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Wirtschaft Stadt zieht Notbremse: Genug Nahversorger am Kammerhof
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Stadt zieht Notbremse: Genug Nahversorger am Kammerhof
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00:05 10.05.2016
Penny und wenige Meter weiter Norma: Der Stadt sind zwei Lebensmittelmärkte an der Nienhäger Chaussee genug. Auf der Fläche neben Penny, die nicht der Stadt gehört, besteht Baurecht für ein Einzelhandelsgeschäft. Quelle: Fotos: Anja Levien

Die Flächen an der Nienhäger Chaussee sind begehrt. Nach Penny und Norma fragen weitere Investoren aus der Lebensmittelbranche bei Stadt und Landkreis an, um dort eine Filiale zu bauen. Die Stadt hat jetzt die Notbremse gezogen und eine Veränderungssperre über das B-Plangebiet Nr.11 verhängt. Heißt: Sobald die Sperre gilt, kann die Stadt unterbinden, dass etwas gebaut wird.

Nach Norma und Penny wollen sich weitere Lebensmittelmärkte an Nienhäger Chaussee ansiedeln / Stadt verhängt jetzt Sperre über Gebiet / Bau kann so unterbunden werden

„Die Probleme, die uns dieses Gebiet machen, sind nicht so neu. Es gab mehrere Anläufe, Investoren zu finden“, erläutert Stadtplanungsamtsleiter Norbert Sass. Insbesondere die Einzelhandelsunternehmen, vor allem die Lebensmittelbranche zeige Interesse und wolle dort bauen. Da der überregionale Verkehr dort vorbeiführt, seien die Flächen ein attraktiver Standort. Aber: „Für Bad Doberan ist die Versorgung des Wohngebietes von Bedeutung“, sagt Sass, gerade auch mit Blick auf die Erweiterung des Wohngebietes Kammerhof (B-Plan 12). Deshalb soll an der Nienhäger Chaussee kein Sondergebiet mit überregionalem Angebot entstehen, sondern ein Mischgebiet — also ein Mix aus Gewerbe und Wohnen. Da sich bisher nur Einzelhandelsbetriebe für die Flächen bewerben, sei das jedoch das Gegenteil, was die Gemeinde sich dort wünscht. „Die Gefahr droht, dass dort etwas entsteht, was wir nicht wollen“, sagt Sass. Im Mai 2015 hatten die Stadtvertreter bereits eine Änderung des B-Plans beschlossen. Doch der muss noch rechtskräftig geändert werden.

Und so besteht zwischen Penny und Angelladen beispielsweise Baurecht für ein Einzelhandelsgeschäft bis 800 Quadratmeter Nutzfläche. Einen positiven Bauvorentscheid für einen Lebensmittelmarkt, den der Landkreis erteilt hat, gibt es für das Areal in Richtung Stadtzentrum an der Einbiegung Nienhäger Chaussee. „Wir haben versucht, dieses Baugesuch ein Jahr nach hinten zu schieben“, erläutert Sass. Dagegen habe der Investor geklagt. Jetzt beschäftigt sich das Verwaltungsgericht Schwerin mit der Sache.

Mit der Veränderungssperre könne die Stadt auf den unbebauten Flächen, für die noch keine Baugenehmigung vorliege, Ansiedlungen unterbinden und Zeit gewinnen, den B-Plan zu ändern. „Wir haben genug Lebensmittelgeschäfte hier“, sagt Günther Lack. Der 79 Jahre alte Bad Doberaner sieht jedoch auf dem Buchenberg Bedarf. Dass dort der Edeka geschlossen hat und jetzt kein Nahversorger mehr da ist, sei ein Problem. Bruno Wendt nickt bestätigend. Auch er hält die zwei Lebensmittelmärkte an der Nienhäger Chaussee für ausreichend. „Eine Zweigstelle der Sparkasse wäre hier gut“, sagt der 79-Jährige und überlegt weiter. Eine Postfiliale würde auch fehlen, oder zumindest eine Stelle, wo Pakete abgegeben werden könnten. Rosel Döll wünscht sich ein Bekleidungsgeschäft gerade auch mit Blick auf das neue Wohngebiet.

Wie genau sich die Flächen entwickeln, soll das Einzelhandelskonzept klären, über das die Stadtvertreter im Mai entscheiden. Bewegung ist derzeit auf dem Areal neben Norma. Hier entsteht ein kleines Wohngebiet, sagt Sass.

Stadtvertreter Jochen Arenz (parteilos) befürwortet die Veränderungssperre. „Da müssen Läden hin, die für Menschen auf dem Kammerhof gut sind“, sagt er und nennt als Beispiel ein Sanitätshaus oder Blumenladen. Stephan Krauleidis (CDU) kann sich an dem Standort auch bezahlbaren Wohnraum vorstellen. Und: „Wir haben da schon eine Supermarktdichte, die reicht. Es ist wichtig, dass wir die bisherigen Standorte nicht gefährden.“ So sieht das auch Herbert Baor (Handwerk&Gewerbe plus). Die Entwicklung dürfe nicht einseitig sein, die Innenstadt nicht geschwächt werden.

Von Anja Levien

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