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Bad Doberan Im Einklang mit der Natur: Pfadfinder aus Mecklenburg
Mecklenburg Bad Doberan Im Einklang mit der Natur: Pfadfinder aus Mecklenburg
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17:58 13.03.2019
Wandern, Zelten und Erforschen der Natur: Pfadfindergruppen aus Mecklenburg lernen auf Ausflügen Toleranz gegenüber der Natur. Quelle: Jule Müller
Bad Doberan

Feuer, Stockbrot, Natur und Uniformen: Das sind oft die ersten Dinge, die einem im Zusammenhang mit Pfadfindern einfallen. Doch die Pfadfindergruppen aus Mecklenburg machen noch viel mehr: Sie reisen durch Europa, lernen das Leben im Einklang mit der Natur und verzichten dabei auf die Hilfe von Erwachsenen und elektronischen Hilfsmitteln.

Hanna Wichmann lebt mit ihren Kindern Annette (16) und Alban erst ein halbes Jahr in Bad Doberan. „Wir kommen eigentlich aus Föhr“, sagt die 52-Jährige Mutter.

Annette Wichmann ist mit ihrer Mutter Hanna Wichmann vor sechs Monaten von Föhr nach Bad Doberan gezogen. Mit im Gepäck: viel Motivation für Pfadfinderarbeit in der Münsterstadt. Quelle: Moritz Naumann

Und dort waren ihre Kinder Annette und Alban Teil des Pfadfinderstammes Vega, der etwa 60 Mitglieder zählt. Doch in Bad Doberan gab es so etwas bisher nicht. „Also habe ich die Gemeindepädagogin Anne Jax angesprochen, ob sowas nicht auch in Bad Doberan möglich sei. Die war gleich ganz begeistert“, sagt Hanna Wichmann. Seit Januar finden nun regelmäßig in der alten Scheune beim Münster die Pfadfindertreffen statt. „Etwa 15 Jugendliche kamen zu den ersten Sitzungen, und jetzt haben wir schon zwei Gruppen“, erzählt Annette Wichmann stolz. In Bad Doberan werden Jungs und Mädchen erst einmal getrennt. „Wir wollen dadurch vermeiden, dass die Kinder in Geschlechterstereotype gepresst werden.“ Denn kommen Jungs und Mädchen zusammen, sei die Aufgabenverteilung oft sehr einseitig: Die Mädchen kochen und die Jungs bauen.

Toleranz gegenüber Mensch, Natur und Tier

Die Wichmanns verfolgen mit den Pfadfindern den traditionellen Grundgedanken der Friedensbewegung: in jugendlicher Gemeinschaft etwas schaffen, lernen und erleben – ohne Erwachsene. „Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, in der Natur mit einfachen Mitteln zurechtzukommen und Mensch, Tier und Pflanzen gegenüber tolerant zu sein“, sagt Hanna Wichmann. Für die Pfingstferien planen die Wichmanns mit ihren Pfadfindern einen Ausflug nach Föhr. „Damit wollen wir Lust auf größere Ausflüge und Lager machen.“ Was der Bad Doberaner Vereinigung noch fehlt? Ein Stammesname und ein Bund, dem sie sich anschließen können, um an überregionalen Ausflügen und Events teilzunehmen. „Das wird sich alles nach und nach entwickeln“, sagt Hanna Wichmann.

Der Wismarer Stamm „Samarkand“ ist da schon weiter: „Seit September 2012 gibt es unsere Ortsgruppe“, sagt Jannick Joost. Der Stamm ist Teil des Pfadfinderbundes MV, dem noch viele weitere Gruppen aus Rostock, Bergen, Stralsund, Anklam, Greifswald und Neubrandenburg angehören. Derzeit besteht die Wismarer Ortsgruppe lediglich aus männlichen Mitgliedern. „Aber wir wünschen uns Zuwachs und würden gerne auch eine Mädchengruppe gründen“, sagt Joost, der in seiner „Sippe“ Flissto genannt wird. Jedes Stammesmitglied erhält bei den Wismarern nämlich einen Pfadfindernamen, der sich aus Erlebnissen und Eigenschaften der Person zusammensetzt.

Entstehung der Pfadfinder

Als Auslöser für die Pfadfinderbewegung gilt das Buch „Aids to Scouting“ (Anleitung zum Auskundschaften) des englischen Armee-Generals Robert Baden-Powell. Eigentlich für den Krieg verfasst, musste der General feststellen, dass gerade Jugendliche das Buch verschlangen und als Vorlage für ein „Kundschafter-Spiel“ verwendeten. Powell entwickelte daraufhin ein erlebnispädagogisches Konzept. Vom 31. Juli bis 9. August 1907 fand dann das erste Pfadfinderlager auf Brownsea Island mit 22 Jungen statt. Um die sozialen Unterschiede zu verdecken, trugen alle Teilnehmer Uniformen. Später entwickelte Powell das Buch weiter und veröffentlichte 1908 „Scouting for boys“. In diesem benennt er den Ritter St. Georg als Schutzpatron der Bewegung. Nach dessen Vorbild sollen Pfadfinder ritterlich und ehrlich handeln, anderen Menschen Freund sein, Hilfsbedürftigen und Schwachen helfen und die Umwelt schützen.

Mit einem Nothandy durch Europa

Der Pfadfinderbund MV organisiert regelmäßig Treffen mit seinen Ortsgruppen - wie hier in Blankenberg an Pfingsten 2018. 250 Teilnehmer leben dann für mehrere Tage in Jurten (Zelte) oder gar einer ganzen Jurtenburg. Quelle: Claudia Gaschler

In der Regel sind die Pfadfinder viel in der Natur. In den Osterferien etwa reist die Wismarer Truppe dann mit der Kothe (Zelt der deutschen Jugendbewegung) durch die Regionen um Deutschland, Polen oder Dänemark. Dabei trifft man sich auch mit anderen Ortsgruppen zu Pfadfinderlagern. In solchen kommen dann bis zu 250 Jugendliche zusammen. Besonders aufregend wird es aber im Sommer. Da soll es an die spanische Nordatlantikküste gehen. „Vier Wochen sind wir da dann in der Natur unterwegs“, verrät Joost. Das Ganze findet ohne Eltern und Unterstützung elektrischer Geräte statt. „Ich als Gruppenleiter habe zwar immer ein Nothandy dabei, aber das ist dann auch alles.“ Wie die Eltern über so eine Zeit dann Kontakt zu ihren Kindern halten können? „Wir richten ein Postfach ein. Kommunikation findet dann nur über Briefe statt.“

Auch im Winter kreativ

v.l.: Paula Spang, Theresa Spang, Laurin Spang, Christopher Weyrowski, Nikol Neronskaja und Naomi Busch nutzen einen Winter-Stammtreff für eine Rally durch das Rostocker Ikea-Möbelhaus. Quelle: Moritz Naumann

Was man hingegen im Winter so veranstalten kann, zeigt das Beispiel der Rostocker Pfadfindergruppe „Royal Rangers“. 25 ihrer Mitglieder haben sich an einem Freitagnachmittag versammelt, um eine „Rallye“ durch das Rostocker Ikea-Möbelhaus zu veranstalten. In Gruppen eingeteilt, müssen die Pfadfinder 22 Aufgaben lösen: Wie viele Köttbullar erhält man für 1,90 Euro? Wie viel wiegt das teuerste Produkt in Regal 11 oder wie spät ist es auf der Uhr mit dem Namen „Svajpa“? „Die Gruppe, die als erste alle Rätsel gelöst hat, bekommt einen Preis, der Rest etwas zum Trost“, sagt Christopher Weyrowski, Jugendgruppenleiter.

Bei den Royal Rangers handelt es sich um eine Pfadfinderbewegung, die ihren Ursprung in den USA hat. „In den 1980er Jahren ist der Trend dann nach Deutschland gekommen. Seit 2006 gibt es die Vereinigung auch in Rostock“, sagt Theresa Spang, die gemeinsam mit ihren Geschwistern Paula (18) und Laurin (6) an der Rallye teilnimmt. Anders als bei der Wismarer Samarkand-Gruppe, handelt es sich bei Royal Rangers um eine christliche Bewegung. „Wir gehören zum Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden“, sagt Spang und ergänzt: „Wir sind offen für jeden und geprägt durch die Nächstenliebe“. Warum man bei den Pfadfindern mitmachen sollte? „Man wächst in seiner Persönlichkeit und man lernt viel vom und über das Leben“, sagt Nikol Neronskaya.

Stämme zwischen Wismar und Rostock

Samarkand-Pfadfinder-Wismar: E-Mail: samarkand@pbmv.de / Tel. 0152 / 33618798 – Janick Joost (Jugendgruppenleiter)

Pfadfinder Bad Doberan: Tel. (03 82 03) 85 36 86 – Hanna Wichmann

Royal-Rangers-Rostock: E-Mail: info@pfadfinder-rostock.de / Tel. 0381 46056341

Moritz Naumann

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