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Armin Fischer begeistert zum Auftakt der Dechower Kulturtage

Dechow Armin Fischer begeistert zum Auftakt der Dechower Kulturtage

Pianist präsentiert sein Programm „Das verkan(n)tete Genie“ / Spielkunst gepaart mit Pointen und Anekdoten / Interpretationen von Liszt über Beethoven bis hin zu Queen

Dechow. Pointen und Piano. Wie passt das zusammen? Bestens! Den Beweis tritt Armin Fischer an. Der studierte Musiker und brillante Pianist wirbt auf seiner Website mit „Klavierkonzerte zum Lachen“ — und er hält, was er verspricht. Besser, da waren sich wohl alle einig, hätte der Auftakt der zwölften Saison der Dechower Kulturtage auf keinen Fall beginnen können.

Was für ein Glück, dass Organisatorin Irmgard von Puttkamer Ende der 1990er Jahre in einem Auftritt von Armin Fischer landete. Sie hatte „arge Bedenken“, ob man Klassik tatsächlich mit Humor verbinden kann. „Und dann war ich nachhaltig beeindruckt.“

Mit Franz Liszts „2. Rhapsodie in Cis Moll“ eröffnet Fischer den Abend. Das ist nichts für den Freizeitklimperer. Mehrere Minuten mal zarter, mal kräftiger Anschläge erfordert die Komposition.

Klassikfans wissen das und können es genießen. Ob das aber auch etwas für ein Konzert in einem Dorfgemeinschaftssaal auf dem platten Land ist? Fischer will den Dechowern weder zu nahe treten noch zu viel zumuten. Und so beschwichtigt er noch vor dem ersten Ton: Er werde alles Überflüssige aus der Komposition streichen und seinem Publikum das Wesentliche präsentieren. „Das ist keine Drückebergerei, sondern ein Expertenextrakt.“

Also Liszts Zweite auf eine rasante Minute komprimiert. Die Finger des Pianisten fliegen nur so über die Klaviatur, es klingt vertraut und doch befremdlich, vereinzeltes Gelächter zeigt, dass überraschte Klassikkenner im Publikum sitzen. Fischer, der eingangs einen Witz über seine Frisur gemacht hat — er ist auf dem Hinterkopf, um es mit Buschs Worten zu sagen, spärlich frisiert — hat seine Zuhörer nun nicht nur verbal, sondern auch als Musiker überzeugt.

„Sie hätten auch nicht wesentlich länger applaudiert, wenn ich mich mehr angestrengt hätte“, erklärt er Liszts Beschneidung. „Ganz ehrlich: Ich arbeite mir hier einen Wolf, und Sie merken die jahrelange Überei noch nicht einmal.“ Und schon ist er bei seinen Lehrjahren an den Tasten. Er erzählt, wie er als Kind seinen Klavierlehrer beobachtete, macht Mimik und Bewegungen nach, aufs Köstlichste übertrieben: „Ich dachte, der ist krank.“ Und, mit Blick auf die großen Gesten vieler Pianisten und seines ehemaligen Lehrers: „Da wusste ich noch nicht, dass das Interpretation heißt.“

Was auch immer Armin Fischer aufs Korn nimmt: Sein Klavierspiel ist vorzüglich. Zwar sieht er sich kritisch — ein Leben als Konzertpianist ist hart — doch: „Ich weiß schon, warum ich mich entschieden habe, Quatschmacher zu werden.“ Er hat Musik studiert und sein Leben ist Musik. Und er ist mit Leib und Seele der klassischen Musik verfallen. „Ich liebe die Harmonien.“ Während des Studiums in Hamburg hat er jede Gelegenheit genutzt, hochkarätige Konzerte zu besuchen. Alfred Brendel hat er gehört, Edwin Fischer und Claudio Arrau. Natürlich lebt ein Musikstudent nicht nur Bach, Liszt und Chopin. Der junge Armin Fischer hat auch Spaß gehabt, mit Vince Weber und Konsorten gejamt, einmal sogar zu sechst an einem Klavier. Das war der Hammer, da strahlt er noch heute.

Da ein Musiker nicht nur von Noten lebt, sondern ab und an auch etwas isst und trinkt, stand Broterwerb an. Armin Fischer zeigte sich auch dabei findig. Reisen macht Spaß und bildet, also nichts wie ab aufs Kreuzfahrtschiff. „As time goes by“ in Endlosschleife, zwischendurch immer wieder die Gäste der Bar begrüßen. „N'Abend“ — herrlich, die Dechower lachen sich bei all den Anekdoten kringelig.

Zwei Dinge hat der begnadete Entertainer sich aufgehoben. Zum einen seine höchst eigene Oper. Der Held, von imposanter Statur, der Text überschaubar: „Oh Qual.“ Irgendwann darf er auch mal „Oh Pein“

singen, später sogar „Oh Pal, oh Quein“. Dazu kommt dann noch ein Eremit mit Gefolge sowie eine Sängerin — gesanglich eine Katastrophe, aber sie kann steppen, wunderbar! Die Oper führt natürlich Armin Fischer auf, das Publikum brüllt vor Lachen.

Das Bonbon zum Schluss: Die Dechower dürfen sich Kompositionen wünschen. Fischer macht daraus ein Medley, wobei er seiner Maxime „Überflüssiges weglassen“ treu bleibt. Und so gibt es eine muntere Mischung aus dem Hummelflug, dem Regentropfen-Prélude, Beethovens 5. und 9., „The Lady is a Tramp“, „We will Rock you“, der kleinen Nachtmusik und „Blueberry Hills“. Der Beifall ist vermutlich in ganz Dechow zu hören, eine Zugabe wird verlangt, die Fischer gewährt: „Diese Bitte trifft mich nicht unvorbereitet.“

Schließlich gehen alle zufrieden nach Hause. Die Dechower mit einem breiten Grinsen im Gesicht, noch immer das präzise und feine Klavierspiel in den Ohren. Der Künstler, der das Dechower Publikum „toll“ fand. Und der sich jetzt einmal mehr auf eine Kreuzfahrt freut, schon in dieser Woche geht es los, diesmal von Dubai nach Hongkong. An Bord präsentiert er sein neuestes Programm: „Lust auf Meer“. Ein Abend mit Pointen und Piano. Was sonst.

Von Dorothea Baumm

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