Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Aus Frust: Ex-Freundin angeschwärzt
Mecklenburg Grevesmühlen Aus Frust: Ex-Freundin angeschwärzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 15.09.2016

Horst S. schüttelt ungläubig den Kopf. Seine Aktenmappe lässt er mit einem lauten Knall auf den Tisch fallen. „Das kann doch nicht wahr sein“, stammelt er vor sich hin. Dann bricht es aus ihm heraus: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das ist unser Rechtsstaat“, poltert er im Saal des Amtsgerichtes Wismar. Er ist gerade zu einer Geldstrafe verurteilt worden. 30 Tagessätze zu je 30 Euro soll er zahlen. „Ich kann das nicht bezahlen“, sagt der 71-Jährige, der von einer 900-Euro-Rente lebt. Der Verzweiflung nahe, fragt er Richter Hinrich Dimpker, wie lange er stattdessen ins Gefängnis gehen müsste: „30 Tage.“ Horst S. reagiert zynisch: „Wenn ich die Gefängnisstrafe antrete, erhalte ich dann auch Freigang wie Uli Hoeneß?“

Aus dem Rentner spricht im Prozesses Bitterkeit. Denn er fühlt sich hintergangen – von seiner ehemaligen Lebensgefährtin und den Gerichten. „Bin ich denn der Doofmann von Mecklenburg-Vorpommern?“, fragt er.

Alles nahm im Jahr 2002 seinen Ursprung, als er seiner damaligen Partnerin 10000 Euro geliehen hatte, um die Zwangsversteigerung seines Hauses in Rolofshagen zu verhindern. Seine Lebensgefährtin wurde im Grundbuch eingetragen. 2009 trennten sich beide und als die Ex-Partnerin 2013 das Haus verkaufte, wollte S. durch den Erlös seine 10000 Euro zurück. Er nahm sich einen Anwalt. Vor dem Landgericht in Schwerin wurde seine Forderung abgewiesen. Aus der Vereinbarung habe sich für die Juristen keine Darlehensvereinbarung mit Rückzahlungsverpflichtung ergeben. Horst S. protestierte daraufhin mehrfach die Woche vor dem Landgericht. (OZ berichtete).

Im Dezember 2015 hat ihn sein Frust zu einer Handlung verleitet, für die er nun auf der Anklagebank sitzt. Der gebürtige Thüringer hatte Handzettel mit einem Bild seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Briefkästen in Grevesmühlen verteilt. Darauf stand: „Diese Frau hat mich um 10000 Euro betrogen. Im Namen des Volkes wurde meine Klage abgewiesen. Ich bin ja nicht der Landwirtschaftsminister.“

Er spielt damit auf den Rechtsstreit zwischen Till Backhaus (SPD) und dessen Ex an. Backhaus bekam sein Geld zurück.

Horst S. bestreitet die Flyer-Aktion vor Gericht nicht. „Aber es ist doch keine Verleumdung, denn diese Frau ist eine Betrügerin. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich Geld zurückzahle, das ich geliehen bekomme“, begründet er seine Tat. Richter Dimpker erwidert: „Das Landgericht hat entschieden, dass Sie im Unrecht sind. Was sie jetzt tun, ist Nachtreten. Und das wird von der Rechtsordnung nicht toleriert.“ S. wird schließlich nicht nur wegen Verleumdung, sondern auch wegen Verstoßes gegen des Kunsturhebergesetz schuldig gesprochen.

Daniel Heidmann

Mehr zum Thema

Eine Rentnerin wurde offenbar über Monate schikaniert / Steckt die eigene Familie dahinter?

10.09.2016

Die Abfuhr der 1100-Liter-Tonne soll teurer werden – Betroffen sind Tausende Mieter in den Neubaugebieten

12.09.2016

Ein Windparkprojekt nagt am Ruf von Marcus Clausen – Bürger zweifeln an seiner Integrität

13.09.2016

Die Bundespolizei mahnt Bahnreisende zur Vorsicht. Besonders in den Sommermonaten kommt es in den Zügen und auf den Bahnhöfen vermehrt zu Taschen- und Gepäckdiebstählen, teilt die Behörde mit.

15.09.2016

17. September, 16 Uhr: TSG – SFN Vechta   25. September, 15 Uhr: TV Oyten – TSG   8. Oktober, 16 Uhr: TSG – HSG Jörl-DE (Doppeleiche)   15.

15.09.2016

Im OZ-Interview spricht der neue TSG-Trainer Menc Exner über Ziele, Spannungen und sagt, was er für ein Typ ist

15.09.2016
Anzeige