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Abschied nach 25 Jahren

Grevesmühlen Abschied nach 25 Jahren

Grevesmühlens evangelischer Pastor Wolfgang Heinrich wurde gestern offiziell verabschiedet. Die Nachfolge auf der Pastorenstelle ist noch ungeklärt.

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Pastor Wolfgang Heinrich (63) dankte zum Abschied der Kirchgemeinde für die „wunderschönen Jahre“.

Quelle: Robert Niemeyer

Grevesmühlen. „Hallo, ist hier jemand?“ Die Postfrau blickt durch das Fenster des Pfarrhauses und winkt mit einem Stapel Briefe. „Kann ich die hier abgeben?“ Kein Problem. Wolfgang Heinrich beugt sich lächelnd durch das Fenster und nimmt die Post entgegen. „Einen schönen Tag noch.“

Dann setzt er sich wieder an den kleinen Tisch im Amtszimmer des Grevesmühlener Pfarrhauses und versucht die Gedanken zu sortieren. „Was ich meinem Nachfolger mit auf den Weg geben möchte? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Nur soviel: Er beziehungsweise sie sollte den Weg finden in die Gemeinde.“

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„Pastor sein ist nicht nur ein Job, es war eine Berufung.“ Wolfgang Heinrich (63)

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Wolfgang Heinrich hört auf. Gestern gab der 63-Jährige seinen Abschiedsgottesdienst in der Nikolai-Kirche. 25 Dienstjahre hat er in Grevesmühlen hinter sich. In wenigen Tagen zieht er mit seiner Frau in das neue Haus nach Schwerin. „Aufbrechen, unterwegs sein, ankommen.“ Das beschreibt die momentane Situation. Der Aufbruch aus dem Pastorendienst in den Ruhestand nach Schwerin ist ein Stück „unterwegs sein“.

Wie viel Wehmut ist in den letzten Tagen auf der Pfarrstelle dabei? Er lächelt durch seinen weißen Bart. „Seltsamerweise überhaupt nichts.“ Vielleicht kommt es noch, vielleicht auch nicht. Denn im Moment hat Wolfgang Heinrich zu viel um die Ohren. Das neue Haus steht kurz vor der Fertigstellung, in der Kirchgemeinde muss alles für den Abschied und den Übergang in die Vakanz vorbereitet werden.

Einen Nachfolger für die Stelle gibt es offiziell noch nicht. Gemäß einer alten Tradition, die einen Wechsel des Stimmrechts bei der Besetzung zwischen Kirchgemeinderat und Bischof vorsieht, ist der Bischof an der Reihe. Allerdings wird es erst in ein paar Wochen eine Entscheidung geben.

Der Blick aus dem Amtszimmer des 63-Jährigen reicht über den ganzen Kirchplatz. Das erste Laub liegt auf den Rasenflächen zwischen den neu angelegten Wegen, die Sonne streichelt den roten Backstein der Nikolai-Kirche. „Früher gab es die Morgenandachten, aber mangels Beteiligung wurden sie eingestellt“, erzählt Pastor Heinrich. „Stattdessen habe ich jeden Morgen in meinem Zimmer in der Bibel gelesen.“ Ein Ritual, das ihn gut beschreibt. Wolfgang Heinrich wirkt, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen.

Er stammt aus einer Familie von Theologen, sein Großvater war bereits Pastor am Frischen Haff in Ostpreußen, er kam auf der Flucht um. Sein Vater hatte ebenfalls eine Pfarrstelle inne. „Aber das war es nicht, warum ich Pastor geworden bin“, sagt er und blickt aus dem Fenster auf das Kirchenschiff. „Pastor sein ist nicht nur ein Job, es war eine Berufung.“ Aus der Politik hat er sich immer herausgehalten. Das passt nicht zusammen, sagt er.

Grevesmühlen war die zweite Pfarrstelle im Leben des Theologen. Nach seinem Studium in Rostock hatte der gebürtige Satower in Döbbersen bei Wittenburg seine erste Stelle angetreten. 1988 schließlich kam er mit seiner Frau und drei Kindern in Grevesmühlen an. „Das war eine gemeinsame Entscheidung von meiner Frau und mir.“ So wie es auch jetzt geschehen ist. Das neue Haus in Schwerin ist der nächste Neubeginn der Familie. Wohin er führt, das lässt sich schwer sagen. „Ich möchte mich noch einmal auf die Schulbank setzen und Englisch lernen, das konnte ich damals in der Schule leider nicht.“ Denn neben Russisch hatte er Latein als zweite Fremdsprache. Briefmarken sind ebenfalls eine Leidenschaft des 63-Jährigen. „Allerdings eine, für die ich bisher immer zu wenig Zeit hatte. Ich hoffe, das ändert sich nun.“

Über die Frage, worauf er stolz sei, muss Wolfgang Heinrich nicht lange nachdenken. „Es sind vor allem die kleinen Dinge, die wichtig sind. Die vielen Veranstaltungen, die besonderen Gottesdienste, die Ökumene, die Zusammenarbeit mit der Kommune, die Menschen in der Kirchgemeinde.“ Und natürlich die Baumaßnahmen. Als Wolfgang Heinrich 1988 seinen Dienst begann, war mithilfe einer Spende von Dachziegeln aus der BRD das Dach saniert worden. Inzwischen ist der Kirchturm für Besucher geöffnet worden, der Dachstuhl wurde saniert, der Außenbereich wurde komplett neu gestaltet.

„Das“, so Wolfgang Heinrich, „gehört natürlich auch dazu.“ Leider, so fügt er hinzu, ist die Renovierung des Innenraumes nicht ganz abgeschlossen worden in seiner Dienstzeit.

Dank an die Kirchgemeinde
Mit Zuversicht verbreitenden Worten hat sich Pastor Wolfgang Heinrich von der Kirchgemeinde Grevesmühlen verabschiedet. „Aufhören und Anfangen fallen zusammen.

Ein Neuanfang beflügelt. Damit fällt das Loslassen leichter“, sagte er. Er habe lange gebraucht, um für seine Abschiedspredigt einen Beginn zu finden. Er sei dafür im Vorfeld jeden Tag in der Kirche gewesen. Der 63-Jährige rief dazu auf, dass mehr Menschen diese Schwelle übertreten mögen. Zum Abschluss dankte er der Kirchgemeinde für die „wunderschönen Jahre mit all den schönen, aber auch schwierigen Momenten.“ron

St. Nikolai
Die Kirche, die den Name St. -Nikolai trägt, stammt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie ist in der Zeit des Übergangs vom romantischen zum gotischen Stil erbaut worden.

 

 

Michael Prochnow

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