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Wirtschaft Hässlicher Beton kommt weg — vor dem Marstall wird es hübsch
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Hässlicher Beton kommt weg — vor dem Marstall wird es hübsch
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03:49 07.09.2013
So hässlich sieht es auf dem vormaligen Bauhof-Gelände aus. Doch das soll sich jetzt schnell ändern.
Bad Doberan

Das langgestreckte Gebäude des einstigen Marstalls ist baulich so verhunzt, dass die historische Bausubstanz aus der Zeit um 1800 eigentlich nur zu erahnen ist. In der DDR-Zeit wurde eine Rampe aus Beton davor gebaut, die Fassade ist Flickwerk und eine lange, hässliche Fernwärmeleitung schwingt sich frei schwebend hinüber zur anderen Seite. Dort stehen weitere Flachbauten — Garagen, Lagerräume. Alles ist hoffnungslos marode. Einst hatte hier, gleich hinter dem schönen historischen Torhaus der Kloster-Anlage und gegenüber von der imposanten Ruine des Wirtschaftsgebäudes des Klosters, der städtische Bauhof sein Domizil.

Der zog vor einigen Monaten auf den Thünenhof um. Seitdem stehen die heruntergekommenen Gebäude auf dem geschichtsträchtigen Areal leer. Die Fläche dahinter wird als Parkplatz genutzt. „Das ist der letzte städtebauliche Missstand in der Kloster-Anlage, die wir seit 1995 mit einem Investitionsaufwand von 8,5 Millionen Euro schrittweise saniert haben. Und dieser letzte Missstand wird jetzt ganz schnell auch verschwinden“, kündigt Norbert Sass, der Leiter des Bauamtes im Bad Doberaner Rathaus, an. Die alten Garagen und die Beton-Rampe, die den ehemaligen Marstall entstellt, werden abgerissen. Der größte Teil der Betonfläche davor wird aufgenommen — wasserdurchlässiges Recycling-Material soll eingebaut werden, um die Fläche teilweise als Parkplatz weiter nutzen zu können.

Zwischen dem Torhaus-Marstall-Komplex und dem Wirtschaftsgebäude und dem Kornhaus soll es künftig einen gut zu laufenden Weg geben, auf dem Touristen auf dem kurzen Weg über das Wirtschaftsareal des einstigen Klosters zum Münster gelangen können.

„Das Bauvorhaben ist ausgeschrieben, am 19. September ist Submission und wir gehen davon aus, dass die Rückbauarbeiten Anfang Oktober beginnen können“, erklärt Ellen Stage, im Bauamt für die Stadtsanierung zuständig. Sie und Norbert Sass hoffen, dass die Abriss- und Rückbauarbeiten bis November beendet sein werden. „Ob wir die Arbeiten an der Grünanlage schaffen werden — das hängt natürlich davon ab, wie das Wetter im Herbst wird“, so Stage.

Das langgestreckte, historische ehemalige Marstall-Gebäude soll der Wohnungsbau- und Investitionsgesellschaft WIG übertragen werden. „Sie soll es entwickeln und etwas Schmuckes daraus machen, dass gleichermaßen zur weiteren Attraktivität der historischen Innenstadt und der Kloster-Anlage beiträgt. Denn das Areal, das wir jetzt neu gestalten, ist gewissermaßen die Brücke zwischen beiden“, sagt Sass. Er und die Expertin für die Stadtsanierung könnten sich im Marstall vieles vorstellen. „Einige für Gäste attraktive Gewerbe mit Laden-Verkauf, ein Restaurant, hochwertige Wohnungen in einem interessanten historischen Ambiente — das sind nur einige Überlegungen“, erklärt Ellen Stage.

Im Mai 2012 beschloss der Landtag in Schwerin, den Antrag des Bad Doberaner Münsters für die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco zu unterstützen. Das Antragsverfahren läuft. „Alles, was wir hier machen, kann Punkte auf dem Weg zum Welterbe-Status bringen“, weiß Sass.

Langer Weg zur Sanierung der Kloster-Anlage
8,5 Millionen Euro wurden durch die Stadt Bad Doberan und das Land Mecklenburg-Vorpommern seit 1995 in die Sanierung der historischen Kloster-Anlage neben dem Münster investiert.

1,35 Millionen Euro flossen davon allein ab 2009 in die Sanierung des Kornhauses. In der Begegnungsstätte wird erfolgreich Kinder-und Jugendarbeit gemacht.

1,2 Millionen Euro kostet die laufende Baumaßnahme, die in diesen Wochen am Kornhaus und am Wirtschaftsgebäude zu beobachten ist. Dort wird das Umfeld der beiden historischen Gebäude neu gestaltet. Die Neugestaltung des ehemaligen Bauhof-Geländes am vormaligen Marstall beginnt in Kürze. Doch der eigentliche Brocken bei der Sanierung der Kloster-Anlage kommt noch. Das große, mehrstöckige Wirtschaftsgebäude wird eine Herausforderung.

Lutz Werner

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