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02:00 26.08.2014
Die 2b der Brinckman-Schule ist in die „Kinderkunstakademie“ umgezogen. Franzi (7), Marten (8) und Mitschüler fühlen sich wohl. Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Alles schien in bester Ordnung zu sein: „Ich dachte, jetzt habe ich eine neue Schule, eine neue Turnhalle und keine Sorgen“, sagt Catrin Leiding, Leiterin der Grundschule John Brinckman. Doch fünf Jahre später gibt‘s die böse Überraschung: In zwei Räumen des Schulneubaus steckt im Boden so viel Feuchtigkeit, dass nicht einmal die Sommerferien ausreichten, um die Zimmer wieder herzurichten. Erst zum 31. Januar soll dort wieder Unterricht möglich sein. Die Folge: 43 Schüler in Brinckmansdorf stehen zum Schulanfang ohne Klassenzimmer da. Sie müssen in die private „Kinderkunstakademie“ in Kassebohm ausweichen. Betroffen sind zwei zweite Klassen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Leiding. Schon beim Einzug der Grundschule im Jahr 2010 habe es in den beiden Räumen unangenehm gerochen. Die Vermutung: Beim Bau sei der Estrich nicht lange genug trocken gelegt worden. Leiding will das nicht bestätigen. „Ich bin keine Bauexpertin.“ Oft haben sich Schüler und Lehrer über den Gestank beschwert — lange ohne Erfolg. „Geruch ist eben nicht messbar“, sagt Leiding. „Wir mussten um die Sanierung kämpfen.“ In den Sommerferien sollten die Mängel nun beseitigt werden. Vor zwei Wochen habe Leiding jedoch erfahren, dass es länger als geplant daure. Rasch musste eine Lösung her. „Zeitlich war das sehr eng“, sagt die Schulleiterin. Doch die „Kinderkunstakademie“ vom Institut für Lernen und Leben sei sofort eingesprungen. „Die Bedingungen dort stimmen. Unterricht, Mittag und Hortbetreuung sind gesichert“, sagt Leiding. Dass die Wahl auf zwei Parallelklassen fiel, habe seinen Grund. „Sie ergänzen sich bei Projekten besser.“ Zudem komme die Mehrzahl der Schüler aus Kassebohm. „Dadurch haben sie kurze Wege“, sagt die 46-Jährige.

Dennoch hatten einige Eltern Bedenken, weil der Umzug kurzfristig kam. „Das war nicht schön für uns. Aber auf die Schnelle gab es keine andere Lösung“, so Leiding. Auch finanziell erzielten Schulamt und Privatschule rasch eine Einigung. Schließlich ist das Institut für Lernen und Leben gleichzeitig Träger des Hortes an der Brinckmanschule. „Insofern entstehen für zwei Räume für den Nutzungszeitraum Mietkosten in vergleichbarer Höhe der sonst vom Hortträger gezahlten Mietkosten in der Grundschule“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Wie teuer die Sanierung wird, könne jedoch noch nicht gesagt werden. „Die Baukostenhöhe kann in Abhängigkeit vom Umfang erst nach Abschluss des Wiederaufbaus benannt werden“, sagt Kunze. Die Stadt will sich das Geld zurückholen. „Die Kosten werden nach dem Verursacherprinzip geltend gemacht“, betont Kunze. Die Gesamtbaukosten für Schule, Sporthalle und Außenbereich beliefen sich im Jahr 2010 auf rund vier Millionen Euro. Fast alle Bauaufträge seien an Firmen aus der Region gegangen, hieß es damals.

Die Brinckman-Schüler dürfen in der „Kinderkunstakademie“ sogar das neue gläserne Atelier nutzen — ein Raum, der an den Seiten nur aus Fenstern besteht und erst seit April fertig ist. „Für den Kunstunterricht braucht man viel Tageslicht. Zudem passt die Konstruktion zu unserem Konzept. Jeder kann bei uns reinschauen“, sagt Schulleiterin Manuela Wilfert über das ungewöhnliche Klassenzimmer. Die Brinckmanschule musste jedoch Stühle und Tische mitbringen. „Unsere Möbel im Atelier sind für siebente und achte Klassen ausgelegt und für die jüngeren Schüler zu groß“, sagt Wilfert.

Schüler und Lehrer der „Kinderkunstakademie“ müssen nun etwas zurückstecken. Vor allem auf das gläserne Atelier hätten sie sich gefreut — das könne nun frühestens ab Februar bezogen werden. „Gerade die Kunstlehrer waren darüber etwas traurig“, sagt Wilfert. Dafür freuen sich die Brinckmanschüler. Auf die Frage, ob es ihnen gefalle, antwortet die Mehrheit der Klasse 2b mit: „Jaaaaaa!“

Insgesamt werden derzeit in Rostock zehn Schulen mit einem Gesamtvolumen von 39 Millionen Euro saniert. Räume, Schulhöfe, Turnhallen werden saniert und Nebengebäude neu errichtet. Zu Problemen wie in Brinckmansdorf sei es dabei nicht gekommen, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Perfekt lief es zum Beispiel auf der Baustelle an der Beruflichen Schule für Wirtschaft im Stephan-Jantzen-Ring. Innerhalb der sechswöchigen Sommerferien haben Arbeiter das Gebäude brandschutztechnisch auf Vordermann gebracht.

Neubau im Jahr 2010

265 Schüler besuchen derzeit die John-Brinckman-Grundschule. Weil die Sanierung zweier Räume länger dauert, als geplant, müssen 43 Schüler vorübergehend in die „Kinderkunstakademie“ Rostock ausweichen. Das ursprüngliche Gebäude der Brinckman-Schule im Vagel-Grip-Weg 10 a ist 1965 gebaut worden. Weil es als nicht sanierungsfähig galt, wurde es abgerissen. 2010 kam der Neubau.



André Wornowski

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