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Wirtschaft Nach Havarie: Güstrower gehen wieder auf Kreuzfahrt Barbara und Peter Lohf haben das Unglück auf der „Costa Concordia“ überlebt. Jetzt machen sie wieder eine Schiffsreise.
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Nach Havarie: Güstrower gehen wieder auf Kreuzfahrt Barbara und Peter Lohf haben das Unglück auf der „Costa Concordia“ überlebt. Jetzt machen sie wieder eine Schiffsreise.
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01:30 23.08.2014
Die Koffer sind gepackt: Barbara und Peter Lohf gehen heute wieder auf Kreuzfahrt. Quelle: Michaela Krohn

32 Menschen sind beim Unglück der „Costa Concordia“ ums Leben gekommen. Als das Kreuzfahrtschiff im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio havarierte, waren Barbara und Peter Lohf an Bord. Die Güstrower haben das Unglück überlebt. Es war ihre erste Kreuzfahrt — und nicht die letzte. Trotz der schrecklichen Erfahrungen gehen die Rentner weiter auf Kreuzschifffahrt — heute sogar auf ein Schiff der Reederei Costa Crociere.

„Es war damals unsere Reise zur Goldenen Hochzeit“, erzählt Barbara Lohf. Dass die so enden würde, hätte sie sich im Traum nicht ausgemalt. Die schlimmen Erinnerungen an das Unglück hat das Güstrower Ehepaar verdaut — auch weil sie nach der Havarie gut versorgt wurden. „Als wir wieder zu Hause waren, bekamen wir Anrufe und Post von der Reederei. Sie fragten, ob es uns gut geht, ob wir etwas brauchen und Fragen haben“, sagt die 71-Jährige. Weil sie alles an Bord zurücklassen mussten, wurde das Ehepaar von Costa entschädigt. Dass sie heute wieder auf Reisen mit einem Schiff der Reederei gehen, ist für sie kein Problem. „Damals war es unsere erste Kreuzfahrt. Wir sind ein paar Monate später nochmal gefahren und jetzt wieder“, sagt Peter Lohf. Das sei für ihn wie mit einem Autounfall.

„Da setzt man sich auch am besten gleich wieder rein“, sagt er.

An das Unglück können sich beide noch gut erinnern. Sie waren in ihrer Kabine, als sie spürten, dass das Schiff mit etwas kollidiert sein muss. „Es krachte und wir fragten uns, was das ist“, erinnert sich Peter Lohf. Der Stewart auf dem Gang hätte versucht, das Ehepaar zu beruhigen. Doch der Rentner zögerte nicht lange, nahm die Rettungswesten und beide gingen auf das obere Deck. „Wir haben nasse Füße bekommen, hatten es aber nicht weit bis zu den Rettungsbooten“, sagt der 72-Jährige. An Bord waren auch der Bruder, die Schwägerin, Nichte und Neffe von Barbara Lohf. „Wir alle sind von Bord gekommen und hatten wenigstens richtige Kleidung an“, sagt sie. Anderen sei es schlimmer ergangen. Sie mussten in Socken und Nachthemd das Schiff verlassen. „Das war beängstigend. Einen Tag vorher waren wir in Rom und dann das“, sagt die Rentnerin. Auf der Mole haben sie stundenlang ausgeharrt, bis klar war, dass alle sechs Familienmitglieder die Insel verlassen können. „Die Rückreise nach Güstrow war anstrengend. Wir waren ja tagelang auf den Beinen, sind von Italien nach Innsbruck geflogen, von dort nach Berlin mit dem Bus gefahren und dann nach Güstrow. Ich sage mir immer, dass wir Glück hatten“, sagt sie.

Heute geht es mit der „Costa Fortuna“ von Warnemünde aus nach Kopenhagen, Stockholm und St. Petersburg. „Vielleicht ist es nicht unsere letzte Schiffsreise“, sagt Barbara Lohf, denn auf dem Wasser verreise sie am liebsten.

18 Monate lag Wrack vor italienischen Insel Giglio

32 Menschen starben bei der Havarie der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio am 13. Januar 2012.


Die „Costa Concordia“ war zum Zeitpunkt der Indienststellung das größte italienische Kreuzfahrtschiff. Es gehörte der italienischen Reederei Costa Crociere, die Teil des
britisch-US-amerikanischen und weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival Corporation & plc ist.
18 Monate lang hat das Wrack vor der Mittelmeerinsel gelegen. Am 17. September 2013 wurde es aufgerichtet und ruhte bis zum 15. Juli auf einer am Meeresboden verankerten Plattform.


Am 23. Juli 2014 wurde das Schiff nach Genua geschleppt, wo es zurzeit verschrottet wird. Inzwischen müssen Schiffe dieser Größe in Italien einen Mindestabstand von zwei Seemeilen zu Küstenregionen einhalten.



Michaela Krohn

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