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Zehn Jahre Seebrücke

Kühlungsborn Zehn Jahre Seebrücke

Vor zehn Jahren wurde die Kühlungsborner Seebrücke festlich eingeweiht. Es war der erste derartige Neubau in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende ein Symbol für Aufbruch und Neubeginn.

Kühlungsborn. Ein Bauwerk, das in Kühlungsborn gleichsam zum Symbol für den Aufbruch nach der Wende und für den Beginn des Neuaufbaus des Ostseebades geriet, wird zehn Jahre alt: Am 3. Oktober 1991, am ersten Jahrestag der deutschen Einheit, wurde die Kühlungsborner Seebrücke mit einem großen Festakt eingeweiht, an dem Tausende teilnahmen. Es war damals der erste Seebrückenneubau im noch jungen Land Mecklenburg-Vorpommern. OZ sprach mit einigen Wegbereitern des Bauwerkes darüber, wie es zum Bau der Brücke kam und welchen Stellenwert sie noch heute für das Seebad hat.

Es erinnern sich u. a. Wolfgang Stange (54), heute Bauamtsleiter im Rathaus, und der Unternehmer Jürgen Kröger (47). „Sofort in der Wendezeit, noch im November 1989, entstand die Idee, dort, wo bis 1971 die alte Seebrücke von Kühlungsborn Ost gestanden hatte, einen Neubau zu realisieren. Die Küste war zu DDR-Zeiten Grenzgebiet. Nicht einmal mit einer Luftmatratze konntest du herumpaddeln, ohne misstrauisch beäugt zu werden. Privater Bootsverkehr war verboten. Eine Promenierstrecke hinaus ins Meer zu bauen, wo Schiffe anlegen können das war für uns das Symbol der neu gewonnenen Freiheit“, so Wolfgang Stange.

Bald darauf wurde ein Förderverein zum Neubau der Seebrücke gegründet. Initiator und Motor war der Senior-Geschäftsmann und Ortschronist Rudolf Bartelmann ein passionierter Sammler historischer Fotos von Kühlungsborn und in seinem langen Leben mit den einstigen Seebrücken in Arendsee und Brunshaupten (ab 1938 Kühlungsborn West und Ost) aufgewachsen. „Es gab den Aufruf für eine Spendenaktion mit vielen Initiativen. Rund 17 000 Mark kamen zusammen. Das Geld wurde dann zwar zum Brückenbau nicht benötigt, aber der Verein hat den Anstoß für die Errichtung des Bauwerkes gegeben“, so Jürgen Kröger. Das Geld wurde später teilweise dafür genutzt, mit einem Gedenkstein und einer Tafel an den Brückenbau zu erinnern, der Rest half beim Aufbau eines kleinen Stadtmuseums.

Denn inzwischen war die neue Crew im Rathaus aktiv geworden. Im Mai 1990 gab es die ersten freien Kommunalwahlen in der noch bestehenden DDR, Anfang Juni zog die Mannschaft um den neu gewählten Bürgermeister Knut Wiek er amtierte bis Ende 1994 in das Rathaus ein. „Ich bin damals losgezogen, denn in Rostock gab es jetzt eine Fördermittelstelle. Ich hatte alle möglichen Vorhaben in der Tasche: Straßen- und Gehwegebau, die Sanierung der Schwimmhalle. Das riss die Fördermittel-Vergeber nicht vom Hocker. Aber die Idee, zur Förderung der touristischen Infrastruktur am historischen Platz die erste Seebrücke im damaligen, noch bestehenden DDR-Bezirk Rostock neu zu bauen“, blickt Knut Wiek zurück. Mit dem Hamburger Planer Bernd Opfermann, der Kühlungsborn bis heute treu geblieben und derzeit im Yachthafen aktiv ist, wurde zuvor ein Architekt gefunden, der eine förderfähige Vorplanung zum Nulltarif lieferte. Ein 80-prozentige Förderung für den 240 Meter langen Zwei-Millionen-Mark-Bau sprang schließlich heraus, im Oktober 1990 begannen die Arbeiten vor Ort.

Mittlerweile wird in unmittelbarer Nähe der Seebrücke der große Kühlungsborner Yachthafen gebaut. Spötter sagen inzwischen, dass sie eigentlich nur ein großer Angelsteg geworden ist, denn ein regelmäßiger Verkehr mit einem Ausflugsschiff kam erst nach etlichen Fehlversuchen vor zwei Jahren zustande. Es gibt kühne Visionen, die Brücke zu verlängern und zu bebauen (OZ berichtete).

Dennoch: Die architektonisch eher bescheidene Kühlungsborner Seebrücke ist bei jedem Wetter ein Anziehungspunkt für Spaziergänger geworden eine 240 Meter ins Meer führende interessante Verlängerung der Strandpromenade.



LUTZ WERNER

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