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Grand Hotel stoppt alle Verhandlungen

Heiligendamm Grand Hotel stoppt alle Verhandlungen

Der neue Eigentümer in Heiligendamm, Paul Morzynski, ist enttäuscht: Doberans Politik agiere zu „einseitig“.

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Verschlossen: Über Ostern wird es zwar eine testweise Öffnung des gesamten Hotel-Areals geben — aber auch nicht länger.

Quelle: Andreas Meyer

Heiligendamm. Als Paul Morzynski im August 2013 das insolvente Grand Hotel in Heiligendamm übernahm, schien sich eine neue Liebe anzubahnen: Bad Doberan und der Investor aus Hannover — das passte. Der neue Mann an der Spitze der Luxusherberge ging auf die Stadt zu, versprach, das Hotel zu öffnen. Rathaus und Politik waren begeistert. Endlich ein Hotel-Chef, der auch an die Wünsche der Bad Doberaner dachte. Doch ein gutes halbes Jahr später ist diese Liebe deutlich abgekühlt — vor allem auf Seiten Morzynskis: Der Investor hat alle Verhandlungen mit der Stadt vorerst auf Eis gelegt. Weil Doberan zu viel auf einmal wollte — und weil die Kommunalpolitik zu „einseitig“ agiere.

Kaum war Anno August Jagdfeld nicht mehr Herr im Hotel und kaum war der „Neue“ da, legten die Stadtvertreter Morzynski ihre lange Wunschliste auf den Tisch: Der Stichweg vom Bahnhof zum Strand sollte endlich kommen, der Hotel-Park wieder für alle geöffnet und der Küstenwanderweg gebaut werden. Nun aber zieht Patrick Weber, Morzynskis Geschäftsführer vor Ort, in einem Brief an das Rathaus die Reißleine: Eine Öffnung des Hotel-Parks ist mit Morzynski im Moment nicht zu machen. Er will auf die Sperrung des Waldes für die Öffentlichkeit in diesem Jahr nicht verzichten. Und auch den Stichweg — jedenfalls die derzeit geplante Trasse an der Liegewiese vorbei — lehnt der neue Chef ab.

Das sah vor einigen Wochen noch ganz anders aus — zumindest in Sachen Hotel-Park: Ja, das Hotel brauche den Wald für seine Gäste — für ungestörte Spaziergänge, für Runden mit dem Hund. Dafür müsse das Grün aber nicht zwangsläufig gesperrt sein. Einzig ein neuer Zaun zum Hotel-Areal müsse her. Damit niemand aus dem Wald einfach in die Herberge kommt. „Reflektiere ich die aktuellen Diskussionen im Stadtrat, hege ich jedoch erheblichen Zweifel daran, dass dies gewährleistet wäre“, schreibt Weber nun. Und weiter: „Zu ,einseitig‘ wird uns vonseiten einzelner Stadtvertreter begegnet, so dass wir derzeit davon ausgehen müssen, dass wir für etwaige Zugeständnisse keinerlei Entgegenkommen auf der anderen Seite zu erwarten haben.“

Ähnlich verhalte es sich mit der Öffnung des Hotel-Geländes rund um Ostern: Morzynski habe sich in diesem Punkt zu einem „Zugeständnis hinreißen lassen“. Der entpuppe sich aber als Fehler: Mehrere Gäste hätten bereits damit gedroht, ihren Urlaub abzusagen, wenn alles offen ist. „Wir werden an der Zusage trotzdem festhalten, aber einen ,Tordienst‘ einführen“, sagt Weber. Eine Wiederholung der Aktion scheint aber schon jetzt ausgeschlossen. Zu enttäuscht sind Morzynski und Weber von Doberan. Erst wenn Verwaltung und Politik sie davon überzeugen, dass ein wirkliches „Miteinander“ möglich ist — erst dann sei das Hotel wieder zu einem „konstruktiven Diskurs“ mit der Stadt bereit.

In der Stadtvertretung und auch an der Verwaltungsspitze hat der schriftliche Warnschuss offenbar Wirkung: „Wir brauchen das Hotel. Es geht nur miteinander“, sagt Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). „Und wir müssen den neuen Eigentümern auch Zeit lassen. Sie stehen ja noch nicht einmal im Grundbuch.“ Jochen Arenz, Chef des Wirtschaftsausschusses, wirbt dafür, den Aktionismus im Seeheilbad etwas zurückzufahren: „Wir alle müssen uns mehr zurücknehmen und dem Grand Hotel Zeit geben, wir können nicht die Fehlentwicklung der vergangenen zehn Jahre in zehn Wochen korrigieren. Die Öffnung des Hotelgeländes benötigt Zeit und Verstand.“ Und Andreas Jahncke (Handwerk & Gewerbe plus) sagt: „Wir sollten uns vielleicht ein Stück zurücknehmen. Viele kleine Schritte sind manchmal besser als ein großer.“

Einzig UDI-Fraktionschef Guido Lex reagiert erstaunt auf Webers Brief: „Das ist ernüchternd und enttäuschend. Ich hatte das Gefühl, dass wir mit dem neuen Investor etwas erreichen können. Seine Reaktion löst bei mir blankes Erstaunen aus.“ Morzynski und Weber würden nun aber eine Front aufbauen, die gar nicht nötig sei: „Das Hotel kann nur Erfolg haben, wenn es auf breite Akzeptanz stößt.“

Und die gäbe es nun mal nur mit einer Öffnung. „Und auch ich wünsche mir Erfolg für das Hotel.“

Fehler wiederholen sich
Auf den ersten Blick sind die Paralellen deutlich: Als Paul Morzynski nach Heiligendamm kam, wurde er gefeiert — fast wie ein Heilsbringer. Genau so erging es knapp 15 Jahre zuvor auch Anno August Jagdfeld. Und ebenso groß wie einst an Jagdfeld waren 2013 auch die Erwartungen an Morzynski. Doch irgendwann ging Jagdfeld auf Distanz zur Stadt — und das macht nun auch Morzynski. Beleg, dass Doberan Investoren- feindlich ist? Nein, so einfach ist es nicht. Die Vorzeichen sind andere. Die Stadt will etwas von Morzynski — ist aber nicht bereit, etwas zurückzugeben. Bei Jagdfeld war es oft anders herum: Er wollte was von der Doberan (Teile der Professor- Vogel-Straße zum Beispiel) und gab kaum etwas zurück (jedenfalls nicht den Stichweg). Traurig ist, dass niemand daraus gelernt hat. Die Stadt macht die selben Fehler, die sie Jagdfeld stets angekreidet hat. Geschichte wiederholt sich nicht — aber die Fehler sehr wohl.

 



Andreas Meyer

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