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Grevesmühlen Aus Kanada an Geburtsort zurückgekehrt
Mecklenburg Grevesmühlen Aus Kanada an Geburtsort zurückgekehrt
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01:21 25.08.2014
Ernst-Adolf Bobsien in der Eingangshalle des Hauses. Am Kamin ist das Jahr der Fertigstellung notiert. Fotos (5): Ulrike Oehlers
Rankendorf

Gelb leuchtet die Fassade des ehemaligen Gutshauses von Rankendorf in der Sonne. Eine steile Treppe führt zur Eingangstür, die von Ernst-Adolf Bobsien geöffnet wird. Der 77-Jährige hat das Haus seiner Vorfahren in den 1990er-Jahren von der Treuhand erworben und seither viel Geld in die Sanierung gesteckt. „Fertig ist man nie. Diese großen Häuser sind sehr aufwendig“, sagt er. Mit seiner Lebensgefährtin, der quirligen Französin Catherine Gammonet, bewohnt er allerdings nur eine Etage — und das auch nur zeitweise. Die zweite Heimat des Paares liegt in Kanada.

„Ich bin 1962 ausgewandert. Es ist einfach passiert“, blickt Ernst-Adolf Bobsien zurück. Damals habe es in Deutschland für ihn keine große Perspektive gegeben, vor allem nicht in der Landwirtschaft, in der er seine Lehre absolviert hatte. Die Eltern hatten das Gutshaus Rankendorf, seinen Geburtsort, im Zuge der Bodenreform und Enteignung mit ihm und den vier Geschwistern 1945 verlassen und waren erst nach Travemünde, dann nach Wedel bei Hamburg gezogen. „Wir hatten dort einen kleinen Siedlerhof. Alles war sehr mühsam, es war eine schlechte Zeit“, blickt er zurück. In Kanada machte er zunächst „alles Mögliche“, fasste aber letztlich im Baugewerbe Fuß. Und machte damit sogar ein kleines Vermögen, das es ihm erlaubte, das Gutshaus wieder in Familienbesitz zu bringen. „Von den Geschwistern war er der einzige, der finanziell in der Lage war, die Vergangenheit zurückzubringen“, sagt Catherine Gammonet über ihren „Archie“.

1904 — diese Zahl umrankt das Familienwappen über dem gekachelten Kamin in der Eingangshalle, die auch die oberen Stockwerke einbezieht. In jenem Jahr wurde das Haus fertiggestellt, erbaut von Bobsiens Großvater. Ein Flügel steht in der Ecke der Halle, als Erinnerung an die Großmutter, die auch schon ein solches Instrument besaß. Den Fußboden zieren Felle von Wildschweinen, die Bobsien selbst im Laufe der Jahre erlegt hat. Linkerhand liegt das großzügige Wohnzimmer, das sowohl mit dem Schlafzimmer als auch — auf der gegenüber liegenden Seite — mit der Küche verbunden ist. „Das Obergeschoss steht leer. Das Haus ist für heutige Ansprüche viel zu groß“, sagt der Besitzer. „Den Saal nutzen wir selten.“ Er öffnet die Tür in einen Raum, der fast fünf Meter hoch ist. Die Tische samt 70 Stühlen stammen von einem schwedischen Möbelhaus und wurden vom Hausherrn persönlich zusammengebaut. Eine weitere Flügeltür führt in das frühere Esszimmer, das das Paar ebenfalls nur selten nutzt. 2000 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Haus. Hinzu kommen die Terrassen, von denen es auf jeder Etage mehrere gibt. Während diese komplett erneuert wurden, war das Innere des Hauses recht gut erhalten. „Die Substanz war noch gut, das Haus war sehr gut gebaut und auch gut isoliert“, sagt Catherine Gammonet. Zu DDR-Zeiten wurde es zudem weiterhin beheizt — „in dem Haus war 30 Jahre lang eine Schule, später dann ein Altersheim“, fügt ihr Lebensgefährte hinzu.

Von der Terrasse aus gibt es nicht nur einen herrlichen Blick auf weite, gepflegte Rasenflächen, sondern auch auf Teiche. „Sie waren mit Erde bedeckt. Aus einer Schweinezucht nebenan wurde jahrelang Jauche in den Teichen entsorgt“, beschreibt Catherine Gammonet den Zustand in den 90er-Jahren. Ihr Lebensgefährte hat alles erneuert, und nun sind die Teiche über ein Rohrleitungssystem sogar miteinander verbunden.

Um die Außenanlagen und auch um kleinere Reparaturen während der Abwesenheit der Hausherren kümmert sich der ehemalige Hausmeister der Schule: Erich Gladasch wohnt mit seiner Frau Lieselotte nach wie vor im Souterrain, mittlerweile als Mieter von Bobsien.

Darüber hinaus gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb, die Gutsverwaltung Rankendorf hat fünf Mitarbeiter. „Hauptsächlich werden Getreide, Raps und Zuckerrüben angebaut“, sagt Bobsien. Eine Vermietung an Feriengäste hat er nie in Betracht gezogen. Das lohne sich nicht, meint er.

Maler in alter Erbsenscheune
Magnus Pelkowski hat sich eine ehemalige Erbsenscheune neben dem Gutshaus von Rankendorf ausgebaut. Das Gutshaus hat sein Onkel Ernst-Adolf Bobsien 1995 erworben, der Neffe zog im selben Jahr zu den Wurzeln seiner Mutter. Die ist wiederum die Schwester des jetzigen Gutshaus-Besitzers. Sie lebt jedoch seit zwei Jahren nicht mehr und hat ihr Leben zudem weitgehend in Kolumbien verbracht.
Dort ist auch Magnus Pelkowski geboren und bis zu seinem 18. Lebensjahr aufgewachsen. „Dann bin ich in die USA zum Studieren gegangen“, erzählt der 48-Jährige. Er studierte Betriebswirtschaft in Bloomington im US-Bundesstaat Indiana. „Gleichzeitig hatte ich ein Stipendium für Basketball.“ Das lag bei einer Körpergröße von 2,08 Meter vermutlich nahe.
Durch ein Praktikum in der Finanzabteilung von Lufthansa kam Pelkowski nach Deutschland, wo er sechs Jahre lang Basketball in der Bundesliga spielte. „Ich war in Ulm, Bamberg und Braunschweig“, zählt er auf.
Mit der Wende sei dann irgendwann auch Rankendorf ins Spiel gekommen, der Geburtsort seiner Mutter. Möglicherweise habe die Tatsache, dass er im Ausland groß geworden sei, dazu geführt, dass er sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln gemacht habe, überlegt Magnus Pelkowski. Sein Onkel habe jedoch alle wichtigen Entscheidungen getroffen, er selber habe „eher das Handwerkliche übernommen“. Und die Entsorgung von haufenweise Müll, der sich im Laufe der Jahre auf dem gesamten Areal rund ums Gutshaus angesammelt hatte.
Inzwischen ist es ein idyllisches Fleckchen geworden, es gibt keine Grundstücksgrenzen zwischen dem Gutshaus und der alten Scheune, die um einiges älter ist. „Das Gut gibt es seit dem 14.
Jahrhundert, es wurde erstmals 1320 erwähnt“, weiß der Onkel. Früher habe es ein anderes Gutshaus gegeben, das jetzige wurde erst 1904 fertiggestellt.
Bei Sturm knarre und wackele die im Fachwerkstil errichtete alte Scheune zwar, „aber ich mache mir nie Sorgen“, sagt der Neffe. Das Haus habe schon so viele Jahre überstanden. Der großen Garten, in dem er sich einen kleinen Gemüsegarten angelegt hat, erfordere viel Arbeit. „Man muss praktisch veranlagt sein.“
Im Übrigen bezeichnet er sich als „Überlebenskünstler“. Das müsse man auf dem Land sein. Er lebe von seiner Malerei, vom Modellbau und Auftrags-Tischlerarbeiten. „Ich habe schon immer gerne gemalt, das habe ich über die Jahre weiter verfeinert. Den Höhepunkt erreicht man erst, wenn man jahrzehntelang dran arbeitet.“ Insofern sei die Malerei eher eine brotlose Kunst.
Sein Umzug im Jahr 1995 nach Rankendorf sei für ihn ein großer Schnitt gewesen. „Ich finde es hier herrlich. Man weiß im Leben nie, ob es die letzte Station war.“ Seine Schwester lebt in Kolumbien, ein Halbbruder in Frankfurt, eine Halbschwester in den USA. „Wir bewohnen sozusagen den Planeten. Wenn man jemanden sehen will, fliegt man einfach hin.“uo
Zwei gute Seelen seit mehr als 50 Jahren
Erich Gladasch ist die gute Seele des Gutshauses Rankendorf. Seit 1961 wohnt er gemeinsam mit seiner Frau Lieselotte in der Souterrain-Wohnung des Hauses. „Wir haben erst oben im Dorf gewohnt, aber das alte Haus war einsturzgefährdet, deshalb bekamen wir diese Wohnung zugewiesen“, erzählt der 80-Jährige.
Es sei eigentlich immer Leben im Gutshaus gewesen, berichtet er. „Hier waren die Schule, der Kindergarten, die Küche für die LPG, dann das Altersheim.“ Regelmäßig fanden — zu Schulzeiten — Tanzveranstaltungen statt. „Wenn Ringreiten war, musste alles ausgeräumt werden. Da hat die ganze Jugend mit angefasst.“ Er selber habe zunächst als Traktorist und Schlosser bei der LPG gearbeitet.
Als das Gutshaus dann zu einem Altersheim wurde, habe er die Tätigkeit als Hausmeister angeboten bekommen, seine Frau die Aufgabe einer Wirtschaftsleiterin. Das sei sei eine „große Umstellung“ für sie gewesen. In dem Haus waren 35 Menschen untergebracht, allerdings nicht nur Senioren. Früher habe es noch keine separaten psychiatrischen Kliniken gegeben, die Patienten seien ebenfalls im Altenheim untergebracht worden. „Es waren also auch junge Geisteskranke dazwischen. Von 14 bis 80 Jahren. Und Alkoholiker. Die haben ihre Rente vertrunken. Wenn die Rente weg war, war wieder Ruhe.“
Zum Monatsende also.
Heute guckt er nur noch ein bisschen nach dem Rechten. „Kleinigkeiten reparieren, sowas mache ich.“ Die schönste Zeit? Erich Gladasch überlegt. Die schönste Zeit sei eigentlich die Gegenwart. „Jetzt ist alles gut“, findet er.uo
Das Haus ist für heutige Ansprüche viel zu groß.“Ernst-Adolf Bobsien, Eigentümer



Ulrike Oehlers

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