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Wirtschaft Die ersten 240 Tonnen Wintergerste sind vom Halm
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Die ersten 240 Tonnen Wintergerste sind vom Halm
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00:00 18.07.2013
Die Bauern der Ziesendorfer Landbau GbR haben mit der Ernte der Wintergerste begonnen. Fotos (2): Dietmar Lilienthal
Ziesendorf

Die Bauern der Ziesendorfer Landbau GbR waren die ersten im Altkreis Doberan: Bereits am Dienstagnachmittag holten sie 240 Tonnen Wintergerste vom Halm, gestern setzten sie die Ernte fort. Goldgelb lagert das Korn im Hof des Betriebes, wartet auf den Abtransport. „Das Getreide sieht ordentlich aus, und die Stimmung ist gut“, sagt Geschäftsführer Detlev Elgeti (58), zuständig für den Ackerbau im landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Zu den Erträgen will er noch nichts sagen. Elgeti: „Die Küken werden im Herbst gezählt.“

Die gute Stimmung hat viel mit dem Wetter zu tun. Nicht nur mit dem Sonnenschein, der auch in den kommenden Tagen Erntewetter verspricht. Auch der Regen im Mai und der kühle und feuchte Juni waren gut. „Natürlich hat der lange Winter die Wachstumsperiode um drei Wochen verkürzt“, sagt Elgeti. „Aber die typische Trockenheit im Mai blieb aus, die Bedingungen für die Gerste waren gut.“ Am Ende haben die Ziesendorfer nur drei Tage später mit der Ernte begonnen als in den letzten Jahren. Verzögerungen bei den Folgearbeiten — der Raps für 2014 kommt auf die abgeernteten Schläge — wird es kaum geben.

Die Ruhe, die Elgeti ausstrahlt, herrscht im gesamten Altkreis vor, bestätigt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Doberan, Detlef Lindemann. Obwohl es bezüglich des Erntetermins große regionale Unterschiede gibt. „Östlich der Warnow hat es schon letzte Woche den ersten Probedrusch gegeben“, erzählt Lindemann. „Das Getreide war dann aber doch zu feucht.“ Weiter westlich, in Kühlungsborn bis rüber nach Neubukow, ginge es erst in der kommenden Woche los. Rund 9000 Hektar Ackerfläche sind Lindemann zufolge im Verbandsgebiet mit Gerste bestellt. „Die Chancen, sie verlustarm zu ernten, stehen in diesem Jahr gut“, sagt der Verbandschef.

So berechtigt der Optimismus für die Ackerbauern auch ist: Milchvieh- und Schweinehalter haben derzeit nur wenig zu lachen. „Die Preise für Milch und Fleisch stimmen weiterhin nicht“, sagt Lindemann.

Und weil auch „der erste Schnitt“ im Grünland — für Heu und Anwelksilage als Futter für den kommenden Winter — nicht überall gelungen ist, werden auch die Kosten steigen, weil Futter zugekauft werden muss.

Auch die große Politik macht den Landwirten Sorgen: Zwar hat die Europäische Union über die Höhe der Agrarförderung ab 2014 endlich Ende Juni entschieden. „Planungssicherheit haben wir aber immer noch nicht“, sagt Detlev Elgeti. Grund: Zwar steht die Gesamtsumme der Fördergelder für die Bauern fest. Wie sie aufgeteilt wird, ist aber Sache der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Die Entscheidung darüber ist noch längst nicht in Sicht. Elgeti: „Und es wird wohl auch wieder Streit zwischen großen und kleinen Betrieben in Ost und West geben.“

Ziesendorfer Landbau GbR
1800 Hektar Acker und 160 Hektar Grünland bewirtschaftet die Ziesendorfer Landbau GbR.

500 Milchkühe samt Nachzucht stehen im Stall.

23 Mitarbeiter — drei in der Ausbildung — hat der Betrieb, der sich in der Region stark engagiert: Jährlich findet hier u.a. ein Feldtag statt, auf dem 250 Schüler Einblick in die Landwirtschaft erhalten.

Klaus Walter

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