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Grevesmühlen Anklage gegen Rütinger Brandstifter erhoben
Mecklenburg Grevesmühlen Anklage gegen Rütinger Brandstifter erhoben
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00:00 16.09.2016
Die Reste des Carports in Rüting, das bei der Brandserie zerstört wurde. Der Gesamtschaden liegt bei rund 150000 Euro. Quelle: Fotos: Archiv

Wochenlang lebten die Menschen in Rüting und Umgebung in Angst. Immer wieder war es zu teilweise schweren Bränden gekommen. Ende Juli dann die erlösende Nachricht: Die Polizei nimmt einen 20-Jährigen fest, der unter dringendem Tatverdacht steht. Und der hat sich in den vergangenen Wochen erhärtet.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat die Ermittlungen zur Brandserie in Rüting abgeschlossen / Ein 20-Jähriger ist angeklagt

Gestern hat die Schweriner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Ihm wird vorgeworfen, von Mai bis Juli in der Gemeinde Rüting und Umgebung diverse Autos, eine Carportanlage, Hecken und 600 Strohballen in einem Agrarbetrieb angezündet und dadurch einen Gesamtschaden in Höhe von rund 150000 Euro verursacht zu haben.

Der 20-Jährige war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rüting. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die Taten bereits gestanden. Ihm droht eine Haftstrafe. Der Fall liegt nun beim Jugendschöffengericht in Wismar.

Die Erleichterung, dass die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst, hat, mischt sich bei den Einwohnern von Rüting auch mit der Enttäuschung, dass ausgerechnet ein Feuerwehrmann die Brände gelegt haben soll.

Bereits während der Brandserie war dieser Verdacht geäußert worden, Beweise gab es dafür jedoch nicht. Auffällig war zu Beginn, dass die Feuer jeweils zu Wochenbeginn gelegt worden waren. Die Hecken waren allerdings nur der Anfang der Serie. Für bundesweites Aufsehen sorgten anschließend die Brände von mehreren Fahrzeugen. So setzte der Täter im Abstand von wenigen Tagen ein Carport in Brand, unter dem mehrere Autos abgestellt waren, die alle zerstört wurden. Kurz darauf brannte ein Volvo, der nur wenige Meter von dem Carport abgestellt worden war. Dass das angrenzende Wohnhaus nicht in Flammen aufging, war dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr zu verdanken.

Der Wehrführer der Rütinger Feuerwehr hatte sich nach Bekanntwerden der Identität des mutmaßlichen Täter vor seine Leute gestellt. Thomas Thiem damals: „Ich habe für ihn meine Hand ins Feuer gehalten, wie für alle anderen meiner Leute. Und auch wenn sich jetzt herausstellt, dass ich sie mir verbrannt habe - ich werde nach wie vor zu meinen Leuten und dem, was sie leisten, stehen.“

Welche Gründe den 20-Jährigen bewogen haben, die Brände zu legen, das soll in der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht geklärt werden. Da der Angeklagten sich seit seiner Verhaftung in Untersuchungshaft befindet, ist davon auszugehen, dass die Verhandlung zeitnah angesetzt wird.

Chronik

11. Mai: Eine Hecke nahe Rüting brennt. Routine für die Feuerwehrleuten, niemand ahnt, was in den nächsten Wochen passiert.

17. Mai: 600 Strohballen gehen in Rüting in Flammen auf. Das Feuer wird am späten Dienstagabend entdeckt.

23. Mai: Es ist ein Montag, als das ein Carport neben einer Wohnanlage abbrennt. Mehrere Autos, die dort abgestellt sind, werden zerstört.

30. Mai: Wieder ein Montag – Ein Volvo, der vor einem Wohnhaus steht, das sich nur wenige Meter von der Ruine des Carports entfernt befindet, brennt. Das Wort Brandserie macht die Runde. Immer zu Wochenbeginn müssen die Feuerwehr ausrücken.

6. Juni: Eine Hecke nahe der Gemeinde brennt. Ein Reporter-Team filmt angeblich einen Verdächtigen. Doch konkrete Angaben zu dem möglichen Täter gibt es nicht. Dafür endet die Brandserie.

22. Juli: Das Wismarer Amtsgericht erlässt Haftbefehl gegen einen 20-Jährigen aus der Gemeinde. Er soll Mitglied der Feuerwehr sein.

15. September: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage.

Michael Prochnow

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