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Arbeitslosigkeit in zehn Jahren halbiert

Wismar Arbeitslosigkeit in zehn Jahren halbiert

Jugendarbeitslosigkeit und Integration von Asylbewerbern sind die Herausforderungen für Jobcenter NWM

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Die Rich- tung stimmt, doch die Ein- gliederungshilfe ist unterbelich- tet. Weniger Arbeitslose heißt nicht weniger Geld, das ist ein Trugschluss.“Thomas Beyer (SPD), Bürgermeister der Hansestadt Wismar Fotos (4): hoff

Wismar. Kein Grund zum Hurra schreien, aber die Entwicklung stimmt: Im Jahresdurchschnitt 2015 waren 6817 Menschen in Nordwestmecklenburg arbeitslos, das waren 937 Menschen beziehungsweise 13,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Damit haben wir absolut betrachtet für ganz Mecklenburg-Vorpommern in Nordwestmecklenburg den landesweit zweitgrößten Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen“, so gestern Landrätin Kerstin Weiss (SPD).

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Die Gesamtarbeitslosigkeit im Bereich Nordwestmecklenburg ist seit 2005 um 50,9 Prozent gesunken. Blau zeigt den Anteil der Arbeitslosen nach SGB II (Sozialgesetzbuch/Langzeitarbeitslose). Braun markiert ist der Anteil der Arbeitslosen nach SGB III.

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Im Schnitt lag die Quote der Arbeitslosen bei unter neun Prozent. Weiss: „Dies ist ein tolles Ergebnis.“ Auch der Blick auf die letzten zehn Jahre, in denen die Gesamtarbeitslosigkeit mehr als halbiert werden konnte, stimmt zufrieden.

Kerstin Weiss, zugleich Vorsitzende der Trägerversammlung des Jobcenters Nordwestmecklenburg: „Gott sei Dank sind wieder mehr Menschen in Arbeit. Es sind mehr sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden, das heißt auch, wir müssen weniger investieren in die sozialen Systeme.“

Allerdings fügt die Landrätin der Ehrlichkeit halber auch hinzu, dass der demografische Wandel mit den weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter seinen Teil zu der positiven Bilanz beigetragen hat.

„Die Richtung stimmt“, sagt auch Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) und ergänzt: „Hinter den Zahlen stehen Einzelne und Familien. Wir sind gehalten, uns weiter zu engagieren.“ Dass der Bund die Finanzmittel kürzt, kritisiert Beyer: „Die Eingliederungshilfe ist unterbelichtet. Weniger Arbeitslose heißt nicht weniger Geld, das ist ein Trugschluss.“ Die Anstrengungen würden bei denen steigen, die schon lange ohne Job sind. Und mit den Flüchtlingen steige der Finanzbedarf sogar noch an. Beyer: „Die weitere Reduzierung des Eingliederungsbudgets für 2016 sehen wir als besonders kritisch an.“

Eine Kürzung der Mittel hält auch Martin Greiner, Geschäftsführer des Jobcenters, für „kontraproduktiv“. 200 anerkannte Asylbewerber gab es im Jobcenter bis Oktober 2015, aktuell sind es schon 500, Tendenz kräftig steigend.

Denn trotz der insgesamt guten Entwicklung, auch im Vergleich zu anderen Jobcentern, will Greiner ein großes Anliegen weiter verfolgen: „Ziel bleibt weiterhin die Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis bis spätestens 2018.“

Diese konnte zwar im letzten Jahr um 27,7 Prozent bzw. um 142 Jugendliche gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden, doch 511 arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren sind zu viel. Ein Drittel habe keinen Schulabschluss, zwei Drittel keine Berufsausbildung. Die sich „anbahnende Verfestigung“ von Arbeitslosigkeit im jugendlichen Alter gelte es daher zu bekämpfen und sei ein Aufgabenschwerpunkt 2016.

Leistungen zum Lebensunterhalt bezogen im letzten Jahr durchschnittlich 13 518 Personen, ein Rückgang von 639. Kerstin Weiss: „Bei den durch den Landkreis aufzubringenden Leistungen für Unterkunft und Heizung freue ich mich über die Reduzierung um 1,622 Millionen Euro.“ Das Jobcenter konnte so zur Haushaltseinsparung beitragen. Dennoch ist der Anteil für Kosten der Unterkunft mit 27,5 Millionen Euro immer noch enorm.

Die Gesamtausgaben für den Steuerzahler konnten im Vergleich zum Jahr 2005 mittlerweile um fast 40 Millionen Euro reduziert werden, so gestern Lothar Michael, amtierender Vorsitzender der Arbeitsagentur Schwerin.

 



Heiko Hoffmann

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