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Grevesmühlen Abiturienten im Prüfungsstress?
Mecklenburg Grevesmühlen Abiturienten im Prüfungsstress?
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00:05 06.06.2017
Ich habe mein Bestes in den schriftlichen Prüfungen gegeben, ich habe mir eine Auszeit verdient.Tim Hinkelmann (18)
Grevesmühlen

Die schriftlichen Prüfungen der Abiturienten in MV sind beendet, in knapp einer Woche erfahren die 4864 Schüler und Schülerinnen, die landesweit an den Gymnasien und Fachgymnasien geprüft werden, welche mündlichen Examen sie ablegen müssen. Die schriftlichen Prüfungen endeten am 23. Mai und hatten einen Monat zuvor begonnen.

Zwischen schriftlichen und mündlichen Prüfungen nutzen die Jugendlichen die Zeit zum Erholen

Jede Menge Freizeit, so sieht es jedenfalls von außen aus, haben die Abiturienten während dieser Prüfungszeit. Wie die Schüler des Grevesmühlener Tannenberg- Gymnasiums das empfinden, das hat die Redaktion in den vergangenen Tagen recherchiert. Das Ergebnis: Mit „links“ ist das Abi jedenfalls nicht zu absolvieren.

Die Schulleiterin Andrea Großmann zieht nach den schriftlichen und vor den mündlichen Examen eine durchwachsene Bilanz: „Im Großen und Ganzen waren alle Beteiligten, egal auf welcher Seite der Abiturklausuren, mit den Themen zu frieden. Die Aufgaben gaben den Abiturienten gute Chancen, ihr Wissen und Können anzuwenden, wenn die zurückliegenden Schuljahre gut genutzt wurden.Traditionell wird es mit der Verkündung der schriftlichen Ergebnisse unterschiedliche Gefühle geben. Es bleibt spannend.“

Der 19-jährige Jakob Romer steckt mitten in den Abi-Prüfungen. Er spielt neben der Schule auch noch E-Bass in der Band „Evenflow“. Sein Fazit der Prüfungen: „Allgemein wissen die Schüler, worauf sie sich einlassen. Was nicht immer heißen muss, dass man zufrieden ist. Die meisten sind einfach froh, dass sie die Prüfungen hinter sich haben.“

Die spannende Frage ist allerdings, wie die Ergebnisse seiner schriftlichen Arbeiten ausgefallen sind. „Falls eine Prüfung schiefgegangen sein sollte, kann ich in einer mündlichen Nachprüfung die Note ausbessern.“ Allerdings erfährt er das erst am 9. Juni. Dann liegen die Prüfungsergebnisse vor.

Am 13. Juni werden die Prüfungstermine für die mündlichen Prüfungen in den verschiedenen Fächern bekannt gegeben. Bis dahin genießt Jakob Romer die Freizeit mit seinen Freunden. Allerdings gehören regelmäßige Lernrunden für Jakob dazu. „So kann ich mich schon mal vorbereiten und hinterher trotzdem noch mit meinen Freunden feiern gehen oder einfach nur chillen.“

Das erste Album der Band „Evenflow“ („Rise up!“) beansprucht auch einen großen Teil seiner Freizeit. So liefen vor einigen Wochen noch die Aufnahmen. „Jetzt kommen noch andere Sachen auf uns zu. Wir müssen unter anderem die Gestaltung des Covers miteinander besprechen“, erklärt der Musiker. Und eine Anmeldung bei der GEMA steht auch noch auf dem Plan. „All diese Dinge müssen nebenbei geregelt werden. Von daher bin ich froh über diese Auszeit.“

Auch Tim Hinkelmann (18) aus Grevesmühlen nutzt den Großteil seiner Zeit zwischen den Prüfungen, um sich mit seinen Freunden zu treffen und sich vom Schulstress zu erholen. „Bevor die mündlichen Prüfungen losgehen, will ich die Zeit nutzen um nochmal mit meinen Cousins feiern zu gehen.“

Besonders belastend fand der Grevesmühlener die langen Zeiträume, in denen die Abiturprüfungen geschrieben wurden. Da könne eine mündliche Prüfung nicht mehr so schlimm sein. „Ich denke, dass ich mein Bestes gegeben habe und jetzt auch mal eine Pause verdient habe“, sagt der Schüler.

Aus diesem Grund will er nach dem Abitur mit einem Freund zusammen nach Neuseeland. Dort wollen sie ein Jahr lang das Land erkunden und die Leute kennenlernen. Das Startkapital hat Tim gespart, den Rest der Reise wollen er und sein Begleiter durch Gelegenheitsjobs finanzieren. Eine Menge Abiturienten nutzen diese Möglichkeit, ab Juli trampen zahlreiche junge Europäer durch Australien und Neuseeland. Das Auslandsjahr gibt dem 18-Jährigen die Möglichkeit, seine Zukunft zu planen. „Es gibt so viel, was ich machen könnte, allerdings weiß ich nicht, was ich machen will.“

Ganz im Gegensatz zu Jakob Romer. Der will nach dem Abitur nach Leipzig ziehen und dort ein freiwilliges soziales Jahr in einer Musikschule absolvieren. Im Anschluss möchte er in Leipzig Musik studieren. Auch Philipp Smylla, ebenfalls Abiturient in Grevesmühlen, plant ein Studium in Leipzig und eine gemeinsame WG mit Jakob Romer. Sobald die Ausschreibungen für das Wintersemester beginnen, will der 18-Jährige sich für Philosophie einschreiben. „Auch wenn ich keine besonderen beruflichen Aussichten habe, will ich trotzdem Philosophie studieren.“ Dieses Fach hätte schon immer eine Faszination auf ihn ausgeübt. „Hinterher kann ich ja noch was Richtiges lernen. Aber nach langer Überlegung konnte ich mich einfach nicht durchringen, die Philosophie links liegen zu lassen.“

Um sich nach dem Studium beruflich zu orientieren, plant Smylla einen ungefähr einjährigen Zeitraum mit „work and travel“ in Deutschland. Der Kerngedanke liegt darin, die wichtigsten deutschen Städte und Regionen besser kennenzulernen und zur Finanzierung des Trips einige Jobs oder vielleicht auch längerfristige Arbeitsplätze anzunehmen. „Wer weiß, ob ich diesen Plan nach dem Studium überhaupt noch verfolgen werde.“

Grevesmühlener Schulleitung erläutert das Prüfungssystem laut Abiturprüfungsverordnung

In Mecklenburg-Vorpommern und damit auch am Gymnasium „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen muss jeder Schüler fünf Prüfungen ablegen. Davon sind vier Prüfungen schriftlich und mindestens eine Prüfung mündlich abzulegen. Falls die vier schriftlichen Prüfungen in Deutsch, Geschichte, Englisch und Mathematik abgelegt wurden, so mussten alle vier Prüfungen innerhalb von acht Wochentagen geschrieben werden.

Statt Noten werden in der gymnasialen Oberstufe Punkte im Bereich von 0 bis 15 erteilt. Dabei entsprechen 0 Punkte einer 6, 1 bis 3 Punkte einer 5, 4 bis 6 Punkte einer 4 und so weiter. Die fünf Prüfungsergebnisse werden summiert und vervierfacht. Das entstehende Produkt muss 100 Punkte übersteigen, um das Abitur zu bestehen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass je 5 Punkte in jeder Prüfung erreicht werden müssen, was als normale Note einer glatten Vier entspricht. Es ist allerdings möglich, eine misslungene Prüfung durch eine mündliche Nachprüfung oder durch höhere Punktzahlen in anderen Prüfungen auszugleichen. So sind zwei Prüfungen mit unter 5 Punkten erlaubt, solange insgesamt die 100 Punkte erreicht werden. Eine Nachprüfung kann entweder rechtzeitig angemeldet werden oder sie wird durch die Prüfungskommission der Schule angeordnet. Zwischen dem 25. April und dem 23. Mai wurden die schriftlichen Prüfungen abgelegt. Die Vorbereitungsstunden für die mündlichen Prüfungen finden zwischen dem 24. Mai und dem 15. Juni statt. Am 9. Juni werden die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen bekannt gegeben. Die mündlichen Prüfungen beginnen am 16. Juni. und am 8.

Juli findet dann die feierliche Schulentlassung und die Zeugnisübergabe statt.

Maximilian Schütz

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