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Ärztliche Versorgung: Im Kreis droht Engpass

Wismar Ärztliche Versorgung: Im Kreis droht Engpass

15 Mediziner in Nordwestmecklenburg und neun in Wismar sind älter als 60 Jahre. Landkreis will in die Offensive gehen.

Wismar. Voriges Jahr im September hat Dr. Hans-Peter Hofmann aus Altersgründen seine Praxis am Klußer Damm in Wismar geschlossen. Einen Nachfolger gibt es bis heute nicht. Das ist kein Einzelfall. In den kommenden Jahren droht weiteren Praxen von Allgemeinmedizinern und Fachärzten in der Hansestadt und in Nordwestmecklenburg die Schließung. Von den zugelassenen 72 Haus- und 37 Fachärzten in Nordwestmecklenburg sind 15 älter als 60 Jahre. In Wismar sind es neun bei 28 Haus- und 70 Fachärzten.

„Wir werden in absehbarer Zeit eine Unterversorgung haben“, räumte Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Schwerin, am Dienstagabend vor dem Sozialausschuss des Kreistags ein. Allerdings, so relativierte er, sei Nordwestmecklenburg immer noch in einer besseren Lage als beispielsweise der Landkreis Ludwigslust-Parchim. „Die Ostsee und die Nähe zu Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen bewirken, dass aus diesen besser versorgten Regionen immer häufiger Ärzte zu uns kommen wollen“, erklärte Oliver Kahl.

Angesichts dieser Situation drängten sich Ausschussmitglied Renate Menzel (SPD), selbst im Gesundheitsbereich tätig, folgende Fragen auf: „Wie können wir dieser Tendenz entgegenwirken? Sollten wir vielleicht schon jetzt in die Offensive gehen und werben? Wie können Gebietskörperschaften aktiv werden?“ Oliver Kahl wiegelte ab: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“

Kommunen könnten durchaus etwas tun, um einen Arzt zu sich zu locken, erklärte der Abteilungsleiter der KV. „Ihm vor allem das Gefühl geben, dass er willkommen ist“, sagte Oliver Kahl. Er wisse von einer Kleinstadt, in der der Bürgermeister ganz aktiv mit der KV zusammengearbeitet habe, das sei bis zur Wohnungssuche für den Arzt gegangen, „und es hat geklappt“. Die KV kann zudem einen finanziellen Anreiz schaffen und neue Praxen auf dem Land mit bis zu 50 000 Euro fördern. „In den vergangenen Jahren haben wir das in mehr als 50 Fällen getan“, so Kahl.

Zunehmend problematisch wird aus Sicht der KV, die medizinische Versorgung in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten sicherzustellen. „Wir müssen über Alternativen für ältere, nicht mehr mobile Menschen nachdenken, die in Gebieten ohne öffentlichen Personennahverkehr leben“, sagte Oliver Kahl. Möglicherweise könnte man Allgemeinmediziner mit einer Zweitpraxis locken, so seine Hoffnung.

Zudem setzt der Abteilungsleiter der Kassenärztlichen Vereinigung in ländlichen Gebieten auf den verstärkten Einsatz besonders qualifizierter Praxisassistentinnen. 23 sind derzeit in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs.

Als hilfreich bewertet er auch, dass die Altersgrenze für Allgemeinmediziner gefallen ist. „Das ist auf dem Land, wo das Patient-Arzt-Verhältnis fast familiäre Züge hat, von großem Wert“, so Kahl. Allerdings ließen sich, trotz aller Anstrengungen, zeitweilige Engpässe nicht gänzlich ausschließen.

Aus der Bedarfsplanung
Die Bedarfsplanung legt fest, auf wie viele Einwohner sich ein Allgemeinmediziner und Fachärzte verschiedener Richtungen ansiedeln dürfen. Ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent erteilt die Kassenärztliche Vereinigung keine Zulassung mehr für Praxen mit Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung.

In der Hansestadt Wismar arbeiten derzeit insgesamt 98, in Nordwestmecklenburg 109 Allgemeinmediziner und Fachärzte. In beiden Fällen handelt es sich sowohl um niedergelassene als auch um angestellte Ärzte.

Nach der aktuellen Bedarfsplanung könnten in der hausärztlichen Versorgung im Bereich Wismar 14 und im Bereich Grevesmühlen 3,5 weitere Stellen besetzt werden.

1490 Einwohner gelten als Bemessungsgrenze für die Zulassung eines Allgemeinmediziners.

 

Sylvia Kartheuser

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