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Ausgebüxt: Zweijährige allein auf der Straße unterwegs

Grevesmühlen Ausgebüxt: Zweijährige allein auf der Straße unterwegs

Die kleine Janine verließ ungesehen die Kita „Am Lustgarten“ in Grevesmühlen. Mutter Nina Grüner ist sauer auf die Erzieherinnen. Stadt und Landkreis haben reagiert.

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Nina Grüner (20) kann ihre Tochter Janine wieder in den Arm nehmen. Dem Mädchen ist zum Glück nichts passiert. Fotos (2): Robert Niemeyer

Grevesmühlen. Glimpflich ging in der vergangenen Woche die „Flucht“ einer Zweijährigen aus der Grevesmühlener Kindertagesstätte „Am Lustgarten“ aus. „Ich will mir nicht ausmalen, was hätte passieren können“, sagt Nina Grüner. Die 20-Jährige traute ihren Augen nicht, als sie ihre kleine Tochter Janine allein in der Nähe der Bushaltestelle am Lustgarten an der gleichnamigen, viel befahrenen Straße entdeckte. Nur dank des umsichtigen Eingreifens eines Bauarbeiters wurde Schlimmeres verhindert. Die Trägerin der Kita, die Stadt Grevesmühlen, hat bereits reagiert. Das Jugendamt ermittelt.

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Nina Grüner (20) kann ihre Tochter Janine wieder in den Arm nehmen. Dem Mädchen ist zum Glück nichts passiert. Fotos (2): Robert Niemeyer

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„Ich hatte den ganzen Tag ein komisches Gefühl, deshalb bin ich früher als sonst losgefahren, um sie abzuholen“, erzählt Nina Grüner, die der Kitaleitung nun vorwirft, die Betreuungspflicht vernachlässigt zu haben. Den Kita-Platz, für den sie immerhin rund 132 Euro monatlich zahlt, habe sie sofort gekündigt und ihre Tochter an einer anderen Kita angemeldet.

„Zum Glück ist dem Kind nichts passiert. Trotzdem: So etwas darf nicht passieren. Es tut uns wahnsinnig leid“, sagte Pirko Scheiderer, Hauptamtsleiterin der Stadtverwaltung Grevesmühlen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände sei es dazu gekommen, dass die kleine Janine die Betreuungsstätte ungesehen verlassen konnte.

Es war kurz nach halb elf. Auf dem Pausenhof habe es einen Streit gegeben, um den sich die zu diesem Zeitpunkt zuständige Erzieherin gekümmert habe. Gleichzeitig wurde das Mittagessen durch die Vordertür von Haus II angeliefert, eine Kindergartengruppe ging durch die Hoftür, sodass der Weg durch das Gebäude frei war. „Sie wollte wohl zu uns zurück“, erzählt Mama Nina Grüner. Seit Anfang Juli wurde ihre Tochter in der Kita „Am Lustgarten“ betreut.

Offenbar mehrere Minuten, maximal eine Viertelstunde, lief das kleine Mädchen unbeobachtet auf der Straße umher. Ein Bauarbeiter auf der anderen Straßenseite entdeckte das Kind und kümmerte sich um sie. „Ich habe sie nur an der Bushaltestelle vorbeilaufen sehen, und geschaut, ob dort irgendwo ihre Eltern stehen. Aber da war niemand. Dann bin ich einfach rübergelaufen“, sagte der Retter der kleinen Janine, der seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte. „Für mich ist das selbstverständlich, dann einzugreifen“, sagte er. Nur wenige Minuten später sei auch Nina Grüner vor Ort aufgetaucht.

Einen solchen Vorfall habe es noch nicht gegeben, seit sie in der Verwaltung arbeite, sagt Pirko Scheiderer. So etwas dürfe sich auch nicht wiederholen. Die Stadt hat mittlerweile reagiert. Die zuständige Erzieherin werde sich bei der Familie entschuldigen. Zudem hat die Stadt die „Flucht“ der zweijährigen Janine beim Landkreis gemeldet. „Dazu sind wir verpflichtet“, sagte Pirko Scheiderer.

Drittens werde das Essen nun nicht mehr durch den Haupt-, sondern durch einen Seiteneingang angeliefert, sodass der direkte Durchgang stets von mindestens einer Seite verschlossen sei.

Auch das Jugendamt wird tätig. „Wir werden uns Stellungnahmen einholen, Gespräche mit den Verantwortlichen führen und einen Vor-Ort-Termin machen“, sagte Andrea Krüger von der Fachaufsicht für Kindertagesstätten bei der Kreisverwaltung. Was angeordnet wird, hänge von den Ergebnissen der Überprüfung ab.

Schock für Eltern und Erzieher
Für Eltern und Erzieher ist es immer ein Schock, wenn Kinder aus der Kita weglaufen. Nicht immer gehen die Fälle so glimpflich aus wie in Grevesmühlen. In München wurde im Oktober 2012 eine Zweijährige von einer S-Bahn erfasst, nachdem sie das Kita-Gelände mit zwei weiteren Kindern durch ein Loch im Zaun verlassen hatte. Das Mädchen wurde lebensbedrohlich verletzt. In Stralsund fiel im Oktober 2011 ein Fünfjähriger in einen Teich, nachdem er über den Zaun der Kita geklettert war.


Auch im Landkreis hat es bereits „erfolgreiche Fluchtversuche“ von Kleinkindern gegeben. Zuletzt sei vor etwa einem halben Jahr ein Kind im Bereich Lützow/Lübstorf aus einer Kita weggelaufen. Bisher sei im Landkreis noch nie ein Kind zu Schaden gekommen.

 

Robert Niemeyer

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