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Grevesmühlen 22 Jahre Einsatz für Damshagen
Mecklenburg Grevesmühlen 22 Jahre Einsatz für Damshagen
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00:06 13.04.2018
Damshagens Bürgermeisterin Mandy Krüger dankt Helmut Oldenburg für seine langjährige Arbeit als Gemeindevertreter. Quelle: Foto: Malte Behnk
Damshagen

Rosige Zeiten, Momente des Aufschwungs, aber auch Rückschläge hat Helmut Oldenburg (81) als Kommunalpolitiker in Damshagen erlebt. Am Mittwochabend hat er zum letzten Mal als Gemeindevertreter an einer Sitzung teilgenommen. Aus gesundheitlichen und familiären Gründen legt er sein Mandat nieder.

Oldenburgs Nachfolger

Gemeindevertretung: Auf der Liste der Linken ist Andreas Koralewski als Damshagener Gemeindevertreter nachgerückt.

Zweiter Stellvertreter der Bürgermeisterin Mandy Krüger (ptl.): Die Gemeindevertretung wählte Simone Oldenburg (Fraktion Die Linke) Hauptausschuss:

Simone Oldenburg Sozialausschuss:

Andreas Koralewski

Zurückblickend hat Oldenburg in Damshagen viel erlebt. Ursprünglich kam er aus Dassow, wo er schon Abgeordneter im Stadtparlament war. Die Gemeinde Damshagen entwickelte sich aber kaum und es wurde auf Ebene des Kreises beschlossen, dass Helmut Oldenburg dorthin umziehen soll. „Ich bin ab 1968 darauf vorbereitet worden. Dazu habe ich einen Bürgermeister-Lehrgang in Nienhagen bei Rostock gemacht und dann habe ich beim Kreis alle Unterlagen und Protokolle über Damshagen durchgearbeitet“, sagt Helmut Oldenburg, der ab dem 1. Januar 1969 Bürgermeister von Damshagen war. „Es gab ganz großen Nachholbedarf“, sagt er. „Es gab keine Fußwege und keine Straßenbeleuchtung. Der Kindergarten war nur ein provisorisch eingerichteter Raum in der LPG, genau wie der Konsum“, erinnert er sich.

Der Konsum war sein erstes Projekt. Die Verkaufsstelle zog in ein Haus an der Hauptstraße in Damshagen. „Nach der Wende hab ich es 2001 gekauft. Ich wollte, dass dort weiter ein Tante-Emma-Laden ist – da bin ich heute noch ein Fan von“, sagt der 81-Jährige. Doch es fand sich kein Betreiber für den Laden, der inzwischen zu Wohnungen umgewandelt ist.

Als zweites großes Projekt ging Oldenburg als Bürgermeister die Kinderbetreuung an. „Es gab sehr viel Enthusiasmus bei den Eltern“, sagt der langjährige Kommunalpolitiker. In Einsätzen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) wurde die Baugrube für die noch heute bestehende Kita am Waldweg ausgeschachtet. „Das ganze Fundament haben wir mit Feldsteinen gebaut, weil Beton knapp war“, sagt Oldenburg. Jedes Wochenende hätten Einwohner an der Kita gearbeitet. Als Lohn habe es ein Bier und eine Bockwurst gegeben. „Die Maurerarbeiten hat dann die LPG gemacht“, sagt Oldenburg. „Für die ganzen NAW-Einsätze sind wir und auch Kalkhorst oft ausgezeichnet worden.“

Nach dem Aufbau von Konsum und Kita ging es in Damshagen weiter bergauf. „Zwischen 1970 und 1980 wurden etwa 30 Eigenheime gebaut. Zum Ende waren 99 Prozent des Wohnraums modern“, so Oldenburg. Geld zur Umsetzung von Projekten kam häufig aus kommunalen Verträgen, die die Gemeinde mit Betrieben geschlossen hatte. „Wir haben ihnen für Mitarbeiter Ferienwohnungen oder Bungalows im Ort vermittelt, dafür haben sie gezahlt“, sagt Helmut Oldenburg.

In anderen Fällen half der Zufall. „1978 kam eine Anfrage, ob wir innerhalb von zwei Tagen Straßen zur Asphaltierung vorbereiten könnten“, berichtet der Damshagener. In Schattin, wo eigentlich gearbeitet werden sollte, waren solche Vorbereitungen nämlich nicht rechtzeitig erledigt worden. Mit dem Einsatz der Einwohner konnten die Anforderungen erfüllt werden, so dass die Gemeinde Damshagen die erste asphaltierte Dorfstraße in der Region erhielt.

Einen Arzt und eine Zahnärztin siedelte Oldenburg in Damshagen an und es gab sogar eine Mosterei, die pro Jahr 800 Tonnen Obst verarbeitet hat. „Es gab die Vorgabe, Produkte der Region zu verarbeiten“, berichtet Oldenburg. Die Gemeinde baute bei der Turnhalle die Mosterei und schnell wuchs der Betrieb. „Das ist uns als Gemeinde dann etwas über den Kopf gewachsen und die Mosterei wurde an die BHG verkauft. Nach der Wende wollte aber niemand die Mosterei übernehmen.“

1980 endete Helmut Oldenburgs Amtszeit als Bürgermeister in Damshagen. Er wurde Chef der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) in Grevesmühlen, die er auch noch nach der Wende in anderer Form bis 1997 leitete. Erst 2008 kehrte Oldenburg wieder in Damshagens Kommunalpolitik zurück. „Ich habe dann bei meiner ersten Wahl so viele Stimmen erhalten, ich hätte wieder Bürgermeister sein können“, sagt Oldenburg, der die Aufgabe aber anderen überließ, während er weiter als Gemeindevertreter arbeitete. Dabei erlebte er auch Rückschläge. „Die Schließung der Schule war ein schwarzer Tag für mich.

Jetzt ist sie weg, aber wir haben den Klotz immer noch am Bein“, sagt er und hofft, dass die leer stehenden Gebäude bald verkauft werden. Eine 2009 diskutierte Schließung der Kita habe er verhindern können.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Gemeindevertretung interessiert sich Helmut Oldenburg weiter für die Politik in Damshagen und in der Welt. „Ich wünsche mir, dass hier alle zielstrebig arbeiten und sich alles gut entwickelt“, sagt er.

Malte Behnk

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