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Landkreis macht weiter Jagd auf illegale Ferienwohnungen

Güstrow Landkreis macht weiter Jagd auf illegale Ferienwohnungen

Auf der Sitzung des Kreisausschusses erklärt das Bauamt: Die Ferienhäuser und Ferienwohnungen in Wohngebieten sind im Visier der Behörde.

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Diese Schilder könnten bald vollständig aus allgemeinen Wohngebieten verschwinden, wenn sich die Rechtslage nicht ändert.

Quelle: dpa

Güstrow. Thomas Jenjahn setzt seine Brille auf und lauscht gespannt den Ausführungen des Bauamts. Der Vorsitzende des Ausschusses für Bau, Planung und Umwelt des Landkreises Rostock weiß: Es geht um eines der brisantesten Themen der Küstenregion seit Jahren — die Ferienhäuser und Ferienwohnungen in Wohngebieten. Die Frage ist: Bleibt ein Stück Tradition erhalten? Der ganz klare Trend: Die Untere Bauaufsichtsbehörde geht weiter gegen diese Art der Unterkünfte vor — rein rechtlich gebe es keine Alternative, erklärte der stellvertretende Landrat Wolfgang Kraatz.

Hintergrund: Das Oberverwaltungsgericht Greifswald bestätigte in einem Beschluss aus dem Jahr: 2007: Ferienhäuser und Ferienwohnungen in allgemeinen Wohngebieten sind unzulässig. Zuletzt hätten auch andere Gerichte diese Rechtsmeinung in ihren Urteilen bestätigt. In der Praxis fand diese Rechtslage jedoch über Jahrzehnte kaum Berücksichtigung.

Seit November vergangenen Jahres seien Mitarbeiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde im Landkreis unterwegs, um illegale Ferienwohnungen und Ferienhäuser aufzuspüren. In Zukunft wolle die Behörde Schritt für Schritt jedes einzelne Wohngebiet untersuchen. Zuletzt kontrollierten die Mitarbeiter in Rerik.

Jenjahn wollte wissen, mit wie vielen Verstößen insgesamt zu rechnen ist. Dazu gab es keine Auskunft des Amts — man wolle nicht spekulieren, hieß es. Bisher seien 254 Bauordnungsverfahren eingeleitet worden — 128 seien noch offen. 53 Hausbesitzer hätten erklärt, in Zukunft auf ihre Ferienwohnungen zu verzichten. Zudem seien 58 Nutzungsunterlassungserklärungen ausgesprochen worden.

Das Thema hat bereits große Wellen geschlagen — deutlich über den Landkreis hinaus. „Bei uns im Amt rufen Urlauber an. Sie wollen wissen, ob die Ferienwohnung, die sie gebucht haben, legal sei“, berichtete Jenjahn, der auch Amtsvorsteher in Neubukow/Salzhaff und Bürgermeister in Kirch Mulsow ist. „Es ist Tradition, ein Fremdenzimmer zu haben — mit dieser wird dann wohl in Zukunft gebrochen.“

Der Grünen-Politiker verwies zudem darauf, „dass kleine Dörfer diese Art der Unterkünfte zum Überleben bräuchten.“ Nach seiner Ansicht hätten viele Hausbesitzer die Einnahmen aus der Vermietung der Ferienwohnungen bei ihrer Haus-Finanzierung eingeplant.

Uwe Heinze nahm die Gemeinden in die Pflicht. Der SPD-Politiker aus Laage erklärte: „Die Gemeinden sind viel zu sorglos mit den Bebauungsplänen umgegangen. Da habe ich kein Mitleid.“ Es sei ein hausgemachtes Problem. „Die Betroffenen sollen sich an die Gemeinde wenden — das hat nichts mit dem Kreis zu tun.“

Fakt ist: Die Situation ist schwierig — einfache und schnelle Lösungen sind nicht in Sicht, da bei dieser Problematik mehrere Interessenskonflikte aufeinander prallen. Ein Ausweg wäre, in die Bebauungspläne eine so genannte „Fremdkörperfestsetzung“ zu verankern. Das dauert jedoch und ist kostspielig für die Gemeinde. Bis zu 30 000 Euro pro Wohngebiet können auf die Kommune zukommen. Und ob dies wirklich Rechtssicherheit brächte, sei nicht sicher, meinte Kraatz.

Private Ferienwohnungen im Landkreis

2000 private Ferienwohnungen gibt es nach nach Angaben der Bürgerinitiative „pro Urlauber als Nachbarn“ im Landkreis Rostock.700 Ferienwohnungen seien es allein in Kühlungsborn.
29,8 Millionen Euro Umsatz gingen laut einer Studie den Gewerbetreibenden allein im Ostseebad Kühlungsborn verloren, wenn die Ferienwohnungen wegfielen.

 



Michaela Krohn und Karsten Lehmann

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