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Grevesmühlen Aus Ackerland wurde größte Kleingartenanlage in der Stadt
Mecklenburg Grevesmühlen Aus Ackerland wurde größte Kleingartenanlage in der Stadt
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00:00 10.09.2018
Grevesmühlen

Zu DDR-Zeiten an einen Garten zu kommen, das war schon Glückssache. Zwei bis drei Jahre Wartezeit waren Satz. Erwin Nass hatte seinerzeit mehr Glück. Der heute 77-Jährige ist direkt von der siebenköpfigen Familie Breitsprecher angesprochen worden, ob er den Garten nicht übernehmen wolle. Sie war damals in einer Kita tätig und er beruflich viel unterwegs. Die Zeit für den Garten war nicht mehr da. „Ich habe sofort zugeschlagen“, erinnert sich Erwin Nass. Seit dem 3. Mai 1986 ist er stolzer Gartenbesitzer in der Anlage „Am Questiner Weg“.

Der Vorsitzende des Kleingartenvereins, Olaf Wischendorf (l.), zeichnet Gartenfreund Erwin Nass (77) aus, der seinen Garten seit nunmehr 22 Jahren liebevoll pflegt. Quelle: Foto: Privat

Den Gesamtzustand der Kleingartenanlage beschreibt der Rentner als Einöde. Mittlerweile hat sie sich aber gemausert – und dafür haben die Gartenbesitzer im Laufe der Jahre auch allerhand getan. „Am Questiner Weg“ mauserte sich zur größten Kleingartenanlage in der Stadt Grevesmühlen – die nun ihr 60. Jubiläum feierte.

167 Kleingärten zählt die Anlage heute, die im Jahr 1958 entstand. Zu dieser Zeit verkleinerte Gärtnermeister Wilhelm Mundt seine Gärtnerei und gab Land ab. Etwa 30000 Quadratmeter verpachtete er an den damaligen Kleingartenverband Grevesmühlen, der einzelne Parzellen vergab. 55 Gärten entstanden. Das Interesse war groß, weil Obst und Gemüse aus eigener Produktion lebensnotwendig waren. „Der Konsum war mit frischem Obst und Gemüse rar ausgestattet. Auch ich habe viel Zeit und Geld investiert, um zu ernten“, erinnert sich Erwin Nass. Sogar von einem stillen Vertrag mit dem damaligen Versorgungszentrum (VZ) in Grevesmühlen weiß er zu berichten. „Manchmal riefen sie sogar sonntags an, weil sie noch Zwiebeln für einen Gurken- oder Tomatensalat benötigten. Und ich habe dadurch noch ein paar Mark verdient“, erzählt er lächelnd.

Noch vor seiner Zeit als Kleingärtner in der Anlage wurde diese immer größer. 1965 übernahm der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) weitere an die Anlage grenzende Ackerflächen. 38 neue Gärten entstanden. Ein Jahr später 18 weitere. „Eine ausreichende Wasserversorgung wurde mit einem Pumpenhaus ab 1984 gewährleistet“, weiß der heutige Vorsitzende des Kleingartenvereins, Olaf Wischendorf. Der 60-Jährige hat seinen Garten seit 13 Jahren. Elektrischen Strom gibt es in der Anlage nicht. In den 1980er- Jahren scheiterte der Versuch des Vorstandes, die Gärten mit Strom zu versorgen. Das notwendige Material konnte nicht beschafft werden. 1995 startete der Vorstand erneut einen Versuch, dem aber die Mehrheit der Mitglieder nicht zustimmte.

Inzwischen beträgt die Gesamtfläche der Anlage „Am Questiner Weg“ 80500 Quadratmeter. Acht Tore gewähren Zugang zu den Gärten, die liebevoll gepflegt werden. Eines aber habe sich mit den Jahren geändert, erzählt Erwin Nass. Habe es damals noch ein Gemeinschaftsgefühl in der Anlage gegeben, komme jetzt nur noch selten ein Gespräch über dem Gartenzaun zustande, bedauert der dreifache Vater.

Sein Garten hat eine Größe von 980 Quadratmetern. Das Pflegen erfordert viel Zeit, im Sommer ist er täglich in seiner Parzelle anzutreffen. Retten konnte er in der Hitze der vergangenen Wochen und Monate sein Gemüse und Obstbäume. Der Rasen aber habe sehr gelitten, berichtet er. Auch mit Vandalen hatten er und viele Gartenfreunde in der Anlage schon zu tun. „Unter anderem haben sie ein Kofferradio geklaut, das mein Sohn von der See mitgebracht hat“, sagt er. Das aber sei nicht das Schlimmste, vielmehr ärgere ihn die Verwüstung. Beete und seine Gartenlaube seien beschädigt worden.

Jana Franke

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