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Angehörige wütend: Notärztin half nicht

Grevesmühlen Angehörige wütend: Notärztin half nicht

Defekte Kofferraumklappe und unzureichende Kommunikation lässt Neu Degtowerin Beschwerde einlegen.

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Das darf sich nicht wiederholen.“Jörg Allrich, ärztlicher Leiter Rettungsdienst

Grevesmühlen. Es ist eine halbe Stunde vor Mitternacht — eigentlich Schlafenszeit. Kerstin Bauer aus Neu Degtow liegt schon im Bett, als sie das Klingeln des Telefons plötzlich aus dem Schlaf reißt. Ein Anruf, den die Neu Degtowerin nicht zum ersten Mal erhält. Ihr Vater ist dran, sagt, dass es der Mutter nicht gut gehe, sie möglicherweise vor einem Infarkt stehe.

Die nächsten Schritte sind für Kerstin Bauer schon fast Routine, der Vater selbst hatte bereits fünf Infarkte, die Mutter zwei. Die Tochter wählt den Notruf, setzt sich ins Auto und fährt zu den Eltern nach Grevesmühlen.

Doch was sich dann abspielt, lässt die Neu Degtowerin auch Tage nach dem Vorfall noch wütend werden. „Der Notarzt, in diesem Fall eine Notärztin, war schon wenige Minuten nach dem Anruf da. Doch es passierte nichts“, ärgert sich die Neu Degtowerin. Der Grund: Die Kofferraumklappe des Einsatzfahrzeuges ließ sich nicht öffnen, weder mit Gewalt noch mit dem Schlüssel oder der Zentralverriegelung.

Doch damit noch nicht genug. „Die Notärztin setzte sich ans Bett meiner Mutter und machte nichts. Sie sprach nicht, sie fragte nichts. Selbst als ich sie ansprach, warum sie nichts mache, zuckte sie nur mit den Schultern“, so Kerstin Bauer. Wenig später soll sie die Patientin einfach verlassen haben.

Das machte die Tochter der Patientin wütend. Nach 15 Minuten Tatenlosigkeit — draußen machte man sich immer noch am Einsatzfahrzeug zu schaffen — rief sie erneut den Notruf an. „Zum Glück kam in diesem Augenblick der Rettungswagen mit den Rettungssanitätern um die Ecke und die haben sofort alles eingeleitet. Meine Mutter hat möglicherweise einen Herzinfarkt und ich muss auf die Rettungssanitäter warten, bis etwas passiert. Das kann doch nicht wahr sein“, ist Kerstin Bauer entsetzt.

Selbst mit der anschließenden Behandlung durch die Notärztin gibt sich die Neu Degtowerin nicht einverstanden. „Egal was sie gemacht hat, jeder Schritt musste von den Rettungssanitätern begutachtet und abgenickt werden“, war sie erbost und schwor sich, dass dieser Vorfall ein Nachspiel haben sollte. „Ich habe mich am nächsten Tag beim DRK beschwert.“

Für DRK-Chef Eckhard Giewald war die Sache neu. Der hatte einen Tag danach noch nichts von der davon erfahren, lud aber die Familie am Montag zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes Jörg Allrich ein. „Man hat sich bei uns entschuldigt und versichert, wenn der Rettungswagen nicht gekommen wäre, hätte man auch die Heckscheibe des Fahrzeuges eingeschlagen“, berichtete die Betroffene. „Was allerdings die Notärztin anging, konnte man uns nur erklären, wo sie her kommt, und uns das Protokoll des Vorganges zeigen. Darin stand, dass alles in Ordnung gewesen sei. Das war es aber ganz und gar nicht. Außerdem sollte noch ein Gespräch stattfinden“, sagte Kerstin Bauer.

Genau das passierte gestern Morgen. Diplommediziner Jörg Allrich, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, wollte sich den Vorfall von der Notärztin genau beschreiben lassen und stellte nach dem Gespräch fest: „Es war ein individueller Fehler, der sich nicht wiederholen darf. Allerdings bin ich der Meinung, dass jeder eine zweite Chance bekommen soll. Allerdings war die fachliche Behandlung in Ordnung. Das haben mir Kollegen bestätigt. Ich werde mich nach dem nächsten Einsatz der Notärztin persönlich bei den Patienten und Angehörigen nach dem Verlauf der Behandlung erkundigen“, erklärte Allrich, der die Mutter Kerstin Bauers in der Nacht noch selbst versorgte, da er zufällig Dienst im Schweriner Klinikum hatte. „Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt nichts von den vorherigen Ereignissen“, berichtete Allrich, der zudem noch einmal darauf hinwies, dass das Problem mit der nicht zu öffnenden Kofferraumklappe bisher nie vorgekommen sei. „Das ist ein technisches Problem gewesen, dass bei keinem Einsatz zuvor aufgetreten ist.“

Zu wenig Rettungsärzte
In Deutschland gibt es zu wenig Notärzte. Vor allem Klinikärzte geben den freiwilligen Notarztdienst auf. Eine Folge der zunehmenden Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern. Und für die Kliniken ist es wirtschaftlich nicht lukrativ, die Notarztversorgung zu unterstützen. Um die Hilfsfristen wenigstens ab und zu einzuhalten, werden Notärzte inzwischen im Internet ersteigert - über sogenannte Notarztbörsen. Doch die sind mehr als fragwürdig - keine Registrierungen, kaum Transparenz und fragliche Qualität.

 

Maik Freitag

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