Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Damit ‘s schön warm wird: 286 324 Euro fürs Amtshaus
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Damit ‘s schön warm wird: 286 324 Euro fürs Amtshaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:59 31.08.2013
Fachsimpeln auf der Baustelle: Franz Berndt vom Bauausschuss, Minister Volker Schlotmann (SPD) und Pastor Albrecht Jax. Quelle: Klaus Walter
Bad Doberan

Der Denkmalschutz hat vieles vorgeschrieben, eine Wärmedämmung nicht: Trotzdem soll das Amtshaus in Bad Doberan nach seiner Sanierung ab Oktober 2015 mit einem Minimum an Energie auskommen. Für Wärmedämmung, LED-Beleuchtung und eine bislang einzigartige Heizungsanlage in einem Baudenkmal brachte Energieminister Volker Schlotmann (SPD) gestern einen Fördermittelbescheid bei Münsterpastor Albrecht Jax vorbei. Darin sichert die Landesregierung zu, dass sie für die „energetische Sanierung“ des Amtshauses 286 324 Euro aus Fördertöpfen der Europäischen Union nach Bad Doberan durchreicht.

„Die historische Fassade zu erhalten und dennoch ein modernes, energiesparendes Innenleben zu schaffen, das kostet Geld“, sagte Schlotmann. „Jedoch werden sich auch Baudenkmäler langfristig nur mit vertretbaren Energiekosten bewirtschaften lassen.“

Architekt Klaus Henke aus Bad Doberan und der Vorsitzendes des Bauausschusses der Kirchgemeinde, Franz Berndt, erläuterten, was auf der Baustelle vor sich geht. Der östliche Teil des Amtshauses ist derzeit vollkommen entkernt. „Hier entsteht ein Saal für 200 Gäste“, sagte Berndt. „Winterkirche, Konzerte, Veranstaltungen der Stadt — vieles wird hier möglich sein.“ Damit das Gebäude, das vor 230 Jahren auf Resten alter Fundamente errichtet wurde, die Last auch trägt, müsse das Fundament zusätzlich abgesichert werden.

„Das Gebäude steht auf einer Moordecke, das hat man damals vielleicht gar nicht gewusst“, sagte Architekt Henke. Deshalb werden mit einem neuartigen Verfahren Betonpfeiler unter dem Haus errichtet, ohne das Fundament selbst abzubauen. Das Fachwerk wird komplett ausgebaut, denn gerade die Schwellen sind zerfressen und müssen erneuert werden. Anschließend wird das Fachwerk wieder aufgebaut und mit den alten Ziegeln ausgefacht. „Die Wärmedämmung wird wie eine zweite Wand nach innen dahinter gestellt“, erklärt der Architekt.

Herzstück der „energetischen Sanierung“ wird ein völlig neues Heizungssystem sein: Ein mit Biogas betriebener Stirling-Motor erzeugt Strom, mit dem wiederum Wärmepumpen angetrieben werden. Das kleine „Blockkraftwerk“ wird die Energie für die Fußbodenheizung und das Heißwasser erzeugen, das in der Suppenküche benötigt wird. „Zusammen mit Wärmedämmung und LED-Beleuchtung ein hoch effizientes System“, sagt Architekt Henke.

Der Westteil des Gebäudes und das Obergeschoss sollen einmal die Suppenküche, das Büro der Kirchgemeinde sowie Räume für Chor, Gemeindearbeit und eine Beratungsstelle der Diakonie aufnehmen. „Bessere Arbeitsbedingungen für alle — gut, dass wir dann auch eine Beratungsstelle für soziale Probleme ins Haus bekommen“, sagt Pastor Albrecht Jax. Die Münsterverwaltung, wo Kirchgemeinde und Suppenküche jetzt zu Gast sind, werde dann sicher etwas aufatmen können, wenn sich die Platzverhältnisse im Verwaltungsgebäude wieder etwas entspannen. Und vielleicht entstehe in den jetzigen Räumen der Suppenküche ein Café, dass von behinderten und nicht behinderten Menschen gemeinsam betrieben wird.

Wichtig für Pastor Jax ist, dass die Kirchgemeinde Anteil am Baugeschehen hat. Immerhin haben allein die Gemeindemitglieder 700 000 Euro für das Drei-Millionen-Euro-Projekt aufgebracht.

Amtshaus wird „Haus der Begegnungen“
Das „Amtshaus“ wurde zwischen 1793 und 1801 durch Johann Christoph Heinrich von Seydewitz als Jagdschloss des Herzogs erbaut und diente später der herzoglichen Amtsverwaltung.

Das Gebäude ist auf den Fundamenten des Gästehauses des Klosters errichtet worden. Zuletzt war das Gebäude Arbeitsamt, danach Kreisbibliothek. Seit 13 Jahren stand es leer.

Im Zuge der Sanierung soll ein Haus der Begegnungen entstehen, das von der Gemeinde und der Stadt genutzt wird. Herzstück ist ein Saal mit Platz für 200 Personen, dazu gibt es Suppenküche, Beratungsstelle und Büros.

Klaus Walter

Anzeige