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Grevesmühlen Als Mann unter Menschen
Mecklenburg Grevesmühlen Als Mann unter Menschen
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14:57 20.04.2018
Gefangen im falschen Körper: Wie weiterleben? Als Mann oder als Frau? Der Wunsch vieler Transgender, sich dem Geschlecht, dem sie sich zugehörig fühlen, so weit wie möglich anzunähern, ist keine Phase, die vorübergeht. Da hilft auch keine Therapie. Quelle: Pexels
Grevesmühlen

Die Hände im Schoß gefaltet, schaut er auf seinen Personalausweis. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er seinen Namen liest. Ein Buchstabe weniger und schon ist er auf dem Papier ein Mann. Seit Jahren fühlt er es zwar, aber seit einiger Zeit ist es nun offiziell. Der Weg dorthin war nicht einfach – und mit vielen Verlusten verbunden, die noch immer schmerzen.

Das Foto aus Kindheitstagen zeigt Daniel (Name von der Redaktion geändert) mit weißer Strumpfhose, blauem Faltenrock und weißer Bluse mit hellblauen Punkten – als Daniela. Einschulung. Die Zuckertüte ist blau. Passend zum Rock, könnte man im ersten Moment denken. Aber schon damals stand Daniela nicht unbedingt auf rosa. Und den Rock trug sie nur, um Oma und Opa zu gefallen. Die Großeltern konnten es gar nicht verstehen, dass die Enkeltochter ihre blonden Haare lieber raspelkurz statt zu einem mit Schleife gebundenen Zopf trug.

„Ich habe mich damals nicht wohlgefühlt“, sagt der 43-Jährige heute. Mit diesem Hintergrundwissen ist es nun auch auf dem Einschulungsfoto zu erkennen – das Lächeln wirkt mechanisch, fast schon gequält.

Nicht nur auf Papier ein Mann

Im Gespräch mit den Eltern, die hinter ihrem Kind stehen und beim OZ-Interview dabei sind, kommt der Autorin ab und an das Wörtchen „sie“ über die Lippen, als der Blick in Daniels Vergangenheit geworfen wird. Mit einem Lächeln verbessert der Vater geduldig: „Er!“ Der 67-Jährige und seine Frau (66) akzeptieren ihr einziges Kind wie es ist. „Klar haben wir damals oft fantasiert, wie es als Oma und Opa wäre. Aber nur, weil mein Kind kein Kind austrägt, heißt es ja nicht, dass wir keine Großeltern sein können“, sagt Daniels Mutter. Daniel legt seine Hand auf ihren Unterarm. Am Zeigefinger und am Daumen trägt er einen Ring – Herrenringe in Silber und Schwarz. Im Vergleich zu den Händen seines Vaters sind Daniels zart. Ansonsten erinnert äußerlich kaum etwas an Daniela.

Daniel hat durch Hormonbehandlungen eine männliche Stimme und einen Bart bekommen, er trägt ein großes Tattoo auf dem Unterarm, die blonden Haare sind stylisch gegelt, er trägt seine graue Jeans lässig auf den Hüften, das in die Hose gesteckte weiße Hemd ist bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt, darüber trägt er eine schwarze Weste. Brüste sind nicht zu erkennen. Und – der Blick ist gestattet – da die graue Hose eng ist. . . auch hier ist etwas Männliches zu erkennen.

„Ich bin dankbar dafür, dass meine Eltern zu mir stehen. Ich habe es auch anders erlebt“, sagt er und senkt den Blick. Nein, es soll keine Abrechnung mit seinen Großeltern werden, aber er möchte seine Enttäuschung ausdrücken. Sein Opa ist bereits verstorben, seine Oma lebt noch in der alten Heimat in den alten Bundesländern, die Daniel und seine Eltern verlassen haben. Sie haben einen Neuanfang in Nordwestmecklenburg gewagt, nachdem es Anfeindungen von Nachbarn, Arbeitskollegen der Eltern und Kollegen von Daniel gegeben hatte. Nur seine beste Freundin, so sagt Daniel, der im IT-Bereich tätig ist, sei ihm bis heute treu geblieben und reduziert ihn nicht auf sein „Anderssein“, wie es viele andere frühere Bekannte und Freunde sehen. „Ich bin nicht anders, nicht ansteckend krank oder so. Ich war lange Zeit anders. Jetzt bin ich endlich ich“, betont Daniel. „Gefangen im falschen Körper“, ist zum Thema Transgender oft zu lesen oder zu hören. Mittlerweile fast eine Floskel, „die es aber im Kern trifft“, meint Daniel.

Outing mit 13 Jahren

Schon im Kindergarten hat er lieber mit Autos als mit Puppen gespielt. Gedacht haben sich die Eltern damals nichts dabei, schenkten ihm zu Weihnachten auch Spielzeug, das eher bei Jungs angesagt war. Oma und Opa rückten mit Puppenwagen, Puppen in allen Variationen, Mädchenbüchern und -kleidung an. „Es kam zum Streit. Sie wollten unseren Daniel verbiegen. Wir wollten ihn aber seinen Weg gehen lassen, ohne zu wissen, wohin er führt“, sagt Daniels Mutter und ihr Mann ergänzt: „Wir haben zunächst gedacht, es sei alles nur eine Phase. Als die aber immer länger währte, merkten wir, dass Daniel kein Kind wie alle anderen ist.“ Daniel selbst hatte es zuerst selbst nicht verstanden, warum er keine Röcke und Mädchenkram mag, seine beste Freundin aber schon. „Ich war oft schlecht gelaunt, igelte mich ein“, erinnert er sich.

Mit 13 Jahren dann gestand er sich selbst ein: Ich will nicht mehr Daniela sein. Der schwerste Weg stand ihm aber noch bevor: das Outing gegenüber seinen Eltern. Er vertraute sich zunächst seiner Freundin an. „Sie verstand mich, hat es eigentlich auch schon vermutet. Dafür kannten wir uns eben schon zu lange und zu gut“, erzählt Daniel. „Letztlich machte sie mir Mut, mit meinen Eltern zu reden und war am Ende beim Gespräch auch dabei.“ Ein lauer Sommerabend sei es gewesen, erinnert sich der Vater. „Ich habe geweint – vor Erleichterung, dass er endlich ausgesprochen hat, was wir irgendwie längst wussten.“ Er hat zwar seine Daniela verloren, aber in Daniel einen Sohn gefunden, den er ebenso liebt, sagt er und schaut Daniel in die Augen. Es ist deutlich zu spüren: Die Familie ist füreinander da und die Liebe ist tief.

Mit der Offenbarung hat Daniel jedoch seine Großeltern verloren. „Sie wollten keinen Enkelsohn“, sagt Daniel bitter. Seine Trauer über die verlorene Enkelin hat der Opa mit ins Grab genommen. „Ich habe ihn bis zum Schluss geliebt und liebe auch meine Oma. Oft bin ich auf sie zugegangen, sie wich aber immer zwei Schritte zurück. Das tut weh, aber ich muss es respektieren, so wie sie respektieren muss, dass es Daniela nicht mehr gibt.“

Papa-Dasein

Daniel ist glücklich mit seinem neuen Leben, erst recht nach seinen Hormonbehandlungen und den geschlechtsangleichenden Operationen. „Die Schmerzen werde ich nie vergessen und zeitweise dachte ich ,Was machst du hier eigentlich?!', aber ich habe es keineswegs bereut“, sagt er. Daniel hat eine Freundin, ein Sexleben – und ist Vater, wenn auch nicht ein leiblicher. Seine Freundin brachte ein Kind in die Beziehung. Die Miene seiner Mutter hellt sich auf. „Unsere kleine Maus. . .“, sagt sie liebevoll. Sie ist acht Jahre alt, „Papa“ zu Daniel. „Ich habe es nie von ihr verlangt, aber eines Tages fragte sie mich, ob sie mich Papa nennen darf“, erzählt Daniel mit Tränen in den Augen. Die Tochter seiner Freundin war vier Jahre alt, als Daniel in ihr Leben trat. Dass er einmal Daniela war, weiß sie nicht. „Noch nicht. Aber ich will ehrlich sein und es ihr erzählen, wenn sie alt genug ist, es zu verstehen.“

Gruppen unterstützen bei Problemen und Fragen

Damit Transgender mit ihrer Situation nicht alleine bleiben, gründete Rico Peckruhn (71), als Rita geboren, vor drei Jahren eine Selbsthilfegruppe: Trans*WIS. Büros gibt es in Wismar und Schwerin.Unterstützung erhält sie von Sascha Chlastak (44), ebenfalls als Frau geboren. Beide haben ein offenes Ohr für Jugendliche und Erwachsene, die sich als Transgender verstehen. Sie bieten Präventionsveranstaltungen, knüpfen Kontakte zu Gleichgesinnten, helfen bei Fragen und wollen vor allem Ängste und Vorurteile abbauen. Auch Kontakte zu Ärzten und Psychologen vermitteln sie. Kontakt: 03841/214755 oder transwis@gmx.de

Eine weitere Initiative ist Transkinder Nord. Sie ist im September 2017 von Katja Müller (33) gegründet worden. Das Netzwerk versteht sich als Anlaufstelle für Transkinder und ihre Angehörigen, ebenso für Schulen, Kindergärten, Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen. Katja Müller hat vor sieben Jahren einen Sohn geboren, der vor einem Jahr als Mädchen eingeschult wurde. „Wir fühlten uns teilweise unverstanden. Wir wurden wie Schuldige behandelt, mussten uns ständig rechtfertigen.“Kontakt: katja@transkinder-nord.de

Franke Jana

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