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Wirtschaft Wirbel um Hansa-Haus: Berliner Politik entscheidet über Verkauf
Mecklenburg Bad Doberan Wirtschaft Wirbel um Hansa-Haus: Berliner Politik entscheidet über Verkauf
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03:28 14.09.2013
Das Hansa-Haus am Weststrand von Kühlungsborn gehört zu den schönsten Gebäuden im Stil der Bäderarchitektur im Ostseebad. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Die Tore zum großen Grundstück verschlossen, das Eingangs-Portal über der Freitreppe dicht. Das Grundstück ist menschenleer, nur ein paar Blumenkübel stehen irgendwie verloren in der Gegend. Seit Donnerstag Vormittag steht das Hansa-Haus im Ortsteil West direkt am Meer — eines der schönsten Gebäude von Kühlungsborn — wieder leer. Gerüchte machen die Runde, dass Prof. Mathias Wagner, der Augenarzt aus der Nähe von Cottbus, den Kaufpreis nicht zahlen konnte und das Haus an das Land Berlin zurückfallen wird. Wagner hatte das Haus im Januar vom Liegenschaftsfonds des Landes Berlin gekauft.

Wagner reagiert genervt auf diese Gerüchte. Räumt aber ein, dass er noch nicht Eigentümer des großen Hauses ist. Und dass der einfache Beherbergungsbetrieb über den Sommer lediglich über einen zeitweiligen Nutzungsvertrag geregelt war. Der reguläre Kaufvertrag müsse noch vom Vermögensausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses bestätigt werden. Denn das Haus gehört nach wie vor der Bundeshauptstadt. Dort hätten sich über die Sommerpause gleich mehrere solcher Vorgänge angesammelt, weiß Wagner und betont: „Das Geld für den Kauf liegt bereit. Ich brauche nur noch das Okay des Abgeordnetenhauses.“

Diesen Stand der Dinge bestätigt auch Irina Dähne, die Pressesprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin. „Wir haben im Januar mit Wagner einen Kaufvertrag für das Hansa-Haus abgeschlossen, der von unserem Aufsichtsrat bestätigt wurde. Der allerdings schwebend unwirksam ist, weil der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses dazu noch nicht das letzte Wort gesprochen hat“, sagt Dähne und fügt hinzu: „Wir hoffen, dass dies bei der Sitzung des Ausschusses am kommenden Freitag positiv entschieden wird.“

Wagner hatte in der Öffentlichkeit immer davon gesprochen, dass er das Hansa-Haus gekauft hätte — und nie den Nutzungsvertrag erwähnt. „Das hätte nur zu Verwirrung geführt“, sagt er dazu. Er will in den kommenden Monaten das Hansa-Haus und das daneben liegende Schloss am Meer, das ihm ebenfalls gehört, zu einem Hotel „im deutlich gehobenen Segment“ ausbauen. Die Arbeiten im und am Schloss seien bereits weit fortgeschritten. Am Service-Telefon für das Hansa-Haus, das noch besetzt ist, war zu erfahren, dass beide Häuser im kommenden Frühjahr als gemeinsames Hotel eröffnet werden.

Wagner gehört auch die immer mehr dem Verfall preisgegebene Villa Baltic gut 200 Meter weiter. Zu seinem Vorhaben, die daneben liegende, seit 2003 geschlossene Meerwasserschwimmhalle mit einem Hotel-Geschoss wieder aufzubauen und gemeinsam mit der Villa Baltic als Luxus-Hotel zu betreiben, scheint er immer mehr auf Distanz zu gehen. „Wenn man in Kühlungsborn weiter so unfreundlich mit mir umgeht, dann können die ihre Schwimmhalle alleine bauen“, sagte er in einer verärgerten Reaktion auf die sofort hochkochenden Gerüchte um das Hansa-Haus.

Bürgermeister Rainer Karl schaut vor allem besorgt auf die Villa Baltic. „Das schönste Gebäude unserer Stadt ist bald eine Ruine. Ich erwarte, dass der Eigentümer hier seiner Verantwortung nachkommt und auch die Denkmalpflege des Landkreises nicht mehr länger wegschaut“, sagt er.

Filetstück gehört Berlin
1905 wurde das Hansa-Haus in exklusiver Lage direkt am Weststrand von Kühlungsborn gebaut — als schönes Hotel im Stil der Bäder-Architektur.

1929 erwarb es die Stadt Berlin und richtete dort ein Kindererholungsheim ein. Nach der Wende fiel das Haus an das Land Berlin zurück. Von 1996 bis 2011 betrieb es der Stadtbezirk Reinickendorf als Freizeitstätte. 2011 wurde das Haus zum Verkauf ausgeschrieben.

Lutz Werner