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Abwasserentsorgung: Grevesmühlener Kleingartenvereine zwischen Umrüsten und Negieren

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Grevesmühlen. Das Wasser wird dieser Tage in vielen Kleingartenanlagen wieder angestellt, und damit fällt theoretisch auch Abwasser an. Noch immer nicht wird bei der Entsorgung offenbar neuesten gesetzlichen Regelungen Rechnung getragen. Mancherorts ist eine Umrüstung aber auch längst Geschichte oder sind andere Alternativen gefunden worden. Das ist das Fazit einer OZ-Umfrage unter den elf für Grevesmühlen bei der Verwaltungsgemeinschaft der Stadt noch gelisteten Vereinen. Alle konnten allerdings nicht erreicht werden.

OZ-Bild

Abwasserentsorgung: Grevesmühlener Kleingartenvereine zwischen Umrüsten und Negieren

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In der Tat bereitet dieses Thema Alfons Lange kein Kopfzerbrechen mehr. Der 81-Jährige steht dem Kleingartenverein „Am Gänsebrink“ seit Jahren vor und sagt: „Das haben wir schon längst erledigt.“ Für alle 53 zur fast 20000 Quadratmeter großen Anlage gehörenden Gärten seien entweder Auffangbehälter angeschafft und vom Zweckverband abgenommen worden oder die Gartenfreunde hätten sich „Bio-Toiletten“ angeschafft.

Ähnlich sieht es in der Anlage „Am Kapellenberg“ aus. In elf der 16 Gärten gibt es seit gut zwei Jahren Auffangbehälter und in einem eine Bio-Toilette. Auf den restlichen Parzellen bestehe aus den verschiedensten Gründen aktuell keine Notwendigkeit der Abwasserentsorgung, erklärt der Vereinsvorsitzende Manfred Sperling (76).

Ganz so exakt lässt sich das für den Kleingartenverein „Am Questiner Weg“ nicht sagen. „Wir haben alle Mitglieder informiert. Das schon vor drei, vier Jahren“, sagt Horst Neumann. Der 64-Jährige zeichnet im Vorstand für die Kassenführung verantwortlich und weiß: „ Von den 133 zur Anlage gehörenden Gärten sind derzeit 122 in der rund 70000 Quadratmeter großen Anlage belegt.

Was er nicht weiß: Auf wie vielen Parzellen, die alle einen Wasseranschluss haben, den neuen gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Abwasser inzwischen wirklich Rechnung getragen wird. Der Verein sieht sich nicht in der Pflicht, das zu kontrollieren. Horst Neumann weiß aber von Pächtern, die dem nachgekommen sind. Er betont noch einmal, dass während der Jahreshauptversammlungen immer wieder informiert worden war, ja sogar Angebote für Auffangbehälter den Infoblättern beigelegt worden waren.

Für die Toilette im Vereinshaus ist ein wasserundurchlässiger Behälter angeschafft worden. Bei dem Gedanken an die finanziellen Belastungen geht es dem Kassenwart gar nicht gut. 50 Euro allein kostet immer wieder die Entsorgung von 50 Kubikmeter Abwasser. Die Anschaffung des Behälters schlug mit sechs- bis siebenhundert Euro zu Buche, da sei der Einbau noch nicht mitgerechnet. „Viele von uns sind Rentner“, nimmt Horst Neumann wieder Bezug auf den einzelnen Pächter, „da ist nicht so viel Geld flüssig.“

„Auf das Übliche zurückgehen“ nennt Uwe Jatzke das, was die Mitglieder des Kleingartenvereins „Am Mühlenberg“ schon vor zwei Jahren gemacht haben. Sie haben sich wieder auf das Herzchen-Haus besonnen. Das, was zurückbleibt, werde kompostiert. „Bei uns gibt es keine Spültoiletten mehr“, erklärt der 53-jährige Vereinsvorsitzende. Als die Aufforderung zum Umrüsten kam, war niemand bereit, sich am Bau einer gemeinsamen Kläranlage zu beteiligen. Die 36 zum Verein gehörenden Parzellen würden ohnehin nicht zum Wohnen genutzt, macht Uwe Jatzke klar, dass Toiletten eigentlich kaum gebraucht würden.

Für die privaten Gärten am Mühlenberg könne er aber nicht sprechen, betont Uwe Jatzke. Er selbst könnte sogar als so etwas wie ein Vorreiter gelten: Als er seinen Garten vor fünf Jahren übernahm, hat er einfach das noch vorhandene Häuschen mit dem Herz wieder aktiviert.

Die neuen gesetzlichen Bestimmungen zur Abwasserentsorgung sind auch beim Kleingartenverein „Schweriner Landstraße“ Thema gewesen, bestätigt der Vorsitzende Hans-Jürgen Oberpichler. „Ich habe die Mitglieder, die es betrifft, informiert“, erklärt der 66-Jährige, der schon seit 35 Jahren einen Garten in der Anlage bewirtschaftet. Kontrolliert habe er nicht, ob die Vereinsmitglieder umgerüstet haben, das sei Sache jedes einzelnen. Er wüsste aber, dass vorgeschriebene Behälter angeschafft worden sind. Zur Anlage gehören 37 Gärten, zwei sind derzeit aber nicht besetzt.

86 Gärten hingegen zählt die über 50 Jahre bestehende Anlage „Am Wasserturm“ Norbert Rilinger (75), der Vereinsvorsitzende, sagt ohne Umschweife zum Thema Umrüsten: „ . .

. und das werden auch nicht alle machen!“ Das Durchschnittsalter der Pächter liege bei 70 Jahren, viele seien schon über 80, würden weder investieren wollen noch können und würden ansonsten sagen, dann könnt ihr den Garten behalten. „Das muss man auch verstehen“ , betont der Vereins-Chef. Außerdem falle es schwer, Verständnis aufzubringen für diese Vorschriften, wenn auf den Äckern die Güllewagen unterwegs sind, dass es in der ganzen Stadt stinke. In 20 Gärten seien aber Auffangbehälter installiert worden, manch einer greife auch zur Campingtoilette.

HINTERGRUND

Die Untere Wasserbehörde hat auf Basis einer

Allgemeinverfügung von 2010 Grundstückseigentümer bzw. Pächter aufgefordert, bis zum 31. Dezember 2012 ihre Kleinkläranlage den allgemein

anerkannten Regeln der Technik anzupassen oder eine abflusslose Grube zu errichten.

Drei Kleingartenanlagen im Landkreis wurden bisher zentral erschlossen, die Behörde schätzt, dass etwa 1500 bis 2000 Abwassersammelgruben in Zukunft für Kleingärten betrieben werden. Sie ist auch für die Kontrolle der Vorgaben zuständig und setzt dabei auf die Mitwirkung der Vereine. Im Kreis gibt es etwa 130 Kleingartenvereine mit rund 4000 genutzten Gärten. Rund 300 Kleingärten und Wochenendgrundstücke

befinden sich in Privateigentum. Laut dem Kreis vorliegenden Vereinskonzeptionen falle nur bei 50 Prozent der Gärten Abwasser an.

Zwangsgelder in Höhe von 500 Euro fallen

bei Zuwiderhandlung an. Terminverlängerungen zur Umsetzung können auf Antrag im Einzelfall

gewährt werden.

Cornelia Roxin

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