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Grevesmühlen Autoverkäufer wegen Betruges verurteilt
Mecklenburg Grevesmühlen Autoverkäufer wegen Betruges verurteilt
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00:00 11.04.2013
Die Finanzierung eines gebrauchten Golf IV nutzte der Angeklagte, um einen Kreditantrag zu seinen Gunsten zu fälschen. Quelle: Jörg Taron
Grevesmühlen

Es war das erste Auto für den Sohn der Familie B. aus Köchelstorf — und der Beginn einer Geschichte, die, so Amtsrichter Hinrich Dimpker, schlicht und einfach der Horror für jeden Autokäufer sei. Denn die Familie geriet an Verkäufer Jan B., der gestern wegen Betruges zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Und dabei wollten sie eigentlich nur ein altes Auto kaufen.

Passiert war folgendes: Im November 2010 hatte die Familie in einem Grevesmühlener Autohaus einen Golf IV für ihren Sohn gekauft. 4850 Euro sollte das gebrauchte Fahrzeug kosten, 2500 Euro zahlten die Käufer an das Autohaus, beziehungsweise sie übergaben gegen eine Quittung dem Verkäufer das Geld, in der Annahme, es würde auf die Finanzierung angerechnet. Weil die Familie bereits ein Fahrzeug gekauft und dieses finanziert hatte, lautete der Plan, die Kreditsumme für beide Fahrzeuge zusammenzufassen und dadurch auf eine Rate zu reduzieren. Davon allerdings riet Jan B. den Kunden ab. So etwas sei nicht möglich, aber er wisse eine Lösung. Er schlug die Finanzierung über eine neue Bank vor, mit einer entsprechend hohen Kreditsumme sollte der erste Wagen ausgelöst werden, sodass nur noch der Betrag für den Golf übrig bleiben würde. Das klang zwar ziemlich kompliziert, aber die Käufer glaubten dem jungen Mann und unterschrieben.

Wie das Gericht feststellte, hatte Jan B. bei der Bank eine Kreditsumme von 8700 Euro im Namen der Käufer beantragt. Knapp 4000 Euro mehr als nötig landeten so auf dem Konto seines Arbeitgebers.

Diesen Überschuss wollte er sich auf sein privates Konto überweisen lassen. Dafür wies er die Buchhaltung an, Familie B. diese Summe zu überweisen. Auf dem Formular stand hinter dem Namen des Kunden allerdings seine eigene Kontonummer. Weil es dort jedoch zu einem Zahlendreher kam, landete das Geld wieder beim Autohaus.

B., der bemerkt hatte, dass das Geld nicht überwiesen worden war, ließ nicht locker. Als Barauszahlung gegen Quittung — die er mit dem Namen der Familie B. unterschrieb, ließ er sich das Geld auszahlen. Doch im Autohaus war man inzwischen skeptisch geworden, zumal auch Familie B. mittlerweile mehrfach nachgefragt hatte, was es denn mit den seltsamen Kreditzahlungen im Zusammenhang mit ihrem Autokauf auf sich hatte.

„Ich brauchte Geld, es war eine Kurzschlussreaktion, weil ich in einer finanziellen Notlage war“, beteuerte der 33-Jährige, der inzwischen als Küchenverkäufer in Lübeck arbeitet, gestern im Gerichtssaal. Es sei eine einmalige Sache gewesen.

So wirklich glauben mochten ihm das allerdings weder der Richter noch die Staatsanwältin. Denn Jan B. hat zwar keine Vorstrafen, aber es laufen bereits zwei weitere Anklagen gegen ihn. Unter anderem weil er, um die Provision zu kassieren, Neuwagen für Kunden bestellt hatte, ohne dass die etwas davon wussten. „Wir werden uns hier noch öfter sehen“, kündigte Richter Hinrich Dimpker während der Verhandlung an. „Denn die nächsten Verfahren warten bereits auf Sie.“

Gestern wurde Jan B. übrigens von der Polizei am frühen Morgen aus dem Bett geholt, nachdem er den ersten Verhandlungstermin verpasst hatte. Die Stunden bis zur Verhandlung verbrachte er in der Zelle des Amtsgerichts. Der Grund, weshalb er damals nicht habe kommen können, so erklärte er gestern, sei eine Lebensmittelvergiftung gewesen. Den ganzen Tag habe er damals versucht anzurufen, aber im Gericht habe er niemanden erreicht. Dann habe er den Krankenschein per Post ans Gericht geschickt. Nur angekommen ist nichts.

„Seltsam“, so Dimpker, „dass immer ausgerechnet solche Sachen verschwinden.“ Und das Telefon im Haus sei auch immer besetzt.


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