Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen 111 Jahre Ingenieursausbildung in Mecklenburg
Mecklenburg Grevesmühlen 111 Jahre Ingenieursausbildung in Mecklenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:29 24.03.2019
Studenten der Wismarer Ingenieur-Akademie um 1928 Quelle: Sammlung Detlef Schmidt
Wismar

Ingenieure werden zurzeit in vielen Branchen händeringend gesucht. Die Ausbildung hat in Mecklenburg eine lange Tradition – mittlerweile ist sie 111 Jahre alt. Denn als 1969 die Hochschule Wismar gegründet wurde, hatte es in der Hansestadt bereits eine 60-jährige Tradition der Ingenieursausbildung gegeben. Schon am 30. Dezember 1907 stellte der 1850 in Büchen (Herzogtum Lauenburg) geborene Architekt Robert Schmidt einen Antrag an den Wismarer Rat zur Gründung einer Höheren Polytechnischen Lehranstalt mit der bis dahin noch nirgendwo bestehenden Bezeichnung „Ingenieur-Akademie“. Die Stadt mit ihrem industriellen Kern wählte er bewusst aus, da es in Mecklenburg eine derartige Lehreinrichtung noch nicht gab und gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht wurden.

Am Anfang: drei Dozenten und 13 Studenten

Am 9. Mai 1908 wurde der Gründungsvertrag zwischen Robert Schmidt und dem Wismarer Rat geschlossen. Einige Monate später, am 25. Oktober, nahm die neue Ingenieur-Akademie mit drei Dozenten und 13 Studenten in den Lehrrichtungen Maschinenbau und Bauingenieurwesen ihren Betrieb auf. Gründungsort war die 1855 erbaute ehemalige Mädchenvolksschule auf dem Heiligen-Geist-Hof. Der Rat der Stadt Wismar hatte sie zur Verfügung gestellt. Daraus wurde eine Mecklenburger Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

Schulgründer Robert Schmidt (1850-1928) Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Nach Recherchen des Stadtchronisten Detlef Schmidt ging die Entwicklung der Ingenieur-Akademie schnell voran. Ausgebildet wurden Architekten, Bauingenieure sowie Maschinen- und Elektroingenieure für die industrielle Praxis und das Kommunalwesen. Im Wintersemester 1910 wurden 115 Studenten unterrichtet, im Jahr 1913 schon 202. Am 14. November 1910 wurde der erste Bereich des neuen Laboratoriums für Maschinenbau übergeben. Endgültig fertiggestellt war es 1913. Die sich entwickelnde Industrie- und Elektrotechnik, der Fahrzeug- und Motorenbau boten viele Anregungen für die Ausbildung der Studenten. Der Gründer Robert Schmidt schrieb über sein Konzept: „Wahre Bildung, welche wir durch das technische Studium vermitteln wollen, ist Einsicht in den wirklichen Zusammenhang der Dinge . . .“ Finanziert hatte er seine neue Akademie, die über die Abteilungen Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik verfügte, aus eigenen und verwandtschaftlichen Mitteln. Schmidt war sowohl Direktor als auch Fachlehrer.

Siamesischer Prinz hat an der Ostseeküste studiert

Am stärksten frequentiert war 1914 die Abteilung Maschinenbau mit 70 Studenten, gefolgt von der Abteilung Elektrotechnik und der Abteilung Bauingenieurwesen mit je 63 Studenten. So schrieben es Matthias Schubert und Reno Stutz in ihrem Jubiläumsbuch „100 Jahre – Von der Ingenieur-Akademie Wismar zur Hochschule Wismar“. Darin steht auch: Zu den „prominenten“ Studenten der ersten Jahre gehörte der siamesische Prinz Suk Praroph, der 1909 als Achtzehnjähriger aus Bangkok nach Wismar kam und bei der Familie Schmidt in Kost und Logis wohnte, bis er nach Absolvierung der Akademie, an der er auch die deutsche Sprache erlernte, 1912 nach Karlsruhe zum weiteren Studium an der dortigen Technischen Hochschule weiterzog.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges stieg die Zahl der ausländischen Studenten auf 96, im Winter 1913/14 waren es sogar 98, davon 38 russische Staatsbürger, das waren 19 Prozent aller Studierenden.

Der Gründer

Robert Louis Adolph Schmidt wurde am 2. März 1850 in Büchen-Pötrau im Herzogtum Sachsen-Lauenburg geboren. Von 1874 bis 1877 studierte er an den Technischen Hochschulen Darmstadt und München. 1877 erfolgte sein Wechsel an die Technische Hochschule Wien. Nach dem Studium der Fächer Architektur, antike Baukunst und Bauingenieurwesen machte er dort seinen Abschluss.

1883 fungierte der Vater von vier Kindern als Fachlehrer an der Königlichen Baugewerkschule in Erfurt. 1886 erforschte Schmidt im preußischen Regierungsauftrag Architektur- und Kunstdenkmäler in Schleswig-Holstein. Im Oktober 1887 gründete Robert Schmidt in Zerbst mit Unterstützung der Regierung des Herzogtums Anhalt und der Stadt die private „Anhaltische Bauschule“. Diese verkaufte er 1899 an die Stadt.

Stadt übernimmt 1922 die Akademie

1922 übernahm die Stadt die bis dahin privat geführte Ingenieur-Akademie. Die Aufsicht erfolgte durch ein gewähltes Kuratorium. Ein Jahr später ging Gründungsvater Robert Schmidt im Alter von 74 Jahren in den Ruhestand. Er starb am 28. Juli 1928. Er fand seine letzte Ruhe in der Familiengrabstätte auf dem denkmalgeschützten Friedhof am südlichen Rand der Hansestadt.

1934 war die räumliche Situation der Studierenden derart beengt, dass die Stadt nach neuen Möglichkeiten suchte. Sie fand sie im seit Jahren zweckentfremdet als Speicher genutzten Zeughaus. Zum Wintersemester 1935 konnten die Studenten der „Ingenieur-Akademie der Seestadt Wismar“, so der damalige Name, in ihr neues Domizil einziehen. 1939 erhielt sie den Namen „Ingenieurschule Wismar“.

Blick in einen alten Unterrichtsraum Quelle: Hochschule Wismar

Wiedereröffnung erfolgt im Oktober 1945

Der Zweite Weltkrieg stoppte die bis dahin gute Entwicklung der Akademie. Laut dem Buch „Wismarer Beiträge“, herausgegeben vom Stadtarchiv, wurde unter dem Druck der Rüstungskonzerne die Architekten- und Bauingenieurausbildung an die Ingenieurschule Neustrelitz verlegt. In Wismar erfolgte eine Spezialisierung auf Leichtmetalltechnik und Motorenbau sowie Elektro- und Nachrichtentechnik – entsprechend den Bedürfnissen der Flugzeugindustrie. Zum Kriegsende kam der Unterricht allerdings ganz zum Erliegen. Am 9. August 1945 erteilte die sowjetische Militäradministration den Befehl zur Vorbereitung für die Wiedereröffnung der Ingenieurschule. Am 15. Oktober 1945 wurde der Lehrbetrieb an der Wismarer Ingenieurschule wieder aufgenommen – unter der neuen Bezeichnung „Staatliche Bau- und Ingenieurschule“. Zum Direktor wurde der Architekt Georg Münter berufen.

Zu Beginn des Jahres 1946 musste der Lehrbetrieb noch einmal unterbrochen werden, damit innerhalb von acht Monaten 240 neue Lehrer für die allgemeinbildenen Schulen auszubilden. Der erste reguläre Lehrbetrieb wurde zum Wintersemester 1946/47 mit 265 Studenten und 17 Dozenten für das erste bis dritte Semester eröffnet. Die ersten Absolventen verließen 1948 die Ingenieurschule.

Aufbau der maritimen Industrie zu DDR-Zeiten

Durch den Aufbau der maritimen Industrie und der Mechanisierung der Landwirtschaft ergab sich eine neue Ausrichtung – für den Schiffbau (1948), Schiffsmaschinentechnik (1950) und Landmaschinenbau (1949-1952). Nachdem 1965 das Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem beschlossen und ein Jahr später das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen gebildet wurde, wurde dem 1967 auch die Ingenieurschule für Bauwesen Wismar unterstellt.

1969 wurde aus der Einrichtung dann eine Hochschule. Zeitgleich nahmen in der Deutschen Demokratischen Republik weitere neun Ingenieurhochschulen ihre Arbeit auf. Den Leitgedanken formulierte das zuständige Ministerium so: „Die Ingenieurhochschulen sind technische Hochschulen, die die spezifische Aufgabe haben, produktionsorientierte wissenschaftliche Kader heranzubilden, die für die Vorbereitung und Durchführung der Produktion, für die Gestaltung und Beherrschung technologischer Prozesse und für die Überführung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Produktion eingesetzt werden können.“

Ein wichtiger Ausbildungsteil ist die Seefahrt

Am 1. Oktober 1992 wurde die Hochschule Wismar, Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung gegründet. Vor Ort bestanden seinerzeit bereits die Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Informatik, Maschinenbau/Verfahrens- und Umwelttechnik sowie Wirtschaft. Hinzu kamen die Fachbereiche Seefahrt in Rostock-Warnemünde und Design/Innenarchitektur.

Die Schifffahrt spielt ab 1948 eine wichtige Rolle in der Ausbildung. Quelle: Hochschule Wismar

Ein wichtiger Teil der Fakultät für Ingenieurwissenschaften ist der Bereich Seefahrt. Dieser wurde 1992 als Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar gegründet und befindet sich noch heute am traditionellen Standort Rostock-Warnemünde. Dieser Bereich setzt die Tradition maritimer Ausbildung fort, die 1846 mit der Gründung der „Großherzoglichen Navigationsschule“ in Wustrow auf dem Fischland begann. Das markante Gebäude des Maritimen Simulationszentrums ist als Trainings- und Forschungsstätte nicht nur das größte und modernste Labor des Bereiches, es symbolisiert laut Hochschule auch die hochwertige Qualität der Ausbildung der rund 400 Studenten an diesem Standort.

Das erste Seebad Deutschlands, Heiligendamm war über 50 Jahre lang Sitz der 1949 gegründeten „Fachschule für angewandte Kunst“. Sie wurde 1992 mit dem Status eines Fachbereiches (Design/Innenarchitektur) der Hochschule Wismar angeschlossen und zog im Sommer 2000 in einen Neubau auf dem Wismarer Campus.

Kerstin Schröder

Für jeweils einen Monat im Herbst und im Frühjahr sind die Gartenfeuer in einigen Kommunen wie Grevesmühlen erlaubt, allerdings mit Einschränkungen.

24.03.2019

1832,12 Euro pro Person – so viel müssen AWO-Heimbewohner in Grevesmühlen seit Februar pro Monat zahlen. Das ist mehr als 500 Euro teurer als zuvor. Fast die Hälfte der Heimbewohner wird jetzt vom Sozialamt oder den Kindern abhängig.

24.03.2019

Wissenschaft für jeden zugänglich, das ist der Hintergrund der „Langen Nacht der Wissenschaft“ am Dienstag im Gymnasium Grevesmühlen. 18 Uhr geht es los, zahlreiche spannende Vorträge stehen zur Auswahl.

23.03.2019