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18,2 Millionen Euro für Pilz fressende Pilze

Wismar 18,2 Millionen Euro für Pilz fressende Pilze

Erster Spatenstich für neue Produktionshalle im Gewerbegebiet Redentin. Bayer AG und das Land investieren.

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So soll das neue Produktionsgebäude in Wismar-Redentin aussehen. Grafik: Ziebell und Partner

Wismar. Pilze sind sensibel. Um zu wachsen, brauchen sie ganz bestimmte Temperaturen und eine ganz bestimmte Luftfeuchtigkeit. Das gilt für Steinpilz, Pfifferling und Co. — und das gilt auch für ihre winzigen Verwandten, die Mikropilze. In einer neuen Produktionsanlage in Wismar-Redentin sollen sie ideale Lebensbedingungen vorfinden. Gestern war Spatenstich.

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Wir haben in der alten Produktion oft Praktika für Studierende angeboten. Einer unserer Absolventen ist jetzt hier tätig.“ Wolfgang Pfeiffer, Dozent für Verfahrens- und Umwelttechnik, Hochschule Wismar

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Die Besonderheit der dort gezüchteten Pilze: Sie fressen ihre für Pflanzen schädlichen Artgenossen. Entsprechend begehrt ist der von Agrarwissenschaftler Peter Lüth und seinem Team in Malchow auf Poel entwickelte biologische Pflanzenschutz bei Landwirten. Um die Nachfrage zu befriedigen, reicht die bisherige Produktionsstätte nicht mehr aus. Jetzt wird im Gewerbegebiet Redentin neu gebaut.

Der Bauherr, die Bayer CropScience Biologics GmbH, investiert 18,2 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionsanlage sowie in ein neues Haus für Forschung und Entwicklung. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert den Bau mit 4,4 Millionen Euro.

Stefan Rudolph, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus, bezeichnete den Neubau als „klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern“. Lüth und seine Leute hätten „ein international wettbewerbsfähiges Produkt entwickelt, das durch Bayer zu hochwertigen Arbeitsplätzen im Land führen wird“, so der Staatssekretär. 30 Männer und Frauen stehen bei dem Unternehmen bereits in Lohn und Brot, etwa 35 neue Arbeitsplätze werden hinzukommen.

Dr. Peter Lüth, mittlerweile Geschäftsführer von Bayer CropScience Biologics, nannte den Spatenstich „einen Höhepunkt unserer Arbeit“ und „ein Stück Verwirklichung einer Vision“. Die lautet: Weniger Chemie auf den Feldern. Er betonte: „Unsere Mitarbeiter sind stolz auf ihre Innovationen und patentierten Technologien.“ Und er ist sicher, dass in dem neuen Forschungsgebäude weitere biologische Pflanzenschutzmittel entwickelt werden.

Ihr Einsatz sei ein in die Zukunft weisender Weg, um die landwirtschaftliche Produktivität nachhaltig zu erhöhen, war sich Bernd Naaf sicher. „Wir haben bereits große Pläne, wie wir die Produkte aus Wismar weltweit auf den Markt bringen wollen“, erklärte das Vorstandsmitglied von Bayer CropScience.

In 15 Monaten soll die etwa 4400 Quadratmeter große Produktionshalle fertig sein, in der zwei Arten von Pflanzenschutz-Pilzen gezüchtet werden. Ein zweites Gebäude entsteht auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Lukaswiese — 1600 Quadratmeter Nutzfläche für die Forschung und Entwicklung weiterer biologischer Pflanzenschutzmittel.

„Was hier heute passiert, kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, sagte Thomas Beyer (SPD) über den Baubeginn. Damit zeige sich, dass Wismar nicht nur Schiffs- und Holzwirtschaft, sondern auch ein innovatives Unternehmen beherberge, das zudem seinen Ursprung in der Region habe, lobte der Bürgermeister. Nordwestmecklenburgs amtierender Landrat Gerhard Rappen (CDU) bewundert, „dass Peter Lüth schon sehr früh das Potenzial der Mikropilze für den Pflanzenschutz erkannt und Geldgeber gefunden hat, seine Ideen umzusetzen.“ Jetzt einen Großkonzern wie Bayer mit im Boot zu haben, bedeute auch eine Stabilität über Jahre.

Eine Überraschung hatte Peter Lüth für seine Mitarbeiterin Hannelore Simonowski. Sie arbeitet seit 22 Jahren bei ihm in der Qualitätskontrolle. Am Sonntag hatte sie ihren 60. Geburtstag — gestern gab‘s Blumen und den Beifall aller Festgäste beim ersten Spatenstich.

Schutz mit Patent
Seit 22 Jahren erforscht und entwickelt Agrarwissenschaftler Peter Lüth Pflanzenschutzmittel aus Sporen bildenden Mikroorganismen, aus Pilzen.
Neu an der Methode, die er mit seinem Team entwickelt hat, ist die Festbettfermentation. Dabei werden die Mikropilze nicht in Flüssigkeit gezüchtet, sondern auf einem festem Untergrund.
Knifflig an der Sache war laut Wolfgang Pfeiffer, Dozent für Verfahrenstechnik und Umwelt an der Hochschule Wismar, unter sterilen Bedingungen ein Klima zu schaffen, das die Pilze wachsen lässt. „Sie veratmen Wärme, doch wenn es zu warm ist, wachsen sie nicht mehr“, erklärte Pfeiffer. Er und seine Studenten halfen mit, eine Methode zu entwickeln, die die Raumtemperatur konstant hielt.
Dieses Verfahren und die Pflanzenschutz-Pilze sind patentiert. Das umweltschonende Mittel zur Pilzbekämpfung ist weltweit im Einsatz.
Die Bayer CropScience AG übernimmt 2013 das Unternehmen von Peter Lüth. „Prophyta“ hatte sich mit seinen biologischen Pflanzenschutzmitteln einen Namen gemacht und brauchte einen leistungsfähigen Partner.

 



Sylvia Kartheuser

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