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Wirtschaft Beim Schwimmhallen-Projekt hakt es schon wieder
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Beim Schwimmhallen-Projekt hakt es schon wieder
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03:53 03.09.2013
Die Ruine der Meerwasserschwimmhalle ist ein Schandfleck direkt an der Strandpromenade. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Die Ruine der im Februar 2003 geschlossenen Meerwasserschwimmhalle direkt an der Strandpromenade von Kühlungsborn West verfällt weiter. Wie auch die schöne Villa Baltic gleich daneben. Zwei hässliche Schandflecke in Top-Lage.

Dabei war zu Beginn des Jahres die Hoffnung groß, dass wenigstens die planerischen Vorarbeiten für den Wiederaufbau der Schwimmhalle in Verbindung mit einer aufgesetzten Hotel-Etage und einem Hotel-Betrieb in der Villa „Baltic“ nun endlich zügig vorankommen würden. Prof. Mathias Wagner, ein Augenarzt aus der Nähe von Cottbus, dem auch die Villa „Baltic“ gehört, hatte die europaweite Ausschreibung für das Schwimmhallen-Projekt gewonnen. In einem so genannten Dialogverfahren sollte längst zwischen dem Hauptausschuss der Stadtvertretung und dem Investor schrittweise geklärt werden, wie die Ausführungsplanung für das Bauvorhaben und dessen Finanzierung zu gestalten sind. Danach soll Wagner den Zuschlag für das Vorhaben bekommen und das Grundstück von der Stadt kaufen können.

Doch passiert ist seitdem nichts — und darüber ist Investor Mathias Wagner mehr als nur verärgert. „Wie hier mit einem Investor umgegangen wird, das ist schon bösartig. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte er gestern der OZ. Wagner hatte schon im März alle erforderlichen Unterlagen beim Planungsbüro Geburtig in Ribnitz-Damgarten eingereicht, das den Dialog zwischen Investor und Hauptausschuss leiten soll. „Mir wurde bestätigt, dass damit Stufe 1 des Verfahrens abgeschlossen sei. Doch Stufe 2 hat nie begonnen“, stellt Wagner fest. Er habe auch nie eine offizielle Information über den Grund der Verzögerung erhalten: „Nur das, was eben in Kühlungsborn so unter der Hand erzählt wird.“ Wagner hat daraus Konsequenzen gezogen, die den Baustart des Schwimmhallen-Projekts weiter verzögern könnten. Denn er hat in Kühlungsborn auch andere Baustellen. „Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Zuendeführung der Sanierung des ,Schlosses am Meer‘ und den Neubau der Villa ,Siegfried‘, der in diesen Tagen begann. Nach dieser fünfmonatigen Verzögerung im Verfahren für die Schwimmhalle, an der ich keine Schuld trage, fühle ich mich an die ursprünglich vereinbarte zeitliche Planung der Abläufe nicht mehr gebunden“, sagt er. „Ich stehe nach wie vor zu dem Projekt, aber in der Priorität ist es für mich von Platz eins jetzt nach hinten gerückt“, fügt Wagner hinzu und lässt sich auch nicht auf einen möglichen Baubeginn noch im kommenden Jahr festlegen.

Die Ursachen für die Verzögerung im Dialog- und Vergabeverfahren für die Schwimmhalle sieht Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) bei der Gesellschaft für Stadterneuerung und Ortsentwicklung Mecklenburg (GSOM). Die GSOM ist der Sanierungsbeauftragte der Stadt Ostseebad Kühlungsborn für deren Sondervermögen, zu dem auch das Schwimmhallen-Grundstück gehört. „Bei der GSOM gab es Überlegungen, das Resultat der Ausschreibung nicht anzuerkennen, weil es nur einen Bewerber gab. Sie wollte sogar noch einmal neu ausschreiben“, erklärt der Bürgermeister.

GSOM-Projektleiter Peter Kahl bestätigt, dass es eine intensive vergaberechtliche Prüfung gegeben habe — weil bei der GSOM tatsächlich Zweifel aufkamen, ob eine Ausschreibung mit nur einem Teilnehmer vergaberechtlich korrekt sei. „Wir brauchten Rechtssicherheit. Die Zweifel sind jetzt ausgeräumt, und der Investor wird zeitnah die Unterlagen zugeschickt bekommen, die für die Abarbeitung von Stufe 2 des Dialogverfahrens notwendig sind“, versichert Kahl.

Aber selbst wenn die Verzögerungen im bürokratischen Verfahren aufgeholt werden können — der Baustart für den Schwimmhallen-Neubau wird sich wohl verschieben. Weil Wagner jetzt andere Prioritäten setzt — wie er sagt.

Diese Vorgaben gibt es für den Investor
400 Quadratmeter Wasserfläche muss das öffentliche Meerwasserschwimmbad wenigstens aufweisen. Auf 250 Quadratmetern soll die Möglichkeit bestehen, diese für Sportwettkämpfe mit einer Beckentiefe von 1,85 bis 2 Metern und als 25-Meter-Becken zu nutzen. Es ist ein separater Kinderbadebereich mit mindestens 100 Quadratmetern Wasserfläche vorzusehen. Dazu ein Spa-Bereich — mindestens 150 Quadratmeter groß.

100 Hotel-Betten, vermutlich in 50 Doppelzimmern, kann der künftige Betreiber, getrennt vom Betrieb der Schwimmhalle, im Gebäude unterbringen.

Im öffentlichen Bereich sind weiter ein Veranstaltungssaal für bis zu 200 Personen, ein Restaurant und Verkaufsbereiche für die Grundversorgung vorgesehen. Weiterhin ist die Errichtung eines medizinischen Zentrums eine Option. Die Einrichtungen sind barrierefrei auszuführen.

Lutz Werner

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